Die komplexe Wirkung von Licht auf den Organismus

Die komplexe Wirkung von Licht auf den Organismus

Medizin und Forschung befassen sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Licht tatsächlich auf den Organismus wirkt. Gesunde Augen empfangen ab dem Öffnen nach dem Aufwachen optische Reize und leiten sie an das Gehirn weiter. Sie bilden eine Schnittstelle zwischen dem Individuum Mensch und der Umgebung. Das ist aber längst nicht alles, denn die Augen empfangen dabei ununterbrochen Lichtimpulse. Die Lichtimpulse beeinflussen die geistige Aufnahmefähigkeit, die Leistungsfähigkeit und die Konzentration: Bei ungünstigen Lichtverhältnissen leidet das Wohlbefinden, von günstigen Tageslichtbedingungen profitiert es dagegen. Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass dabei nicht nur der Helligkeitsgrad oder die Beleuchtungsstärke, sondern auch die spektrale Zusammensetzung des Lichts diese oder jene Wirkung hervorruft.

Die innere Uhr des Menschen richtet sich bevorzugt nach dem Sonnenlicht beziehungsweise dem natürlichen Tageszyklus mit dem Wechsel zwischen Helligkeit und Dunkelheit. Darauf sind die körperlichen Abläufe eingestellt. Ist es abends früher dunkel, nutzen Menschen ebenso wie auch sonst in Innenräumen, die nicht ausreichend durch Tageslicht erhellt werden, künstliches Licht. Dadurch wird der natürliche Hormonhaushalt gestört - nicht nur hinsichtlich des Schlaf- und Wach-Rhythmus. Forschungen haben ergeben, dass Licht zahlreiche körperliche Vorgänge beeinflusst:

  • Ausschüttung von Seratonin („Glückshormone“)
  • Abbau von Melatonin („Schlafhormone“)
  • Steigerung der Leistungsfähigkeit
  • Regulierung des Stoffwechsels
  • Stabilisierung des Immunsystems
  • Unterstützung der Hautfunktion
  • Feuchtigkeitshaushalt
  • Zusammensetzung des Blutes
  • Sehfähigkeit

Im Umkehrschluss bedeutet das: Mangelt es an Tageslicht im natürlichen Zyklus, werden die entsprechenden regulierenden Vorgänge im menschlichen Körper beeinträchtigt. Infolgedessen sinkt das Wohlbefinden und die Krankheitsanfälligkeit steigt. Darunter leiden insbesondere Menschen, die einer Tätigkeit in Innenräumen nachgehen oder nachts arbeiten. Ebenso treten Lichtmangel und daraus resultierende Phänomene in den nördlicher gelegenen Ländern Europas bevorzugt in den Wintermonaten auf, daher als Winterdepression bezeichnet.

Künstliche Simulation von Tageslicht

Eine Studie des Australia Research Council an Kindern in Australien belegt, dass ein täglicher bis zu zweistündiger Aufenthalt im hellen Tageslicht die Entwicklung der Augen sowie damit einhergehend die Sehfähigkeit positiv beeinflusst und das Risiko einer späteren Kurzsichtigkeit senkt. Eine schwedische Studie hat sich Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen gewidmet und kam zu dem Schluss, dass natürliches Tageslicht dazu beiträgt, den Kortisolspiegel derart zu regulieren, dass das Stresslevel sinkt. Dadurch verbesserten sich die Aufmerksamkeit, Aufnahmefähigkeit und Konzentrationsfähigkeit.

Wissenschaftler schließen aus derartigen Erkenntnisse, dass sich eine unzureichende Beleuchtung kontraproduktiv auswirkt und raten in Schulen und am Arbeitsplatz grundsätzlich zu einer Beleuchtung mit höherer Intensität, die das natürliche Tageslichtspektrum simuliert.

Lichtintensität und Sehfähigkeit

Weitere Forschungen bestätigen, dass sich das Licht, hier insbesondere die Intensität, allgemein positiv auf die Sehfähigkeit auswirkt. Das betrifft selbstverständlich Menschen mit gesunden Augen und insbesondere die Wahrnehmung von

  • Konturen
  • Schärfe
  • Kontrasten
  • Farben

sowie die schnelle Anpassung und Fokussierung bei unterschiedlichen Entfernungen, Umgebungsstrukturen, Konturen und Farben. Die Augen ermüden weniger, leiten die empfangenen Reize schneller weiter und das Risiko konzentrationsbedingter Kopfschmerzen sinkt, was die allgemeine Leistungsfähigkeit fördert. Dies versteht sich zusätzlich zu der Tatsache, dass bei Tageslicht verstärkt Serotonin produziert wird, was den Organismus in den "Aktivmodus" schaltet.

Forscher und Mediziner kommen daher nicht umhin, bei einem Mangel an Tageslicht Lampen zu empfehlen, die das Spektrum der Sonne nachahmen. Einige Tageslichtlampen haben wir für Sie unter die Lupe genommen und stellen Ihnen die sechs besten unserer Recherche vor.

Lichteigenschaften in der therapeutischen Anwendung

Professor Dr. Thomas Jüstel von der Fachhochschule Münster hat sich dem Bereich der Lichteigenschaften und diesbezüglichen Therapemöglichkeiten intensiver gewidmet. Er geht davon aus, dass jegliche Abweichungen des Lichteinflusses vom natürlichen Sonnenlicht die menschliche Gesundheit beeinflussen können. In seinen Ausführungen befasst er sich vor allem mit den verschiedenen Lichtfarben und Wellenlängen sowie der Zusammensetzung, wobei er neben dem Sonnenlicht künstliche Lichtquellen zur Veranschaulichung heranzieht.

So stellt er unter anderem fest, dass das sichtbare blaue Licht eine Hauptrolle bei der Konzentration von Melatonin und Cortisol spielt und somit die Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit steuert. Weiterhin erläutert er anhand Grafiken die natürlichen Abläufe im Organismus in Bezug auf die Lichtverhältnisse. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Lichtfarbe hinsichtlich bestimmter Vorgänge im Organismus und die Eindringtiefe verschiedener Lichtfrequenzen in die Haut. Speziell das UVA-Licht der Sonne ist es, welches zum Abbau des Melatonin beiträgt, während UVB-Licht die Produktion von Vitamin D unterstützt. Beide dringen bis in die sogenannte Lederhaut unterhalb der oberen Hautschichten vor. Rotem Licht schreibt er mit einem Wirkbereich bis in die das Untergewebe hinein eine Gefäß erweiternde Wirkung zu, infolgedessen eine bessere Durchblutung,

Wirkungen des Lichts und therapeutische Anwendung

Letztendlich kommt auch der Professor der FH Münster in grafischer Aufbereitung zu dem Schluss, dass die Lichttherapie ein geeignetes Mittel zur Steigerung des Wohlbefindens sowie bei Schicht- beziehungsweise Nachtarbeit, Winterdepressionen oder Schlafstörungen ist, sofern ein geeignetes Tageslichtspektrum in der richtigen Intensität gewählt wird.

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    MedUni.com Redaktion

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