Der plötzliche Herztod – Defibrillatoren retten Leben

Defibrillatoren retten Leben

Oft passiert es völlig unerwartet: Auf einmal fällt ein Mensch in sich zusammen und bleibt reglos liegen. Das kann ebenso zu Hause passieren wie am Arbeitsplatz oder unterwegs. Nicht immer handelt es sich tatsächlich um einen plötzlichen Herztod. Allerdings spielt das Herz häufig eine Rolle beim sogenannten Sekundentod - so auch beim Kreislaufversagen, der unter anderem auf die koronare Herzkrankheit zurückzuführen ist.

Sekundentod kann jeden treffen

Der plötzliche Herztod beläuft sich in Deutschland auf über 100.000 Fälle im Jahr. Meist liegt eine Herzerkrankung zugrunde. Häufig ist eine solche bekannt und der Betroffene ist bereits in Behandlung. Herzerkrankungen können jedoch auch lange Zeit unbemerkt bleiben, so dass es ganz unerwartet zu lebensbedrohlichen Problemen kommt. Auch junge, bis dahin als völlig gesund geltende, beschwerdefreie Menschen kann es treffen.

Eine glückliche Fügung des Schicksals bedeutet es, wenn zufällig ein Defibrillator in der Nähe ist und sich zufällig eine Person findet, die umgehend Erste-Hilfe-Maßnahmen ergreift. Einen Defibrillator kann heutzutage jeder kaufen, auch privat. An vielen öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen und Stadions, aber auch in zahlreichen Unternehmen gibt es inzwischen Geräte mit automatischer Technologie, für deren Einsatz keine medizinischen Kenntnisse erforderlich sind. Die Tendenz der Bereitstellung ist steigend, denn es entscheiden erwiesenermaßen wenige Minuten darüber, ob ein Mensch überlebt.

Gibt es in Ihrem familiären Umfeld einen Risikopatienten, sollten auch Sie über die Anschaffung eines sogenannten Laien-Defibrillators nachdenken. Zu Ihrer Information haben wir empfehlenswerte Geräte umfassend recherchiert und sie nach ihrem möglichen Einsatzzweck unterteilt vorgestellt. Hier findet jeder, von der Privatperson über den Unternehmer bis zum ausgebildeten Ersthelfer einen AED, den er im Notfall effektiv einsetzen kann.

Häufige Ursachen für den plötzlichen Herztod

Laut Oregon Sudden Unexpected Death Study gibt es in über 50 Prozent der Fälle von plötzlichem Herztod vorab Symptome und Warnsignale des Körpers. Nicht jeder Mensch ordnet sie allerdings richtig zu oder nimmt sie überhaupt als Warnsignale wahr. Zudem gibt es ebenso Fälle, bei denen das Phänomen ohne jegliche Vorwarnung auftritt.

Unabhängig davon, ob diese bekannt sind, liegt die Ursache häufig in bestehenden Herzerkrankungen:

  • koronare Herzerkrankung
  • Herzklappenschäden
  • Herzmuskelerkrankungen
  • gestörtes Reizleitungssystem

Eine vorliegende Herzerkrankung führt nicht zwangsläufig zum plötzlichen Herztod. Es besteht aber ein erhöhtes Risiko, insbesondere, wenn der Betroffene beziehungsweise sein Herz einer erhöhten Belastung ausgesetzt ist. Das kann durch Sport oder andere körperliche Anstrengung geschehen oder bei einer emotionalen Belastung der Fall sein. Genussmittel wie Koffein, Alkohol und Nikotin sind wie Drogen dafür bekannt, die Herzfunktion zu beeinträchtigen und einige Arzneistoffe beeinflussen die Reizleitung. Als weitere einen plötzlichen Herztod begünstigende Faktoren in Kombination mit einer Herzerkrankung gelten Durchblutungsstörungen der Herzkrankgefäße und Elektrolytstörungen.

Herz-Rhythmus-Störungen müssen behoben werden

Letztendlich stellt sich in Fällen, die zum plötzlichen Herztod führen, meist eine Herz-Rhythmus-Störung ein. Um diese zu beheben und das Herz wieder in seinen normalen Takt zu bringen, muss die Art der Störung und die Abweichung vom Normalzustand bekannt sein. Die relevanten Daten werden medizinisch per EKG (Elektrokardiagramm) ermittelt. Darauf abgestimmt kann der Arzt die lebensrettenden Maßnahmen ableiten. Ist kein entsprechend ausgestatteter Arzt zur Stelle und muss erst ein Notruf abgesetzt werden, kann es bis zum Eintreffen der Rettungskräfte bereits zu spät sein oder es können irreparable Schäden zurückbleiben.

Verschiedene Herzrhytmen - Störungen und Normalfunktion

Die Aufgabe des Arztes übernimmt übergangsweise der automatische Defibrillator, der einen medizinischen Laien über Sprachanweisungen und Piktogramme informiert, was er zu tun hat. Mit Befolgen dieser Anleitung kann schließlich die automatische Technologie die EKG-Werte erfassen und, falls erforderlich, einen Stromschlag in der korrekten Energiestärke abgeben. Es gibt automatische Defibrillatoren, die Laien zusätzlich per Sprache bei einer Herzdruckmassage unterstützen. Doch alleine der elektrische Schock kann unter Umständen den Herzschlag wieder aktivieren und normalisieren. Sobald die Rettungskräfte schließlich eintreffen, übernehmen diese den Patienten und leiten professionelle Versorgungs- und Stabilisierungsmaßnahmen ein.

Was passiert beim plötzlichen Herztod?

Beim Betroffenen macht sich der plötzliche Herztod erst durch Bewusstlosigkeit bemerkbar, anschließend setzt die Spontanatmung aus: Das Herz ist nicht mehr in der Lage, den Organismus mit Blut zu versorgen, wodurch ein Sauerstoffmangel entsteht. Nicht selten ist das sogenannte Kammerflimmern dafür verantwortlich. Dabei ist der Erregungszustand des Herzens gestört, wodurch der Herzmuskel nicht mehr richtig arbeiten kann, sondern eher unkoordiniert zuckt. Eine Pumpleistung ist so kaum noch gegeben.

Der sich einstellende Sauerstoffmangel betrifft insbesondere das Gehirn, dessen Zellen schon nach kurzer Zeit beginnen, abzusterben. Schließlich ist kein Pulsschlag mehr fühlbar. Die Überlebenswahrscheinlichkeit sinkt mit jeder Minute, in der keine lebensrettenden Maßnahmen durchgeführt werden.

Spezifische Symptome können auf Herzerkrankungen hinweisen

  • Leiden Sie unter Wassereinlagerungen (Ödemen) und gelegentlicher Atemnot, kann das ein Zeichen für eine Herzschwäche sein – als Insuffizienz bezeichnet.
  • Bemerken Sie ein Gefühl der Enge im Bereich des linken Brustkorbs, kann eine Durchblutungsstörung vorliegen. Ein solches Engegefühl kann sich auch bei Belastung einstellen oder verstärken. Es gilt als mögliches Symptom für einen Infarkt oder die koronare Herzkrankheit.
  • Ein zu schneller oder zu langsamer Puls könnte Anzeichen einer Herz-Rhythmus-Störung sein.
  • Leiden Sie unter Schwindelgefühlen, können solche ebenfalls mit einer Herz-Rhythmus-Störung einhergehen.

Nicht immer werden derartige Symptome durch Herzprobleme hervorgerufen geschweige denn müssen sie Vorboten eines plötzlichen Herztodes sein. Das kann aber letztendlich nur ein Arzt herausfinden, den Sie unbedingt kontaktieren sollten: Weisen die Symptome tatsächlich auf eine Herzerkrankung hin, kann die frühzeitige Einleitung einer geeigneten Behandlung das Risiko für schwerwiegendere Probleme oder auch den plötzlichen Herztod wesentlich verringern. Ebenso kann sich der plötzliche Herztod jedoch ganz ohne vorherige Symptome einstellen.

Tipp: Vorbeugend ist zu empfehlen, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt durchführen zu lassen. Mit einer gesunden Lebensweise tragen Sie grundsätzlich ebenfalls zu einer Risikoreduzierung bei.

Das richtige Verhalten als Ersthelfer

Wird eine Person in der Umgebung bewusstlos, wissen viele Menschen nicht, wie sie sich verhalten und was sie tun sollen. Selbst, wenn eine Erste-Hilfe-Schulung absolviert wurde, liegt diese oft längere Zeit zurück und die einst erlernten Maßnahmen sind keinesfalls Routine. Daher wäre es in erster Linie hilfreich, wenn möglichst viele Menschen einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen und ihr Wissen regelmäßig auffrischen. Das sollte etwa alle drei Jahre geschehen.

Info: Wussten Sie, dass beim plötzlichen Herztod die Überlebenschance mit jeder Minute ohne lebensrettende Maßnahmen um zehn Prozent sinkt und bereits nach acht bis zehn Minuten der Hirntod eintreten kann?

Trotz eventueller Unsicherheit und Stresssituation können Sie im Notfall auch als Laie ein Leben retten. Sie müssen sich zunächst nur ein Herz fassen und nacheinander folgende Maßnahmen ergreifen:

  • prüfen, ob der Betroffene ansprechbar ist
  • falls er nicht reagiert oder sich nicht artikulieren kann, ist umgehend ein Notruf an die 112 abzusetzen
  • haben Sie kein Telefon zur Hand, bitten Sie andere Menschen um Hilfe
  • prüfen, ob der Betroffene noch atmet
  • Puls überprüfen
  • Kontrolle des Mundraums auf einen etwaigen Fremdkörper

Mit dem Absetzen des Notrufs haben Sie bereits einen Ansprechpartner am Telefon, der Sie instruieren kann, was weiter zu tun ist.

Ist kein Puls spürbar und keine Atmung feststellbar, sind Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich. Für diesen Fall ist es ideal, wenn ein Defibrillator in der Nähe ist. Natürlich können Sie nun nicht unbeschwert losgehen und ein solches Gerät suchen. Bei der Bereitstellung an öffentlichen Plätzen oder in öffentlichen Gebäuden sind in der Regel Hinweisschilder angebracht. Wiederum können Sie Umstehende bitten, zu helfen.

Typisches Hinweisschild für Defibrillator Station

Ist ein Defibrillator verfügbar, erhalten Sie von diesem mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung per Sprachausgabe Unterstützung bei der weiteren Vorgehensweise. Ihre wesentliche Aufgabe besteht dabei im Öffnen des Gerätes und dem Aufkleben der Elektroden. Alles Weitere erledigt ein automatischer Defibrillator ohne Ihr Zutun - es sei denn, es handelt sich um eine halb automatische Variante, dann ist noch auf Ansage der Schock auszulösen.

Wesentlich schwerer tun sich viele unbedarfte Laien mit einer Herzdruckmassage. Dabei ist der Brustkorb etwa mittig gut einhundert Mal in der Minute kräftig herunterzudrücken. In einem Erste-Hilfe-Kurs haben Sie Gelegenheit, dies an einer Puppe zu lernen und zu üben. Ebenso steht meist ein Trainingsdefibrillator zu Übungszwecken zur Verfügung, der verschiedene Notfallszenarien simulieren kann.

Herzdruckmassage Übung

Risikopatienten im Fokus der Forschung

So wichtig lebensrettende Maßnahmen beim plötzlichen Herztod sind: Viel besser wäre es natürlich, die Risiken grundsätzlich zu minimieren. Besonders betroffen sind Menschen mit einer genetisch bedingten Herzerkrankung, die als nicht heilbar gilt und als HCM oder hypertrophe Kardiomyopathie bezeichnet wird. Naturgemäß sind bei einer genetisch bedingten Herzerkrankung auch viele junge Menschen betroffen und als Risikopatienten eingestuft.

Info: Durchschnittlich gibt es unter 500 Menschen einen mit einer genetisch bedingten HCM-Veranlagung. Davon wiederum sind statistisch zwei bis drei Prozent von einem plötzlichen Herztod betroffen. Das klingt zunächst nicht nach einer übermäßig hohen Anzahl. Bei einer Ausgangsbasis von 500.000 Menschen bedeutet es allerdings bereits für 20 bis 30 Menschen ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod und bei fünf Millionen steigt die statistische Anzahl potenziell Gefährdeter auf 20.000 bis 30.000.

Die Forschung widmet sich einer konkreteren Risikoeinschätzung:

  • Welche Formen der Erbanlagen erhöhen das Risiko eines plötzlichen Herztodes?
  • Welche Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle?
  • Gibt es bestimmte Symptome, die auf ein erhöhtes Risiko schließen lassen?

Diesen und weiteren relevanten Fragen gehen Wissenschaftler in einer groß angelegten Studie nach - der HCMR-Studie. Ziel der internationalen Forschungsreihe ist letztendlich eine bessere Risikoeinschätzung, um den richtigen Personen die richtige Hilfe zur Vorbeugung zukommen zu lassen - kurz: individuelle Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen.

An der Studie beteiligt sind das Berliner "Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin" sowie mehr als 40 weitere Standorte weltweit.

Aufruf zu Aneignung Erster-Hilfe-Kenntnisse

Trotz aller Bemühungen von Medizinern, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, und Forschungen zu Risikofaktoren gibt es bisher keine zuverlässige Möglichkeit, einen plötzlichen Herztod zu vermeiden. Umso wichtiger sind breit gefächerte Erste-Hilfe-Kenntnisse in der Bevölkerung, sind Experten der Ansicht: Die Hemmschwelle, einem leblos wirkenden Menschen zu helfen, ist oft groß und viele wissen im Notfall schlicht nicht, was sie tun können.

Erste Hilfe

Auch vor dem Einsatz eines automatischen Defibrillators schreckt manch einer zurück. Somit ist ein AED-Laien-Gerät in greifbarer Nähe zwecklos, wenn sich nicht ein Mensch findet, der sich dank ausführlicher Sprachanleitung und automatischer Technologien den Umgang damit auch zutraut. Viele wissen außerdem gar nicht, dass es solche, auf die Bedienung durch einen medizinisch nicht versierten Laien ausgerichtete Defibrillatoren überhaupt gibt.

Aufklärung wäre daher neben Erste-Hilfe-Schulungen ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Unternehmen sind bereits verpflichtet, innerhalb des Betriebes Ersthelfer durch entsprechende Kurse auszubilden. Bereits bei zwei sozialversicherten Beschäftigten muss gewährleistet sein, dass eine geschulte Person als Ersthelfer für den Notfall anwesend ist. Ab 20 Beschäftigten müssen fünf bis zehn Prozent in Erster Hilfe geschult sein. Informationen und Schulungsangebote für betriebliche Ersthelfer finden Unternehmen auf der Homepage des BGW.

Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel über die Medien, könnte dazu beitragen, auch mehr Privatpersonen zur Wahrnehmung von Erste-Hilfe-Kursen und der regelmäßigen Auffrischung ihres Wissens zu begeistern. Sie lernen dabei zugleich den Umgang mit einem automatischen externen Defibrillator kennen, was sicher die Scheu und Unsicherheit ein wenig nehmen kann, so dass im Ernstfall ein verfügbares Gerät auch eingesetzt wird. Schulungen sind weiterhin sinnvoll, wenn Sie eine Person mit erhöhtem Risiko kennen oder gar im persönlichen Umfeld haben. Vielleicht denken Sie auch darüber nach, für den Notfall selbst einen Laien-Defibrillator anzuschaffen?

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    MedUni.com Redaktion

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