Können Probiotika bei Heuschnupfen helfen?

Können Probiotika bei Heuschnupfen helfen

Besonders im Frühling stellen Allergien für viele Menschen ein gehöriges Problem dar. In dieser Jahreszeit ist Heufschnupfensaison. Heuschnupfen führt zu tränenden Augen, Fließschnupfen und geht mit starkem Juckreiz in den Augen und der Nase einher. Manchmal kommt es sogar zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl.

Wie auch bei anderen vielen Allergien kann auch beim Heuschnupfen eine Verbindung zum Darm festgestellt werden. Das verwundert jedoch nicht. Allergien entwickeln sich gerade dann, wenn die Balance der Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten und die Schleimhaut des Darms beschädigt ist. Wird der Darm mit Probiotika saniert, so gehen die Symptome des Heuschnupfens merklich zurück.

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Durch Heuschnupfen entsteht Stress

Bei Heuschnupfen handelt es sich wie bei allen allergischen Reaktionen um eine Überreaktion des Immunsystems auf Stoffe, die eigentlich für den menschlichen Organismus harmlos sind. In diesem speziellen Fall sind es Pollen, auf die der Mensch mit einer allergisch bedingten Entzündung der Schleimhaut der Augen und der Nase reagiert. Deshalb tritt auch eine typisch allergische Reaktion auf. Allerdings kommt es bei Heuschnupfen nicht nur zu Beeinträchtigung von Nase und Augen, sondern auch zu Schlafstörungen. Denn in der Nacht bleiben die Betroffenen nicht von den Symptomen verschont. So ist ihr Schlaf wenig erholsam. Das macht sich besonders in der verminderten Leistungsfähigkeit und der Antriebslosigkeit am Morgen bemerkbar. Auch im Beruf oder in der Öffentlichkeit gelangen Betroffene durch tränende Augen und Niesattacken immer wieder in unangenehme Situationen, die sie unter Stress setzen.

Aber wie wir wissen, wirkt sich Stress nicht nur negativ auf die Psyche der Betroffenen aus, sondern auch auf ihren Darm. Es gibt kein anderes Organ im menschlichen Körper, das so schnell auf Belastungen der Psyche reagiert wie der Darm. Kein anderes Organ kann so leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Unter anderem liegt es daran, dass im Magen-Darm-Bereich das Zentrum der Gefühle des Menschen liegt. So führt länger anhaltender Stress schließlich zu Reizungen der Darmschleimhaut, die sehr empfindlich ist. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora, also die Besiedelung des Darms mit Bakterien.

Stressige Situationen sind aber gerade für Allergiker sehr ungünstig, da ihr Darm ohnehin schon stark belastet ist. Ansonsten würde er nicht auf die eigentlich harmlosen Pollen reagieren. Manchmal erweitert sich die Allergiebereitschaft des Körpers derart, dass sich weitere Allergien zum Heuschnupfen hinzugesellen. Leider sind die aktuellen Therapien der Schulmedizin nicht sonderlich zufriedenstellend, da durch ihre Anwendung häufig unschöne Nebenwirkungen auftreten. Das sind zum Beispiel Schläfrigkeit und trockene Mundschleimhäute. Es sind demnach andere Therapien erforderlich, die diese Nebenwirkungen nicht erzeugen.

Checkliste Heuschnupfen

Von Jahr und Jahr steigt die Zahl der Pollenallergiker stetig an. Mittlerweile sollen rund 30 % der Bevölkerung in den Industriestaaten an einer Allergie oder unter gleich mehreren allergischen Erkrankungen leiden. Das sind zum Beispiel neben Heuschnupfen noch Asthma und allergische Hauterkrankungen wie Kontaktekzeme.

Eine erfolgversprechende alternative Therapie stellen Probiotika dar

Chinesische Forscher veröffentlichten bereits im Jahr 2013 im North American Journal of Medical Sciences die Erkenntnisse, dass Probiotika eine alternative Möglichkeit sind. Da probiotische Bakterien in Probiotika direkt mit dem Immunsystem des Menschen interagieren, scheint der Einsatz von probiotischen Präparaten bei Heuschnupfen Erfolge zu bringen, da sie die Aktivität regulieren und so eine permanente Überreaktion des Immunsystems verringern. Dabei ist jedoch zu beachten, welche Stämme von probiotischen Bakterien eingesetzt werden.

Später im Jahr 2017 erklärten Forscher der University of Florida in einer Studie, dass nicht alle probiotischen Bakterien bei Allergien eine Wirkung erzielen. Jennifer Dennis, Doktorandin von der ansässigen Fakultät für Ernährungswissenschaften, schrieb im American Journal of Clinical Nutrition einen Bericht zur besagten Studie. Man wisse bereits, dass die Kombination aus Bifidobakterien und Lacotbazillen bei Beschwerden mit der Verdauung eine gute Wirkung zeigen und gleichzeitig bei der Aktivierung und Stärkung des Immunsystems helfen. Die Forscher glaubten nun, dass diese Kombination von Bakterien einen sehr großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen haben kann, da sie imstande sind gleichfalls die Anzahl spezieller Immunzellengruppen zu erhöhen. Dabei handelt es sich um regulatorische T-Zellen, die die Toleranz der Allergene erhöhen. Dadurch reduzieren sich die typischen Symptome des Heuschnupfens.

Für die Studie wurden 173 Erwachsene, die außer an Heuschnupfen an keiner Erkrankung litten, während der Heuschnupfensaison im Frühling über einem Zeitraum von 8 Wochen untersucht. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, von der die eine Gruppe ein Placebo-Präparat erhielt und die andere ein probiotisches Präparat mit einer Mischung aus Bifidobakterien und Lacotbazillen. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden zu ihren Symptomen befragt. Gleichzeitig wurden regelmäßig Stuhlproben genommen, um DNA-Analysen ihrer Darmflora durchzuführen. Im Gegensatz zur Placebo-Gruppe konnte schnell eine Veränderung der Zusammensetzung der Darmflora in positiver Hinsicht ausgemacht werden. Professor für Lebensmittelwissenschaften und Humanernährung, Dr. Bobbi Langkamp-Henken, erklärte dazu, dass schon allein an den Stuhlproben die Probiotika-Gruppe identifiziert werden konnte. Nach dem Ablauf der 8 Wochen konnten die Probanden der Probiotika-Gruppe erheblich weniger Allergiesymptome verzeichnen als die Probanden der Placebo-Gruppe. Dabei hatten insbesondere der Juckreiz, das Niesen und der Fließschnupfen deutlich nachgelassen, da die Nasenschleimhautentzündung mithilfe der Probiotika stark reduziert werden konnte. Wie die Probanden berichteten, stieg dadurch die Lebensqualität deutlich an.

Kann Lactobacillus casei ebenfalls die Symptome von Heuschnupfen lindern?

Claudio Nicoletti und Kollegen untersuchten am Institute of Food Research im britischen Norwich in einer Pilotstudie bestimmte Bakterien, die zu den Milchsäurebakterien gehören, in wiefern sie den Immunglobulin E Spiegel beeinflussen.

Linktipp: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18510694

Dazu wurde eine placebokontrollierte Doppelblindstudie durchgeführt mit jeweils 10 Heuschnupfenprobanden in jeder Gruppe. Dabei begann die Studie vor Beginn der Pollenflugsaison und endete erst nach der Saison. Die Untersuchungsgruppe musste über einem Zeitraum von 5 Monaten täglich ein Getränk mit Lactobacillus casei trinken. Die andere Gruppe erhielt keine probiotischen Mikroben.

Kann Lactobacillus casei ebenfalls die Symptome von Heuschnupfen lindern

Warum diese Studie?

Lactobacillus casei ist ein Bakterium, dass sich gerne im menschlichen Darm ansiedelt und das Darmmilieu verbessert. Bisherige Studien konnten belegen, dass sich mithilfe des Bakteriums Verdauungsbeschwerden verbessern lassen. Allerdings besitzt der Darm neben der Verdauung noch eine weitere Aufgabe als wichtiges Bollwerk gegen Keime, die durch Nahrungsaufnahme in den Körper gelangen. Deshalb sitzen ca. 80 % der gesamten Immunzellen des Menschen innerhalb der Darmschleimhaut. Eine Störung des Gleichgewichts der Darmflora wirkt sich negativ auf das Immunsystem aus. Daher ist es naheliegend, dass eine Balance in der Darmflora auch eine Balance der Abwehrkräfte ergibt, also ergo die Abwehrkräfte positiv beeinflusst werden.

In der Studie stellte sich heraus, dass der Immunglobulin E Spiegel der Probanden in der Lactobacillus casei Gruppe absank, während sich die Werte des Antikörpers Immunglobulin G erhöhten. Immunglobulin G hält als Gegenspieler zu Immunglobulin E allergische Reaktionen in Schach. In der Placebo-Gruppe zeigte sich der Effekt nicht. Zum Zeitpunkt der Studie konnten die Forscher allerdings noch keine weiteren Schlussfolgerungen daraus ziehen, ob sich die Änderungen wirklich auf Dauer positiv auf die Symptome des Heuschnupfens auswirken, da die Studie sehr klein angelegt war. Weitere und größere Untersuchungen sollen diesen Sachverhalt noch genauer unter die Lupe nehmen.

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