Vibrationstherapie für Sport und Gesundheit – Wirkungen und Kontraindikationen

Was die Vibrationstherapie für Ihren Körper tun kann: Erfahren Sie alles zu Methoden und Nutzen.

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Bei der Vibrationstherapie wird der gesamte Körper oder nur eine bestimmte Körperpartie in Schwingungen versetzt. Dies geschieht, indem der Patient entweder auf einer Vibrationsplatte steht oder ein portables Vibrationsgerät angelegt bekommt. Ziel der Therapie ist die Stimulation des Bewegungsapparates.

Ähnlich wie bei Bewegungen oder einer Trainingseinheit kommt es zu Muskelkontraktionen. Da die Muskulatur über Sehnen am Skelett verankert ist, wirken bei der Muskelaktivität Zugkräfte sekundär auch auf die Knochen.

Die Vibrationstherapie ist kein neues Konzept. Schon im antiken Griechenland fanden Gelehrte heraus, dass Aktivitäten wie das Zersägen von Holz, das Reiten oder das Kutschefahren in unebenem Gelände die Genesung beschleunigen können. Doch erst Ende des 19. Jahrhunderts begann die Entwicklung von mechanischen Geräten zur Vibrationstherapie.

Wirkung der Vibrationstherapie – so nimmt sie Einfluss auf Ihren Körper

Eine Vibrationstherapie können Sie entweder unter Anleitung eines Therapeuten durchführen, zum Beispiel zur gezielten Behandlung einer Erkrankung oder zur Rehabilitation nach Verletzungen. Vibrationsgeräte finden sich aber auch in den örtlichen Fitnessstudios oder lassen sich für eine Anwendung zu Hause beziehen.

Generell empfiehlt es sich, einen Mediziner hinzuzuziehen, sobald Sie eine regelmäßige Vibrationstherapie beginnen möchten. Dieser wird Sie zur richtigen Durchführung beraten und mögliche Kontraindikationen zuvor abklären.

Bei der Vibrationstherapie existieren zwei Methoden: Die Ganzkörpertherapie und die lokalisierte Form. Die Ganzkörpervibrationstherapie findet im Stehen, im Liegen, im Sitzen oder auch im Knien statt. Die Vibrationsplatte überträgt die Schwingungen auf den gesamten Körper.

Tragbare Vibrationsgeräte kommen dagegen für die lokale Therapie zum Einsatz. Diese legen Sie an die zu behandelnde Körperregion (zum Beispiel Oberschenkel, Oberarme oder Rücken) an.

Qualität und Intensität der Vibrationen wählen Sie oder Ihr Therapeut nach Bedarf. Möchten Sie ein Vibrationsgerät für den Hausgebrauch kaufen, achten Sie darauf, dass sowohl horizontale als auch vertikale Vibrationsmuster sowie verschiedene Vibrationsstärken einstellbar sind.

Mit den Vibrationsgeräten werden Schwingungen auf das Körpergewebe übertragen. Die Frequenz bestimmt, wie viele Schwingungen pro Sekunde das Gerät ausführt. Diese meisten Vibrationsplatten arbeiten mit Frequenzbereichen zwischen 10-120 Hz.

Welche Frequenz für die Therapie gewählt wird, hängt von der Fitness und vom Körperzustand des Patienten ab. Üblich ist es, mit einer geringen Frequenz zu beginnen und diese im Laufe des Trainings zu steigern, damit es nicht zu einer Überstimulation kommt.

In der Muskulatur laufen bei der Vibrationstherapie pro Sekunde multiple Phasen von Kontraktion und Entspannung ab. Dies hat Auswirkungen auf den Stoffumsatz des Körpers.

Zudem werden durch die regelmäßige Stimulation Muskeln und Gelenke geschmeidig gehalten. Befürworter und Anwender der Vibrationstherapie schwören auf vielfältige positive Effekte auf den gesamten Organismus:

  • Förderung der Durchblutung
  • Linderung von Muskelverspannungen
  • Förderung von Muskelaufbau und -kraft
  • Steigerung der Flexibilität des Bewegungsapparates
  • Einflussnahme auf die Knochendichte
  • Stimulation der Fettverbrennung
  • Reduktion von Cellulitis

Durch die genannten Wirkungen kann die Vibrationstherapie das regelmäßige Fitnesstraining unterstützen. Zum Beispiel lassen sich Muskelkater oder Muskelverspannungen nach einer schweren Trainingseinheit bekämpfen. Eine gute Durchblutung hilft zusätzlich, die Gewebe mit Nährstoffen zu versorgen und Stoffwechselprodukte abzutransportieren.

Um dies zu erreichen, empfehlen Fitnesstrainer die Vibrationstherapie mindestens drei Mal in der Woche für 15 Minuten durchzuführen.

Machen Sie zum ersten Mal Erfahrung mit dem Vibrationstraining, ziehen Sie einen erfahrenen Therapeuten hinzu. Dieser kann Ihnen eine gute Einführung in die unterschiedlichen Varianten der Trainingsmethode geben und hilft Ihnen, einen individuellen Therapieplan zu entwickeln.

Historisches zur Vibrationstherapie

Obwohl die Vibrationstherapie schon seit der Antike bekannt ist, konzentrierten sich Ärzte und Wissenschaftler erst im 19. Jahrhundert wieder vermehrt auf die möglichen positiven Effekte. Propagiert wurde die Wirkung vor allem für Herz-Kreislauf-Beschwerden, Verdauungsprobleme sowie Muskel- und Nervenerkrankungen.

Jean-Martin Charcot, ein französischer Neurologe, entwickelte daraufhin einen Vibrationsstuhl für die Therapie von Parkinson-Patienten. Weitere Vorreiter der modernen Vibrationstherapie waren der schwedische Arzt Gustaf Zander und der amerikanische Arzt und Ernährungsspezialist John H. Kellogg.

Dr. Zander etablierte verschiedene Maschinen für den heiltherapeutischen Einsatz zur Bekämpfung der Muskelatrophie bei geschwächten Patienten. Nachdem seine Erfindungen auf dem internationalen Markt bekannt geworden waren, entstanden in Europa die ersten “Fitnessstudios” unter dem Namen Zander-Institute.

In den USA entwickelte John H. Kellogg etwa zur selben Zeit einen Vibrationsstuhl und integrierte diesen in die Therapie von beispielsweise Durchblutungs- oder Verdauungsstörungen bei seinen Patienten.

Ab den 1970er-Jahren wurde die Vibrationstherapie im russischen Raumfahrtprogramm genutzt, um den Verlust von Knochendichte während der Schwerelosigkeit zu bekämpfen.

Auch die NASA forscht an den positiven Effekten der Vibrationstherapie für den Einsatz im Weltraum. Zusätzlich zu den zwei Stunden körperlichen Trainings, das die Astronauten im All täglich absolvieren müssen, sollen zehn bis zwanzig Minuten Training auf der Vibrationsplatte den Effekten der Schwerelosigkeit auf Knochen und Muskeln entgegenwirken.

In tierexperimentellen Studien wurden mit einer zehnminütigen Vibrationstherapie mit Frequenzen von 90 Hz normale Knochenbildungsraten erzielt. Dies deutet darauf hin, dass es eventuell möglich ist, mit der Vibrationstherapie im All den Einfluss der Erdanziehung auf den Körper zu simulieren und den Bewegungsapparat und das Nervensystem in einer ähnlichen Weise zu reizen.

Wer profitiert von einer Vibrationstherapie?

Bisher fehlen nach wie vor aussagekräftige Studien zu den einzelnen propagierten Effekten der Vibrationstherapie. Zum Beispiel ist noch nicht geklärt, inwiefern eine Vibrationstherapie als Ersatz für ein sportliches Training gelten kann.

Jedoch – durch die Stimulation des Bewegungsapparates – könnte sie für ältere Menschen oder chronisch Erkrankte, die nicht mehr fähig sind, Sport auszuüben, einen Vorteil versprechen. So hat sich gezeigt, dass ein Training mit der Vibrationsplatte zum Beispiel den Gleichgewichtssinn verbessert, die Muskelkraft erhält, Knochenschwund verlangsamen und Gelenk- oder Rückenschmerzen bekämpfen kann.

Für Gelenk- und Rückenschmerzen kommen jedoch viele Ursachen infrage. Ihr Arzt wird Sie beraten, ob in Ihrem Fall eine Vibrationstherapie erfolgversprechend sein kann.

Aber nicht nur ältere oder geschwächte Patienten können sich die Vibrationstherapie zunutze machen. Für Hobby- und Leistungssportler gilt sie als ergänzende Maßnahme zum Training. Sie können sie zum Beispiel als Teil Ihres Warm-ups oder als Cool-down-Methode einsetzen.

Ebenso hilft die Arbeit mit den Vibrationsgeräten Muskelschmerzen nach einer harten Trainingseinheit zu lindern, wodurch sich die Erholungszeit zwischen Trainingseinheiten verringern lässt. Insgesamt berichten Sportler von einer erhöhten Flexibilität von Muskulatur und Gelenken, die sich schon mit dem zehnminütigen Anlegen portabler Geräte erzielen lässt.

Kann die Vibrationstherapie schädlich sein?

Für Muskelkontraktionen benötigt der Körper bestimmte Nähr- und Mineralstoffe. Damit mit der Vibrationstherapie die gewünschten Effekte erzielt werden können, sollten Sie auf eine gesunde und vollwertige Ernährung achten. Stellen Sie sicher, dass kein Mangelzustand bei Ihnen vorliegt, wenn Sie mit dem Training beginnen wollen, da es sonst zu Erschöpfungszuständen kommen kann.

Zudem existieren Kontraindikationen, bei denen eine Vibrationstherapie nicht angewendet werden sollte oder sogar gefährlich sein kann. Dazu zählen:

  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Diabetes
  • Operationen und frische Wundversorgungen
  • Schwangerschaft
  • Epilepsie
  • akute Migräneanfälle
  • akute Gelenks- oder Wirbelsäulenproblematik

Möchten Sie eine Vibrationstherapie beginnen, klären Sie mit einem Arzt ab, welche Art von Therapie und welcher Frequenzbereich für Sie infrage kommt. Generell wird eine Therapie unter 15 Hz als schonend und risikoarm betrachtet.

Dennoch besteht bei jeder Vibrationstherapie die Gefahr von Nebenwirkungen. Diese können von einem Kribbeln oder Jucken der Haut über Ermüdung und Schmerzverschlimmerung bis hin zu Unterzuckerung und Blutdruckabfall reichen.

Fazit: Vibrationstherapie sinnvoll einsetzen

Richtig ausgeführt lässt sich mit der Vibrationstherapie das Fitnesstraining unterstützen. Durch die regelmäßige ergänzende Anwendung können Sie Ihre sportlichen Leistungen steigern, da Sie Muskeln und Gelenke geschmeidig halten.

Jedoch kann die Verwendung von Vibrationsgeräten vor allem bei hohen Frequenzen auch Risiken bergen. Möchten Sie zur Behandlung einer Krankheit die Vibrationstherapie integrieren, sollte dies immer unter medizinischer Aufsicht erfolgen. Informieren Sie sich genau oder lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, mit welchen alternativen Verfahren Sie Ihr Therapieziel am besten erreichen.

Die Vibrationstherapie lässt sich zudem auch mit anderen Methoden wie Massagen, Akupressur oder der Physiotherapie verbinden.

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