Wie Probiotika helfen, die Beschwerden bei Reizdarm zu lindern

Wie Probiotika helfen, die Beschwerden bei Reizdarm zu lindern

Es gibt viele Menschen mit Reizdarmsyndrom, die sich mit Verdauungsbeschwerden herumquälen. Eine Behandlung mit Probiotika stellt eine mögliche Chance dar, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, wie Experten meinen. Verstopfungen, Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall zählen zu den charakteristischen Symptomen, die die Erkrankung auslöst und vielen Betroffenen zu schaffen machen. Aber selbst wenn die Erkrankung Wissenschaftlern, Ärzten und Forschern immer noch Rätsel aufgibt, so ist die Behandlung mit Probiotika ein hilfreicher Ansatz.

Was ist eigentlich das sogenannte Reizdarmsyndrom?

Das Reizdarmsyndrom, das auch häufig Colica mucosa, Colitis spastica, Reizkolon oder einfach als nervöser Darm bezeichnet wird, ist eine sehr komplexe und vielschichtige Erkrankung. Sie wird von einer speziellen Reihe von Symptomen bestimmt, die auch auf andere funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen zutreffen. Funktionell bedeutet, dass selbst durch detailreiche medizinische Untersuchungsmethoden keine organischen Ursachen zu finden sind. Da keine Ursachen zu finden sind, nehmen Experten an, dass die Erkrankung psychosomatisch bedingt ist. Das bedeutet, dass sich Psyche und Darm wechselseitig beeinflussen. Zurzeit besteht allerdings noch immer großer Forschungsbedarf für die Erkrankung. Dabei hoffen die Experten, dass das Reizdarmsyndrom in den nächsten Jahren immer besser verstanden werden kann und sich dadurch entsprechende Behandlungen und Therapien entwickeln.

Aufgrund ihrer Häufigkeit, in der sie auftritt, ist die Erkrankung in Deutschland schon fast eine Volkskrankheit. Ersterkrankungen treten im Normalfall zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Dabei sind von der Erkrankung doppelt so viele Frauen als Männer betroffen.

Es gibt viele Menschen, die im Laufe ihres Lebens Magen-Darm-Probleme bekommen und manche Zeiten auch unter einem empfindlichen Magen leiden. Betroffene mit Reizdarmsyndrom leiden allerdings häufiger an Durchfall, Bauchschmerzen, aufgeblähtem Bauch, Verstopfungen und Blähungen. Häufig ist ihre Lebensqualität durch die Symptomatik stark oder sogar dauerhaft eingeschränkt.

Ist die Reizdarmerkrankung wirklich rein psychosomatisch bedingt?

Noch bis vor wenigen Jahren nahmen Wissenschaftler und Ärzte an, dass es sich bei der Reizdarmerkrankung um eine vollständig somatoform bedingte Krankheit handelt. In manchen Fachkreisen wird diese Annahme auch noch heute vertreten. Der Begriff somatoform bezeichnet eine Erkrankung oder Störung, für die diagnostisch keine Ursachen zu finden ist, aber die Betroffenen trotzdem auf weitere diagnostische Maßnahmen bestehen, da sie fest davon überzeugt sind, krank zu sein. Manchmal werden bei einer somatoformen Erkrankung zwar physische Ursachen gefunden. Aber meist reichen sie nicht aus, um die starke Symptomatik des Reizdarmsyndroms zu erklären.

Ansatzweise können jedoch neueste Untersuchungen eine Auskunft über mögliche Ursachen geben. So wurden zum Beispiel in der Darmschleimhaut von Reizdarmsyndrompatienten Mikroentzündungen festgestellt, die die Veränderungen der Darmflora bedingen.

Auch ist die Beweglichkeit und Aktivität des Darms gestört. Durch die gestörte Aktivität des Darms wird die Nahrung nicht wie sonst verdaut und abtransportiert. Es wird dabei angenommen, dass dadurch eine bakterielle Fehlbesiedelung des Darms begünstigt wird. Als weitere mögliche Ursache steht die Verbindung zwischen dem Darmnervensystem und Gehirn zur Debatte sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Deshalb weisen immer mehr Ärzte darauf hin, dass das Reizdarmsyndrom wahrscheinlich keine reine somatoforme Störung ist.

Mögliche Ursachen im Überblick:

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Veränderungen der Darmflora
  • veränderte Schmerzwahrnehmung im Darm
  • psychische Faktoren( zum Beispiel nervliche Überbelastung und Stress)
  • Magen-Darm-Infekte oder andere vorausgegangene Erkrankungen

Großer Leidensdruck für Betroffene

Für Betroffene ist ein normaler Alltag kaum noch möglich, da sie ständig an ihre Erkrankung denken. Viele Reizsyndrompatienten, die an Durchfall leiden, sehen sich unterwegs permanent nach der nächsten Toilette um, die sie benutzen können, wenn es notwendig ist.

Großer Leidensdruck für Betroffene des Reizdarmsyndroms

Im Berufsalltag haben es Betroffene sehr schwer, denn aufgrund ihrer starken Symptomatik fallen sie durch Darmgeräusche und Blähungen negativ auf. Durchfall und Bauchkrämpfe erschweren ihre Arbeit. Gleichfalls vermindern sich ihre sozialen Kontakte und Tätigkeiten, sodass sich ihre psychische Belastung noch weiter verstärkt. Letztlich sind die Betroffenen in einem Teufelskreis gefangen, in dem sie bleiben, wenn ihnen nicht geholfen wird. Die Folgen dieser Situation sind bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Niemand weiß genau, ob sich eventuell die körperliche und psychische Belastung und die daraus resultierende verminderte Lebensqualität die Lebenserwartung senkt.

Fest steht, dass es notwendig ist, die Reizdarmsymptome so gut wie möglich zu lindern und darüber hinaus das Risiko von Folgeerkrankungen, die sich sowohl körperlich als auch psychisch entwickeln können, zu minimieren.

Wie wird die Diagnose für das Reizdarmsyndrom gestellt?

Zunächst erfolgt ein Patienten-Arzt-Gespräch. Dabei werden alle Symptome vom Arzt erfragt und erfasst. Auch die Fragen zur Stuhlkonsistenz spielen dabei eine große Rolle, selbst wenn sie manchem Patienten unangenehm erscheinen. Die Konsistenz des Stuhls wird anhand einer Skala eingeordnet, zum Beispiel wie fest oder weich der Stuhl ist, ob eine Verstopfung oder Durchfall vorliegt. Im Anschluss an dem Gespräch mit dem Arzt erfolgt eine körperliche Untersuchung.

Dabei kommen folgende Methoden zum Einsatz:

  • Darmspiegelung
  • Blutbild
  • Urin-Test
  • Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane
  • Mikrobiologie des Stuhls
  • Atemtest (zum Aufspüren von Nahrungsmittelunverträglichkeiten)

Der Darm ist beim Reizdarm meist nicht krankhaft verändert. So gibt es bisher keinen speziellen Test, um die Diagnose mit Sicherheit stellen zu können. Das bedeutet, dass Ärzte mit ihren Untersuchungsmethoden keine organischen Störungen wie Tumore, Zysten oder Geschwüre feststellen können. Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich viel mehr um eine sogenannte Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, die Suche nach möglichen anderen Krankheiten, die ähnliche Symptome zeigen, bleibt ohne Erfolg.

Wenn keine organische Ursache auszumachen ist, müssen spezifische Bedingungen erfüllt sein, damit die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt werden kann.

Die spezifischen Bedingungen:

a) Die Symptome müssen mit Veränderungen des Stuhls einhergehen und sowohl vom Arzt als auch vom Patient auf den Darm bezogen werden.

b) Die Beschwerden bestehen dauerhaft. Sie sind also schon chronisch und halten bereits länger als 3 Monate an.

c) Die Lebensqualität wird durch die stark ausgeprägten Beschwerden relevant beeinträchtigt.

Es gibt verschiedene Reizdarm-Typen

Für die Einteilung der Typen des Reizdarmsyndroms wird das Symptom, das beim Betroffenen verstärkt auftritt, als Leitsymptom oder Hauptsymptom bezeichnet. Anhand des bestimmten Symptoms kann die Reizdarmerkrankung in 4 Typen eingeteilt werden:

Typ I (Diarrhoetyp): als Leitsymptom Durchfall
Typ II (Verstopfungstyp): als Leitsymptom Verstopfung
Typ III (Mischtyp): Verstopfung und Durchfall im Wechsel
Typ IV (Schmerz- und Blähtyp): Blähungen mit Schmerzen und Abgang von Darmgasen

Die Einteilung in 4 Typen ist vor allem für die Behandlung wichtig, da sie sich stets am Leitsymptom orientiert. Das jeweilige Symptom wird zuerst therapiert. Außerdem werden bei Verstopfung andere Medikamente benötigt als bei Durchfall oder Blähungen. Dabei muss die Behandlung des Mischtyps häufiger angepasst werden. Das hängt davon ab, welches Symptom in der jeweiligen Zeit am stärksten auftritt.

Probiotische Bakterienpräparate als sehr gute Therapiemöglichkeit

Neben medikamentösen Methoden, wie zum Beispiel Therapien mit pflanzlichen Präparaten, kann den vielseitigen Ursachen für das Reizdarmsyndrom mit natürlichen Darmbakterien wirkungsvoll begegnet und den Beschwerden der Reizdarm-Erkrankung vorgebeugt werden. Dazu werden bestimmte probiotische Präparate eingesetzt, die von medizinisch-wissenschaftlichen Verbänden und Gremien bei allen Beschwerden des Reizdarmsyndroms empfohlen werden. Die Bakterien sind nicht nur dafür geeignet, die Symptome zu beseitigen, sondern in vielen Fällen auch die Ursachen der Reizdarmerkrankung. Darüber hinaus stellen sie die Balance der Darmflora wieder her.

Es gibt zahlreiche Probiotika auf dem Markt. Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, haben wir verschiedene Probiotika Produkte getestet und Informationen zu den besten 6 zusammengestellt. Lesen Sie unseren Testbericht.

Darmbakterien

Darmbakterien:

  • sind im gesunden Darm vorkommende, vollkommen natürliche, das Wohlbefinden und die Verdauung unterstützende Bakterien.
  • können in verschiedenen speziellen Kompositionen (zum Beispiel mit Lactobazillen, Bifidobakterien, Lactokokken oder Streptokoken) gegen verschiedene Ursachen vorgehen
  • verfügen über keine unerwünschten Effekte oder Nebeneffekte, auch wenn es zu Beginn der Behandlung gelegentlich vorübergehend zu Stuhlveränderungen und leichten Blähungen kommen kann, bevor die heilsamen Effekte überwiegen.

Die Wirksamkeit von Probiotika wurde in zahlreichen klinischen Studien nachgewiesen.

Linktipp: https://magendarm-zentrum.de/images/dokumente/publikationen/darmflora-probiotika/probiotika-und-reizdarm.pdf

Ballaststoffreiche Ernährung ist ein wichtiger Aspekt beim Reizdarmsyndrom

Beim Reizdarmsyndrom ist eine gesteigerte Ballaststoffzufuhr notwendig, um die bestehenden Symptome zu lindern, vor allem auch gerade dann, wenn Probiotika eingenommen werden. Als Ballaststoffe gelten langkettige Kohlenhydrate, da sie vom menschlichen Organismus nicht richtig zersetzt werden können und den Dickdarm sozusagen unverdaut erreichen. Dadurch haben sie eine anregende und aktivierende Wirkung auf die Verdauung.

Ballaststoffreiche Lebensmittel sind:

  • Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen
  • Obst wie Äpfel und Beeren
  • Gemüse wie Paprika und Rosenkohl
  • Vollkornprodukte wie Vollkornnudeln und Vollkornbrot
  • Nüsse wie Walnüsse, Erdnüsse und Mandeln

Ballaststoffreiche Lebensmittel

Frauen sollten pro Tag mindestens 23 g und Männer mindestens 25 g Ballaststoffe zu sich nehmen. Diese Vorgaben erreichen viele Menschen aber nicht.

Betroffene, die unter dem Reizdarmsyndrom leiden, sollten allerdings den Ballaststoffanteil ihrer Ernährung nur langsam erhöhen und nicht drastisch. Wird die Ernährung sofort und drastisch umgestellt, können Blähungen und Bauchkrämpfe auftreten und die bestehenden Symptome verstärken, da der Darm gar nicht die große Ballaststoffmenge gewohnt ist.

Manche Menschen mit Reizdarmsyndrom bemerken, dass es ihre Beschwerden schneller lindert, wenn sie ihre Nahrung über mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt einnehmen. Dann ist die Verdauung der Nahrungsmittel für ihren Darm nicht so belastend.

Außerdem ist es wichtig, sich beim Essen gebührende Zeit zu lassen. Das heißt, essen Sie bewusst und schlingen Sie Ihre Mahlzeit nicht hinter. Genießen Sie Ihre Mahlzeiten ohne Stress und Hektik und kauen Sie dabei ausreichend. Abends sollten sie leichten Speisen gegenüber schwer verdaulichen Mahlzeiten den Vorzug geben, damit sie nicht schwer im Magen liegen, wenn Sie schlafen gehen.

Es kann durchaus eine Weile dauern, bis Sie die jeweils für Sie richtige Ernährungsweise bei Reizdarmsyndrom herausgefunden haben. Jeder Patient verträgt Lebensmittel unterschiedlich gut. Deshalb seien Sie nicht gleich beunruhigt, sollte es bei Ihnen nicht gleich funktionieren.

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
[Anzahl: 1 Durchschnitt: 5]
Avatar

    MedUni.com Redaktion

    Das MedUni.com Team führt seine anspruchsvolle Recherchearbeit studien- und evidenzbasiert durch und besteht aus einer Vielzahl hochqualifizierter Autoren. Auf diese Weise können wir stets seriöse und faktenbasierte Informationen bieten.