Blutzuckerspiegel und Diabetes – Wissenswertes zu dem für Diabetiker so wichtigen Wert

blutzuckerspiegel-und-diabetes
Inhalt dieses Artikels

Diabetes ist eine Volkskrankheit. In Deutschland leiden bekannten Zahlen nach knapp sieben Millionen Menschen an Diabetes mellitus. Bei zwei Millionen Personen geht man davon aus, dass diese noch nichts von ihrer Erkrankung wissen – sie also noch nicht diagnostiziert wurde und Symptome erst im weiteren Verlauf zustande kommen. Der Blutzucker steht in enger Verbindung damit, denn gerät dieser aus den Fugen, kommt es schließlich zu der Erkrankung – und ebenso zu den damit einhergehenden Behandlungen und mitunter Selbstprüfungen über Blutzuckermessgeräte.

Die Geschichte des Blutzuckermessgerätes

Eine so wertvolle Hilfe, die es vor einigen Jahrzehnten noch gar nicht gab. Natürlich steht die Entwicklung der Blutzuckermessgeräte eng mit der Entdeckung von Insulin und der Erforschung von Diabetes in Verbindung. Die Geräte für die heimische Anwendung folgten aber erst viele Jahrzehnte später und lieferten für Diabetiker ein bisher nicht mögliches Maß an Sicherheit und Selbstkontrolle.

Insulin wurde im Jahr 1921 entdeckt. Dann passierte aber lange Zeit gar nichts, denn obwohl bekannt war, was Insulin ist und was es macht, fehlte es zuerst einmal an der notwendigen Technik und den medizinischen Kenntnissen. Zur Erinnerung: Insulin ist das sogenannte “Diabetes Hormon”, welches für den Stoffwechsel im menschlichen Körper eine Schlüsselrolle spielt und bei allen Wirbeltieren vorzufinden ist.

Insulin hat die Aufgabe Glukose (Traubenzucker) vom Blut in die Zellen zu lotsen. Da wird selbiger dann zur Energiegewinnung und -versorgung eingesetzt. Daher müssen sich Diabetiker mitunter auch Insulin spritzen – der Transport und die Versorgung zu den Zellen hin funktioniert nicht mehr, der Körper bekommt also nicht genügend Energie zugeführt.

Im Jahr 1940 gelang der erste Durchbruch: Damals gelang es Forschern den Zuckergehalt über den Urin festzustellen. Danach dauerte es zwei weitere Jahrzehnte, bis dieser auch über das Blut ermittelbar wurde. Von da an war der Grundstein für die Blutzuckermessgeräte mit Selbstprüfung gelegt, welche ungefähr in den 1980er- und 1990er-Jahren den Markt eroberten. Diese photometrischen Blutzuckermessgeräte arbeiteten optisch, später wurden sie weitestgehend durch amperometrische Geräte ersetzt, welche elektrochemisch arbeiten.

Heute zeichnen sich die Geräte außerdem durch eine Vielzahl unterschiedlichen Zubehörs aus. Am Grundprinzip hat sich damit zwar nichts geändert, die vielen Helfer können aber bei der täglichen Anwendung von Vorteil sein – insbesondere Warnsignale und beispielsweise automatische Ausgaben des Streifens. Zudem wurden die Displays solcher Geräte kontinuierlich optimiert, damit insbesondere auch Senioren mit Leichtigkeit mit dem Gerät umgehen können und im Ernstfall nicht überfordert werden.

Die Geschichte solcher Blutzuckermessgeräte ist natürlich längst noch nicht zu Ende geschrieben. Immer noch arbeiten Hersteller an zwei wichtigen Punkten: So sollen die Messergebnisse bei den bestehenden Geräten noch präziser ausfallen, andererseits wird außerdem die Möglichkeit alternativer Verfahren vorangetrieben. Ziel ist es sich langfristig vom lästigen Pieksen und der Blutentnahme zu entfernen, um vor allem Patienten das Leben zu erleichtern, die (mehrmals) täglich Selbsttests durchführen müssen.

Unterscheidung nach der Einheit

In Deutschland wird für gewöhnlich die Einheit Milligramm pro Deziliter verwendet, welche die Abkürzung “mg/dl” trägt. Eine weitere Einheit ist “mmol/1” (Millimol pro Liter), die teilweise noch von Ärzten in den neuen Bundesländern genutzt wird. Unabhängig davon, welche Einheit nun zum Einsatz kommt, unterscheiden sich die Messwerte aber genauso wenig wie die Genauigkeit. Seltener bieten Hersteller beide Varianten an, eine Umstellung ist dann direkt am Gerät möglich. Wir empfehlen Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu halten. Der gängigere Standard ist zweifelsohne “mg/dl”.

In unserem Test haben wir uns daher dazu entschlossen die international häufiger genutzte Variante mg/dl zu verwenden. Die Zahl der Hersteller, die Geräte mit beiden Einheiten anbieten, bewegt sich in einem überschaubaren Rahmen.

Der Grund hierfür ist leicht ausgemacht: Durch das Umstellen könnte es zu Ungenauigkeiten bei den Messungen kommen, außerdem werden weniger erfahrene Anwender mitunter verwirrt und spritzen sich dann beispielsweise Insulin, wenn das gar nicht nötig ist, weil sie die Einheiten verwechseln. Deshalb ist es immer einfacher, verlässlicher und sorgloser, wenn Sie sich selbst für eine Einheit entscheiden und an dieser dann dauerhaft festhalten.

Bei den Blutzuckermessgeräten existieren Normen, die durch den Hersteller einzuhalten sind. Für die Einheit mg/dl betragen diese:

  • unter 75 mg/dl eine Abweichung +-15 mg/dl
  • unter 100 mg/dl eine Abweichung von +-15 mg/dl
  • über 75 mg/dl eine Abweichung +-20%
  • über 100 mg/dl eine Abweichung +-15%

Was ist der Blutzuckerspiegel und was macht er?

Anhand des Begriffes wird schon deutlich, was damit gemeint ist: Der Zuckergehalt im Blut. So einfach so gut, ist es damit aber nicht getan. Der Blutzuckerspiegel verändert sich mehrfach im Laufe des Tages und steht in direkter Verbindung zur Nahrungsaufnahme.

Wenn Sie am Morgen aus dem Bett steigen, ist er besonders niedrig, denn über Nacht haben Sie im Schlaf natürlich nichts gegessen. Nach dem Essen ist er hingegen besonders hoch, denn die aufgenommene Glukose wird dann weiterverarbeitet.

Zucker ist aber auch nicht gleich Zucker und keinesfalls unbedingt schlecht. Wer nur Cola trinkt, nimmt natürlich viel zu viel Zucker zu sich und riskiert damit nicht nur eine deutliche Gewichtszunahme, sondern mitunter sogar Diabetes. Dennoch ist Zucker selbst, in gesunden Maßen, unheimlich wichtig. Er wird mit der Nahrung aufgenommen und über Kohlenhydrate in den Darm transportiert, wo dann feine Moleküle abgespalten werden und ins Blut gelangen.

Die Bauchspeicheldrüse produziert im Gegenzug Insulin, welches wiederum für die Aufnahme vom Zucker in die Zellen zuständig ist. Für Zellen ist Zucker damit gewissermaßen der Treibstoff und wichtigster Energielieferant.

Problematisch wird es dann, wenn die Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin produziert, denn das Ergebnis davon ist Diabetes mellitus, die im Volksmund richtigerweise als “Zuckerkrankheit” bezeichnete Erkrankung.

Meistens ist der Blutzuckerspiegel zu hoch, denn der Zucker verweilt im Blut, statt in die Zellen zu gelangen und da aufgebraucht zu werden. Ein konstant zu hoher Blutzuckerspiegel bringt indes diverse Folgeschäden mit sich, insbesondere Schäden an den Organen.

Bei welchen Gelegenheiten wird der Blutzuckerspiegel ermittelt?

Natürlich allen voran bei einer Vermutung von Diabetes und bei einer kontinuierlichen Überprüfung, wenn Diabetes mellitus bereits diagnostiziert wurde. Weiterhin wird der Blutzuckerspiegel noch in diesen Situationen ausgewertet:

  • einmal im Jahr bei Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko
  • wenn ein Unter- oder Überzuckerverdacht besteht
  • wenn eine Bewusstlosigkeit ohne bekannte Ursache eintrat
  • wenn konkrete Mangel- und Fehlernährungen vorliegen

Sofern ein diagnostizierter Enzymmangel vorliegt, überprüfen Ärzte ebenso den Blutzuckerspiegel, da es dann zu Störungen beim Kohlenhydratstoffwechsel kommen könnte, welche indirekt die Zuckerkonzentration im Blut beeinflussen.

Immer wird der Blutzuckerspiegel, sofern bei engmaschiger Kontrolle nicht anders verordnet, nüchtern geprüft. “Nüchtern” bedeutet, dass seit mindestens acht Stunden keine Nahrung zugenommen wurde.

Bei einem herkömmlichen Blutbild kann der Blutzuckerspiegel nebenher bestimmt werden. Besteht ein Verdacht auf Diabetes, wird dieser über ein Profil bis zu sechsmal täglich geprüft.

Genormte Werte für den Blutzuckerspiegel

Es existieren konkrete Werte, die einer sogenannten Blutzuckerwerte-Tabelle entnommen werden und für Erwachsene Gültigkeit haben. Sie gestalten sich wie folgt:

  • über 126 mg/dl nüchtern und über 180 mg/dl nach dem Essen = Diabetes mellitus
  • zwischen 100 bis 125 mg/dl = abnormer Wert, Verdacht auf Diabetes, weitere Prüfung notwendig
  • unter 100 mg/dl nüchtern und unter 130 mg/dl nach dem Essen = Normalwerte

Gründe für einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel

Ist der Blutzuckerspiegel zu niedrig, kann es unter anderem zu Schwindel, Müdigkeit oder Schweißausbrüchen kommen. Das häufigste Symptom ist ein anfängliches starkes Hungergefühl. Bleibt eine Zuckerzufuhr nach diesen Symptomen weiterhin aus, sind ein Kreislaufkollaps, Krämpfe und sogar Schock oder Tod denkbar.

Besonders gefährlich ist ein zu niedriger Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes, da diese nur wenige oder sogar keine Symptome spüren, bis es dann tatsächlich zu spät ist. Speziell bei sportlicher Aktivität muss der Wert daher regelmäßig geprüft werden, beispielsweise eben über ein Blutzuckermessgerät. Die typischen Gründe für eine Unterzuckerung sind:

  • wenn Insulin überdosiert wurde
  • wenn zu viel Insulin produziert wird
  • bei starker körperlicher Anstrengung ohne Nahrungsaufnahme
  • moderater bis starker Alkoholgenuss auf nüchternen Magen
  • Leberschäden

Gründe für einen zu hohen Blutzuckerspiegel

Sind die Blutzuckerwerte regelmäßig oder dauerhaft zu hoch, sind unter anderem Sehstörungen, ein starker und häufiger Harndrang sowie kontinuierlicher Durst denkbar. Außerdem besteht im weiteren Verlauf immer das Risiko eines Komas, Schlaganfalls, Arteriosklerose und der vollständige Sehverlust. Gewebeschäden sind ebenso denkbar, weshalb man speziell an Unterschenkeln und Füßen von einem sogenannten “diabetischen Fuß” spricht.

Die typischen Gründe sind:

  • Erbkrankheiten und Genetik
  • Diabetes
  • Hormonstörungen
  • nicht einwandfrei funktionierende Bauchspeicheldrüse
  • Nebenwirkungen, ausgelöst von diversen Medikamenten

Es ist nicht unbedingt eine Seltenheit, dass der Wert sporadisch minimal über oder unter der Norm liegt. In diesem Fall ist aber immer eine sekundäre Prüfung notwendig. Es ist denkbar, dass vereinzelte Störfaktoren für die Veränderung sorgen, zum Beispiel eine Infektion, Stress oder körperliche Aktivität. In den meisten Fällen werden Ärzte dann eine engmaschige Prüfung und gegebenenfalls ein Blutzuckerprofil veranlassen.

Bei einem Wert oberhalb der 250 mg/dl besteht dringender Handlungsbedarf, denn Betroffene befinden sich zu diesem Zeitpunkt in akuter Lebensgefahr. Patienten müssen unbedingt sofort Insulin verabreicht bekommen, damit der Blutzucker aus dem Blut abgebaut wird. Außerdem ist eine hohe Wasserzufuhr ergänzend empfehlenswert.

Bei einem Wert unterhalb von 40 bis 50 mg/dl besteht ebenfalls eine imminente Gefahr, in diesem Fall muss dem Patienten sofort Zucker zugeführt werden. Dafür eignen sich Lebensmittel, die einerseits viel Zucker haben und andererseits schnell in den Organismus gelangen, allen voran Fruchtsäfte, Cola oder Traubenzucker.

Ist das nicht mehr möglich, weil der Betroffene nicht mehr ansprechbar ist, sollten geringe Mengen unter die Zunge gelegt werden – hier ist darauf zu achten, dass es nicht zum Verschlucken kommt. Insbesondere Traubenzucker sollte sich dann weitestgehend unter der Zunge auflösen. Ein Mediziner hat zudem noch die Option Glukose intravenös zu verabreichen.

Wie sieht es bei den Vierbeinern aus?

Der Blutzucker ist bei Hunden und Katzen nicht weniger wichtig als beim Menschen, wobei statistisch gesehen Diabeteserkrankungen seltener auftreten. Das ist unter anderem auch der Ernährung der Vierbeiner geschuldet, zudem kommen sie weitaus weniger häufig in Kontakt mit vermeintlichen Übeltätern, wie es zum Beispiel eine viel zu zuckerhaltige Ernährung beim Menschen ist.

Bei der Art des Blutzuckergerätes gehen die Meinungen auseinander. Einige halten die Geräte speziell für Tiere für unnötig, andere wiederum empfehlen sie. Meist sind die Geräte zudem wesentlich teurer als beim Menschen, wofür es keinen Grund gibt, da das Funktionsprinzip absolut identisch ist. Falls Sie unbedingt ein Gerät für Tiere möchten, gibt es beispielsweise den Med Trust WellionVet bei Amazon.

Solch ein Kauf ist zuvor aber immer unbedingt mit dem Tierarzt abzusprechen. Im Idealfall verschonen Sie Ihre geliebten Vierbeiner vor dem ständigen Anpieksen, außer es führt wirklich kein Weg daran vorbei.

Blutzuckerspiegel im Auge behalten – eine Notwendigkeit, speziell bei Diabetikern

Der Blutzuckerspiegel spielt folglich, wie so viele Prozesse im Körper, eine enorm wichtige Rolle. Bei gesunden Menschen findet er kaum Beachtung. Das ist nicht verwunderlich, schließlich funktionieren die einzelnen Prozesse so gut, dass es keine bedenklichen, regulären Ausschläge nach unten oder oben gibt. Anders bei Diabetikern, für die der Blutzuckerspiegel für den Rest ihres Lebens jeden Tag aufs Neue in den eigenen Fokus rückt.

Positiv ist anzumerken, dass sich viele Diabetiker relativ schnell an ihre Erkrankung gewöhnen. Zwar ist es nicht unbedingt angenehm, sich jeden Tag Insulin spritzen und teilweise noch mehrfach “selbst verletzen” zu müssen, aber es ist gegenüber den ernsthaften Gefahren ein kleines Übel. Die Blutzuckermessgeräte unterstützen Diabetiker bei der regelmäßigen Kontrolle und Dokumentation. Damit geben sie weitere Sicherheit und helfen Ausschläge noch vor ernsten Symptomen zu identifizieren.

Hinweis: Wir haben für Sie die unserer Meinung nach sechs besten Blutzuckermessgeräte umfassend getestet! Mit diesen sind Sie als Diabetiker gut beraten und können je nach Modell auf viele verschiedene besondere Funktionen, Features zur engmaschigen Dokumentation und auch zur Datenübermittlung zurückgreifen. Die Investition lohnt sich allemal, zumal die Kosten mitunter noch von der Krankenkasse anteilig oder komplett getragen werden.

Sollten Sie eine Vermutung haben, dass Ihr Blutzuckerspiegel häufig nicht der Norm entspricht, suchen Sie bitte unbedingt einen Arzt (Diabetologen) auf. Wie bereits eingangs erwähnt, leben Studien nach aktuell rund zwei Millionen Deutsche mit Diabetes, ohne von ihrer Erkrankung zu wissen. Wer früh handelt bewahrt seinen Körper und die eigene Gesundheit vor Folgeschäden!

War der Artikel hilfreich?

Vorgehensweise der Meduni ExpertInnen

Alle Artikel, die wir auf Meduni veröffentlichen, unterliegen strengen Richtlinien. Wenn Sie zusätzlich den Hinweis “Fakten überprüft” finden, wurden die Artikel mithilfe verifizierter Primärquellen verfasst.

Dazu zählen beispielsweise anerkannte Studien, akademische Arbeiten, Aussagen und Veröffentlichungen von akademischen Instituten bzw. deren Vertretungen, von Regierungsorganisationen und anderen Interessenvertretungen.

Fachzeitschriften, Kommentare und Meinungen von zertifizierten ExpertInnen sowie Fachaufsätze, die ein Kreuzgutachten durchlaufen haben, werden ebenfalls in unseren Recherchen berücksichtigt und gegebenenfalls verwendet und zitiert.

Erfahren Sie mehr über unsere redaktionelle Vorgehensweise.