Fieber muss nicht immer gleich gesenkt werden

Fieber muss nicht immer gleich gesenkt werden

Wenn Kinder häufig Fieber haben, sind Eltern schnell beunruhigt. Fieber ist aber keine Krankheit, sondern ein Symptom. Es zeigt eine effektive Immunreaktion an. Daher ist es nur in bestimmten Fällen notwendig, die Temperatur zu senken. Es muss also gar nicht immer sein.

Natürliche Schwankungen der Körpertemperatur

Die menschliche Körpertemperatur unterliegt einer strengen Regulation und einer natürlichen leichten Schwankung im Tagesverlauf. Sie beträgt normalerweise zwischen 36,5 und 37,4 °C. Dabei kommt es immer darauf an, an welcher Stelle des Körpers und mit welchem Thermometer gemessen wird. Je nach Messort können sich mitunter die Messtemperaturen stark unterscheiden.

Die rektale Messung ist am genauesten, da sie nur ungefähr 0,5 °C unter der Körperkerntemperatur des jeweiligen Menschen liegt. Eher unzuverlässige Werte liefern Messungen in der Achsel und im Mund. Die Messung im Ohr ist auch nicht so exakt wie die rektale Messung, aber reicht in ihrer Genauigkeit besser an sie heran, als die anderen Messungen. Vor allem gestaltet sich die Temperaturmessung im Ohr angenehmer und ist auch sehr einfach in ihrer Handhabung.

Viele Kunden nutzen Ohrthermometer, da sie sich sehr einfach anwenden lassen und auch für ihre Kinder sehr angenehm sind. Falls Sie auch ein hochwertiges Ohrthermometer kaufen möchten, so ist Ihnen vielleicht unser Testbericht über die 6 besten Ohrthermometer bei Ihrer Auswahl hilfreich.

So entsteht Fieber

Für die Regulation der Temperatur des menschlichen Körpers ist die Regio praeopticus im Hypothalamus im Gehirn zuständig.

Ungefähr 30 % der sich dort befindenden Neurone sind wärmesensitiv. Nur etwa 5 % sind kältesensitiv. Dadurch kann die Gehirnregion die Temperatur des Körpers selbst wahrnehmen. Zusätzlich erhält sie Informationen aus den Thermorezeptoren der Haut. Dadurch findet ein stetiger Abgleich zwischen dem Ist- und dem Sollwert der Temperatur im Körper statt.

Bei Fieber verschiebt sich der Sollwert nach oben. Dafür sind sogenannte Pyrogene verantwortlich, die die wärmesensitiven Neuronen im Gehirn hemmen. Zu ihnen zählen neben Interleukin-1, Interleukin-6 und Interleukin-7 auch der Tumornekrosefaktor-Alpha. Interleukine sind Botenstoffe, die von den körpereigenen Abwehrzellen produziert werden. Sie dienen der Regulation des Immunsystems. Der Tumornekrosefaktor-Alpha ist ein Zytokin (multifunktionaler Signalstoff des Immunsystems). Er ist an systemischen und lokalen Entzündungen im Körper beteiligt.

Dadurch werden wärmeabgebende Prozesse gehemmt. Zum Beispiel wird die Durchblutung der Haut herabgesetzt. Dadurch erscheint die Haut kalt und blass. Füße und Hände werden dadurch kalt. Gleichzeitig wird durch Aktivierung des Stoffwechsels die Wärmeproduktion nach oben geschraubt. Die Muskeln beginnen zu zittern. Das kann zu Schüttelfrost führen.

Aufgrund dieser Mechanismen steigt die Temperatur des Körpers an. Bei kleinen Kindern kann sie schnell auf 40 oder 41 °C ansteigen.

Schutzmechanismen des Körpers verhindern eine zu hohe Temperatur

In der Regel steigt die Temperatur nicht über 42 °C hinaus, da es im Körper begrenzende Regulationen stattfinden. Sie verhindern die Schädigung der Zellen durch eine hohe Temperatur. Zum Beispiel senken Interleukin-10 und Interleukin-1-Beta-Antagonisten die Körpertemperatur. Während der Phase des Fieberabfalls wird Wärme vom Körper abgegeben, sodass der Patient beginnt zu schwitzen und die Durchblutung der Haut wieder zunimmt.

Fieber tritt auch bei Tieren auf

Fieber bei Tieren

Auch bei einer Reihe von Tieren tritt Fieber auf, zum Beispiel bei Säugetieren, Wirbellosen, Amphibien und Reptilien. Das lässt vermuten, dass das Fieber dazu da ist, einen bestimmten Zweck zu erfüllen. Zum Beispiel scheinen viele Funktionen des Immunsystems bei Temperaturen zwischen 38 und 41 °C erhöht zu sein wie die Produktion von Antikörpern. Fieber scheint auch das Wachstum von eingedrungenen Keimen bei Infektionen zu hemmen. Die Krankheitserreger, die an die normale Temperatur ihres Wirtes gut angepasst sind, können sich bei einer höheren Temperatur nicht mehr so gut vermehren.

Fieber senken ist nicht immer sinnvoll

Das bedeutet, dass das Senken des Fiebers nicht immer sinnvoll ist. So zeigen Studien, dass sich der Krankenverlauf durch das Absenken der Körpertemperatur durch Antipyretika verlängern kann. Zum Beispiel wurde eine Studie mit fiebernden Intensivpatienten abgebrochen, da sich ihre Mortalität deutlich erhöht hatte. Da es auch Untersuchungen gibt, die belegen, dass sich keine Verschlechterung des Krankheitsverlaufs aufgrund von fiebersenkenden Maßnahmen ergibt, aber eine Verbesserung allerdings auch nicht auftritt, lässt sich daraus schließen, dass es eventuell immer auf die jeweilige Erkrankung ankommt.

Nur unter bestimmten Voraussetzungen ist die Senkung des Fiebers bei Kindern notwenig

Auch wenn das Fieber die Abwehr von Infekten unterstützt, gibt es bestimmte Voraussetzungen, die das Senken der Körpertemperatur notwendig machen. Kinder erhalten laut der Patientenleitlinie »Fieber im Kindesalter« von der Universität Witten/Herdecke erst entsprechende Arzneimittel, wenn sie dauerhaft Fieber haben, zunehmend erschöpft durch das hohe Fieber sind und wenn sie nicht mehr ausreichend trinken. Außerdem sollte eine Antipyrese (therapeutische Fiebersenkung) vorgenommen werden, wenn der Arzt sie wegen bestimmten Erkrankungen oder vorangegangener Fieberkrämpfe verordnet hat.

Medikamentöse Maßnahmen

Zwei wichtige Wirkstoffe, die zum Senken des Fiebers bei Kindern eingesetzt werden, sind zum Beispiel Ibuprofen und Paracetamol. Acetylsalicylsäure wird nicht eingesetzt, da es häufig dem Reye-Syndrom, eine schwere zelluläre Funktionsstörung, in Verbindung gebracht wird.

Das Mittel der Wahl ist meist Paracetamol, das für die Selbstmedikation bei Schmerzen und Fieber ohne eine Beschränkung des Alters zugelassen ist. Es sollte aber nicht länger als 3 Tage genutzt werden. Allerdings hängt die Dosierung vom Körpergewicht und vom Alter ab und muss aufgrund der Gefahr einer Lebertoxizität genauestens eingehalten werden.

Medikamentöse Behandlung bei Fieber

Ebenso sollte auch Ibuprofen nicht länger als 3 Tage in Folge von Kindern eingenommen werden. Ärzte empfehlen zum Teil eine alternative Therapie, die beide Wirkstoffe beinhaltet. Studien zufolge ist die Therapie effektiver als eine Therapie mit nur einem Präparat. Allerdings erhöht sie das Risiko für Therapiefehler. Damit könnte die Arzneimittelsicherheit gefährdet werden.

Nicht medikamentöse Maßnahmen

Zu den medikamentösen Maßnahmen können zusätzlich auch nicht medikamentöse Maßnahmen den Körper entlasten. Zum Beispiel soll der Patient während der Phase des Fieberanstiegs warm eingepackt werden. Eventuell kann er dazu eine Wärmflasche bekommen. Die Wärmeabgabe unterstützen während der Phase des Fieberabfalls feuchte Tücher, kalte Wickel, kühle Getränke und eine kühle Raumtemperatur. Zu kalt sollte es jedoch nicht sein. Die Basisbehandlung liegt allerdings in einer körperlichen Schonung und einer ausreichenden Trinkmenge.

Falls Sie Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung feststellen, wie zum Beispiel anhaltende Trinkschwäche, wiederholtes Erbrechen und Durchfall, ungewöhnliche Gesichtsfarbe, Nackensteifigkeit, Hautausschlag, Atemnot und Verwirrtheit, sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Das gilt ebenso, wenn Fieberkrämpfe auftreten und das Fieber ohne Grund länger als 3 Tage anhält und sich das Fieber bei Ihrem Kind nicht senken lässt. Säuglinge unter 3 Monaten, die Fieber haben, sollten grundsätzlich von einem Arzt untersucht werden.

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