Blutzuckermessgeräte – die richtige Handhabung und Pflege erklärt

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Inhalt dieses Artikels

Für Diabetiker avancieren Blutzuckermessgeräten zu dauerhaften Begleitern in der Hosen- und Jackentasche oder im mitgelieferten Etui. Wer darauf angewiesen ist, selbiges täglich oder gar mehrfach am Tag zu verwenden, sollte sich mit der korrekten Handhabung und Pflege der feinen Geräte auseinandersetzen. Das garantiert nicht nur, dass das Gerät weniger häufig ersetzt werden muss, außerdem werden damit auch Abweichungen in der Messung vermieden.

Wir zeigen Ihnen auf, wie Sie ein gewöhnliches Blutzuckermessgerät richtig einsetzen und was es bei der Pflege von diesem sowie dem dazugehörigen Zubehör zu berücksichtigen gilt. Spezifische Hinweise können Sie außerdem immer der Gebrauchsanweisung des Herstellers entnehmen, die dem Gerät selbst und seinem Zubehör beiliegt. Ihr Arzt beziehungsweise Diabetologe wird Ihnen mit Sicherheit ebenfalls einige hilfreiche Tipps, basierend auf seinen Erfahrungswerten, mit auf den Weg geben.

Die Basics: So werden Blutzuckermessgeräte verwendet

Eine angemessene Vorbereitung erleichtert Ihnen das Abnehmen und Messen des Blutzuckers. Bevor Sie also tatsächlich Blut lassen, stellen Sie sicher dass:

  • Sie Ihre Hände mit einer pH-neutralen Seife gewaschen haben, mindestens aber mit kaltem Wasser
  • Sie Gerät, Teststreifen und Lanzetten zur Hand haben
  • Sie an einem ruhigen Ort sind, also beispielsweise nicht in der Bahn oder im fahrenden Auto
  • das Gerät selbst zumindest regelmäßig gesäubert wurde

Bei zahlreichen Geräten haben Sie außerdem die Möglichkeit die Einstechhilfe so einzustellen, dass Sie den Stich kaum noch spüren werden. Unbedingt sollten Sie bei jedem Einstich eine neue Lanzette verwenden. Selbst wenn es theoretisch denkbar ist diese zu desinfizieren und dann erneut zu nutzen, ist davon in der Praxis strikt abzuraten. Das würde nur unnötig das Risiko von verfälschten Messwerten und Infektionen erhöhen. Außerdem sind nur frische, unbenutzte Lanzetten so fein und scharf, dass das Einstechen weitestgehend schmerzfrei verläuft. Werden sie wiederholt genutzt, verstumpfen sie, was beim Anstechen zu Schmerzen führt.

Den Teststreifen stecken Sie in den dafür vorgesehenen Schlitz am Gerät. Wenn Sie Ihre Hände wie empfohlen mit einer pH-neutralen Seife (zum Beispiel diese) gereinigt haben, können Sie diesen bedenkenlos anfassen. Es ist natürlich trotzdem ratsam, mit dem feinen Streifen nicht zu rabiat umzugehen. Wir empfehlen einen Einstich an der seitlichen Fingerkuppe, da das kapillare Blut da besonders exakte Werte liefert. Berücksichtigen Sie einen ausreichend hohen Sicherheitsabstand zum Fingernagel.

Tipp: Die Ärztezeitung hat einen offiziellen Beitrag zu den häufigen Fehlern bei der Messung geliefert. In diesem wird unter anderem darauf hingewiesen, dass viele Betroffene die besonders schmerzempfindliche Mitte der Fingerkuppe zur Blutentnahme wählen, statt die wesentlich weniger empfindlichen Seitenbereiche.

Führen Sie die Einstechhilfe idealerweise mit Ihrer starken Hand. Selbst wenn Sie “nur” eine Hand nutzen, haben Sie da immerhin fünf Fingerkuppen und jeweils fünf Seiten davon zur Auswahl. Um Schmerzen möglichst gering zu halten und Wunden zu vermeiden, lohnt es sich diese auch regelmäßig auszunutzen. Wechseln Sie also ruhig häufiger einmal den Finger!

Nun muss das Blut auf den Teststreifen getropft werden. Diese besitzen in den meisten Fällen eine kleine Einlaufstelle, damit das Blut automatisch dahin läuft, wo es tatsächlich hin soll. Indem Sie Ihre Fingerkuppe sanft zusammendrücken, erhalten Sie garantiert auch eine ausreichend große Menge Blut. Verwenden Sie aber niemals verschmiertes Blut! Sobald das Blut mit dem Hauptgewebe der Fingerkuppe in Berührung kam, weil es verschmiert wurde, können Messdaten nicht mehr exakt ermittelt werden.

Bei vielen Geräten ist es möglich einen weiteren Blutstropfen auf den Streifen zu geben, wenn der erste Tropfen nicht ausreichte oder verunreinigt wurde. Gelingt auch das nicht, bleibt Ihnen nichts als ein weiterer Einstich übrig. Insbesondere bei erfahrenen Anwendern sollte es dazu für gewöhnlich aber nicht kommen.

Mehr zur Aufbewahrung und Vorbereitung

Ihre Hände kommen den gesamten Tag über in Kontakt mit der Umwelt – mitsamt allen Bakterien, Staubpartikeln und Schmutz. Ebenso besitzen die Hände und Finger Schweißdrüsen, können also schwitzen. Deshalb empfehlen wir vor der Nutzung immer die Verwendung einer pH-neutralen Seife. Diese entfernt jegliche ungewollten Rückstände von der Fingerkuppe und sorgt damit für ein hygienisches Umfeld, was das Risiko von Infektionen nach dem Einstich maßgeblich reduziert.

Ebenso werden durch pH-neutrale Seifen die Ergebnisse nicht verfälscht. Die Bezeichnung “pH-neutral” bedeutet, dass die Seife den identischen Säurewert wie Ihre Haut besitzt. Benutzen Sie stattdessen eine parfümierte Seife, könnte das die Messdaten verfälschen. Selbiges gilt für natürliche Zusätze wie Kokos, Honig und Co, denn auch diese verunreinigen die Blutprobe.

Die Hände sollten danach an einem fusselfreien, sauberen Handtuch abgetrocknet oder einfach abgeschüttelt werden. Handtrockner mit warmer Luft sind ebenso zu vermeiden, da der Luftstrom aus dem Gerät weitere Bakterien auf die Finger spülen könnte.

Wenn Sie gerade keine Seife und/oder fließend Wasser zur Hand haben, empfiehlt sich die Verwendung von antiseptischen Reinigungstüchern oder einem sanften Desinfektionsspray. Fehlt es daran ebenfalls, bleibt Ihnen nicht viel mehr übrig, als die Finger mit einem sauberen Taschentuch abzureiben. In diesem Fall sollten Sie aber den ersten Blutstropfen verwerfen und den zweiten Tropfen nutzen.

Das Blutzuckermessgerät gehört außerdem regelmäßig gereinigt. Nach jeder einzelnen Anwendung ist das nicht unbedingt notwendig, denn Streifen und Lanzette werden sowieso ausgetauscht. Einige feuchte Tücher, gepaart mit einer Desinfektionslotion, eignen sich sehr gut zur Reinigung. Unter laufendem Wasser sollten Sie das Gerät aber nicht halten, denn dadurch könnte Wasser eindringen und die feine Elektronik beschädigen oder später die Messungen verfälschen.

Es empfiehlt sich außerdem, das Gerät regelmäßig durch einen Diabetologen prüfen zu lassen. Dieser stellt anhand von Vergleichswerten fest, ob das Gerät nach einiger Zeit noch exakte Werte liefert. Ansonsten haben Sie auch selbst dazu Gelegenheit.

Dafür verwenden Sie eine Kontrolllösung, die zur Prüfung des mittleren und hohen Blutzuckermessbereichs dient. Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie eine Kontrolllösung wählen, die zu Ihrem Modell passt. Für unseren Testsieger im Test der sechs besten Blutzuckermessgeräte gibt es von Beurer beispielsweise diese Kontrolllösung bei Amazon.

Solche Lösungen setzen sich aus verschiedenen Substanzen und Glukose zusammen. Es besteht daher eine große Ähnlichkeit zu menschlichen Blutproben. Genutzt werden die Lösungen nicht anders, als wenn Sie selbst eine Blutprobe entnehmen und diese prüfen lassen. Überprüfen Sie, was das Gerät anzeigt und vergleichen Sie diese Werte mit denen auf der Kontrolllösung. Sollte das Gerät mehrmals stark abweichende Ergebnisse ausspucken, müssen Sie es unter Umständen ersetzen.

Die richtige Handhabung der Teststreifen

Die Teststreifen müssen nicht weniger sorgfältig als das Gerät selbst behandelt werden. Verschmutzungen oder eine falsche Lagerung können zu verfälschten Ergebnissen führen, selbst wenn bei der Entnahme der Blutprobe und anschließenden Messung alles richtig gemacht wird!

Berücksichtigen Sie die Hinweise des Herstellers, welche dieser auf die Verpackung der Teststreifen aufdruckt. Generell sollten diese immer trocken und kühl gelagert werden. Zu vermeiden sind:

  • sehr hohe und sehr niedrige Raumtemperaturen
  • eine direkte Sonneneinstrahlung
  • eine zu hohe Luftfeuchtigkeit

Speziell aufgrund der Sensibilität gegenüber Luftfeuchtigkeit empfiehlt sich eine Lagerung weder in der Küche noch im Badezimmer, da die Luftfeuchtigkeit beim Duschen oder Kochen da regelmäßig in die Höhe schießt. Idealerweise haben Sie im Wohnzimmer einen kleinen Schrank oder einen Erste-Hilfe-Koffer, wo Sie diese Teststreifen sicher lagern. Nachdem ein Streifen entnommen wurde, sollte die Verpackung außerdem sofort wieder sachgemäß verschlossen werden.

Pflege, Vorbereitung & Handhabung bestimmen die Genauigkeit eines Blutzuckermessgerätes maßgeblich

Generell liefern die, in Deutschland genormten Blutzuckermessgeräte sehr exakte Werte, die relativ nahe an die geeichten Werte von professionellen Geräten beim Arzt herankommen. Wichtig ist im Zuge dessen aber immer, dass das Gerät mitsamt seinem Zubehör wirklich sorgfältig gelagert, gepflegt und entsprechend genutzt wird.

Für die Lanzetten gilt das übrigens nicht weniger als für die Teststreifen, wobei diese durch ihre Verpackung relativ gut geschützt sind. Dennoch sollten Sie diese möglichst direkt zusammen mit den Teststreifen und dem Gerät geschützt lagern – dann haben Sie auch alle drei Komponenten immer sofort zur Hand.

Vor allem Anfängern erleichtert eine Routine in der Vorbereitung die regelmäßige korrekte Anwendung. Wir empfehlen Ihnen, dass Sie zusammen mit den Sets, als denen die Geräte für gewöhnlich vertrieben werden, direkt noch Kontrolllösungen und Desinfektionslösungen sowie eine pH-neutrale Seife bestellen. So haben Sie alle “Instrumente” beisammen, die für die Pflege und Anwendung notwendig sind.

Obwohl das anfänglich alles etwas viel erscheinen mag, gewöhnen sich Diabetiker für gewöhnlich sehr zügig an solch eine Routine und die nachfolgenden Messungen.

Um Sie bei Ihrer Wahl des passenden Gerätes zu unterstützen, haben wir in unserem großen Test die sechs besten Blutzuckermessgeräte genau unter die Lupe genommen und Vor- sowie Nachteile herausgearbeitet. Von besonders günstigen bis hin zu Premium-Geräten finden Sie in diesem Test mit Sicherheit ein Gerät, was Ihren eigenen, individuellen Anforderungen in vollem Umfang gerecht wird.

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