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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



25.08.2008 10:18 Alter: 101 Tage

Borreliose bei Kindern

Kategorie: B, Borreliose, Kinderkrankheiten, Zeckenborreliose, Zecken-Impfung

Von: Dr. Peter Voitl, kinderarzt.at

Zecken sind eine große Gefahr für Kinder, genauso wie für Erwachsene. Nicht jeder Zeckenstich überträgt Borreliose. Etwa jede fünfte Zecke im europäischen Raum ist mit Borrelien infiziert.

Was ist Borreliose?

Borreliose – auch Lyme-Krankheit oder Zeckenborreliose genannt – ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch einen Zeckenbiss übertragen wird. Der Verlauf der Krankheit gliedert sich in verschiedene Stadien.

Wenige Stunden bis zu drei Wochen nach dem Zeckenstich tritt an der Einstichstelle eine kleine Hautrötung auf. Diese vergrößert sich kreisförmig und verblasst dann in der Mitte. Dieses Zeichen wird Erythema migrans (wandernde Röte) genannt. Die Rötung ist schmerzlos.

Wie erfolgt die Infektion?

Borrelien – eine Art von Bakterien – leben im Verdauungstrakt von infizierten Zecken. Borreliose wird durch den Biss von diesen Zecken verursacht. Borrelien dringen über die Haut des Menschen ein und rufen die charakteristische Hautrötung hervor. Später können sie ins Blut gelangen und andere Symptome der Infektion verursachen.

Zecken sind besonders in den Monaten Mai bis November aktiv. In dieser Zeit klammert die Zecke an hohem Gras, Sträuchern oder ähnlichem. Mensch, Hund, Wild, Mäuse, Pferde und Katzen stellen Wirte für die Zecken dar. Setzt sich die Zecke auf den Wirt, wandert sie oft zu warmen, feuchten und dunklen Stellen des Körpers, wie zum Beispiel den Achseln oder in die Schamregion. Aber auch an jeder anderen Körperstelle kann sich eine Zecke festbeißen.

Mit Hilfe ihres Stich- und Saugapparates dringt die Zecke in die Haut ein. Dieser Vorgang dauert etwa zehn Minuten. Während des Stichs gibt die Zecke größere Mengen von Speichel in die Wunde ab, gleichzeitig saugt sie Blut.

Da der Speichel schmerz- und gerinnungshemmende Substanzen enthält, bemerken viele den Zeckenstich überhaupt nicht. Am Ende der Blutmahlzeit würgt die Zecke Magenreste in die Wunde. So gelangen die Borrelien aus dem Verdauungstrakt der infizierten Zecke in den Menschen.

Bei Eintritt der Sättigung fällt die Zecke meistens von allein ab. Darauf sollte man jedoch nicht warten. Besser ist es, die Zecke bald möglichst entfernen oder mit einer Zeckenzange beim Arzt entfernen lassen. Je länger die Zecke saugt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit der Borrelienübertragung.

Nicht jeder Zeckenstich überträgt Borreliose. Etwa jede fünfte Zecke im europäischen Raum ist mit Borrelien infiziert. Es gibt sogenannte Endemiegebiete, in denen die Durchseuchung der Zecken mit über 30% sehr hoch ist. Kontrollieren Sie die Stichstelle und suchen Sie bei jeder Veränderung Ihren Hausarzt auf.

Was sind die Anzeichen für Borreliose?

An der Einstichstelle entsteht in 60-80% der Fälle nach wenigen Stunden bis drei Wochen eine kreisrunde Rötung, die sich langsam ausbreitet, in der Mitte heller wird und dadurch Ringform annimmt. Die Rötung ist nicht schmerzhaft, juckt manchmal diskret und bildet sich spontan zurück.

Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schüttelfrost können den Ausschlag genauso begleiten wie leichtes Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen oder geschwollene Lymphknoten.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Tritt die charakteristische Rötung in Verbindung mit den oben beschriebenen Symptomen auf, sollten Sie mit Ihrem Kind umgehend einen Arzt aufsuchen. Die Krankheitsgeschichte wird genauestens erfragt und ihr Kind untersucht. Da borrelieninfizierte Zecken gehäuft in bestimmten Gebieten vorkommen, ist es wichtig, genau zu wissen, wo sich Ihr Kind in der letzten Zeit aufgehalten hat.

Der Körper bildet nach einem Kontakt mit körperfremden Stoffen Antikörper. Eine Blutprobe zeigt, ob das Kind Antikörper gegen die Borrelien gebildet hat.

Normalerweise sind sie zwei bis vier Wochen nach dem Zeckenstich im Blut nachweisbar. Es können aber auch bis zwei Monate vergehen.

Ihr Kind könnte sich also mit Borrelien infiziert haben, obwohl die Blutprobe negativ ist. Ebenso bedeutet umgekehrt eine positive Blutprobe nicht zwangsläufig, dass sich Ihr Kind vor kurzem angesteckt hat. Antikörper sind über Jahre im Blut nachweisbar, sie könnten daher auch von einer früheren Ansteckung stammen. Durch verschiedene Antikörper lassen sich aber frische von alten Infektionen unterscheiden.

Besteht der Verdacht auf Neuroborreliose, wird ihr Kind sofort in ein Krankenhaus eingewiesen. Dort wird die Flüssigkeit des Rückenmarks untersucht, so kann man erkennen, ob die Bakterien ins Nervensystem vorgedrungen sind.

Wie wird Borreliose behandelt?

Borreliose muss mit Antibiotika behandelt werden. Die Genesung kann bei einer schweren Verlaufsform zwei bis drei Wochen dauern. Wird die Borreliose nicht in einem frühen Stadium behandelt, können Arthritis (Gelenkentzündung) und andere Komplikationen auftreten, wie z. B. Erkrankungen von Herz und zentralem Nervensystem (Gehirn, Rückenmark).

Vor allem Gelenksentzündungen können mehrfach wiederkehren. Treten Komplikationen (Arthritis, Hirnhautentzündung) auf, sollte Ihr Kind auf jeden Fall in einem Krankenhaus behandelt werden. Eine vollständige Heilung ist nicht bei allen Kindern möglich, vor allem, wenn die Arthritis bereits ausgebrochen ist.

Welche Komplikationen können auftreten?

1. Gelenkentzündung (Lyme-Arthritis)

Wird eine Borreliose nicht rechtzeitig diagnostiziert, kann es nach etwa vier Wochen zu Entzündungen in den Gelenken kommen. Sie können aber auch bis zwei Jahre nach dem Zeckenbiss entstehen.

Meist ist nur ein Gelenk betroffen, sehr selten sind es mehr als drei. Die Entzündung entsteht am häufigsten im Knie. Danach folgen Schulter oder Ellbogengelenk, sehr selten sind Hand-, Hüft-, oder Sprunggelenk betroffen. Die betroffenen Gelenke entzünden sich, sind warm, geschwollen, gerötet und schwer beweglich.

Die Arthritis kann nach Monaten oder Jahren wiederkehren und immer wieder andere Gelenke betreffen. Eine Lyme-Arthritis sollte im Krankenhaus intravenös antibiotisch behandelt werden.

2. Neuroborreliose

In einigen Fällen entzünden sich die Häute, die Gehirn und Rückenmark umgeben, aber auch die Nerven, das Gehirn oder Rückenmark können beteiligt sein. Dies kann schon nach einer Woche oder erst nach vier bis fünf Monaten auftreten.

Neuroborreliose verursacht unterschiedliche Beschwerden, die aber nicht besonders charakteristisch sind: Schmerzen im Rücken, typischerweise im Bereich der Schulterblätter und des Nackens stehen oft am Anfang. Nachts werden sie meist stärker. In der betroffenen Körperregion treten oft schmerzhafte Störungen im Berührungssinn auf.

Es kann zu Nervenlähmungen kommen. Eine relativ häufige Erkrankung im Kindesalter ist eine einseitige Gesichtslähmung (Facialisparese). Den Eltern fällt ein hängender Mundwinkel oder ein fehlender Lidschluss auf. Diese Gesichtslähmung wird aber nur in den seltensten Fällen durch Borrelieninfektion verursacht. Zumeist tritt sie als Folge einer Viruserkrankung auf.

In seltenen Fällen kann die Krankheit bleibende Schäden verursachen. Die Nerven werden durch Lähmung zerstört, das Gehör wird beschädigt und es kann zu schwerer geistiger Behinderung führen.

Neuroborreliose kann auch als Hirnhautentzündung (Meningitis) in Erscheinung treten, begleitet von Fieber, Kopfschmerzen und einem steifen Nacken. Neuroborreliose muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

3. Wirkungen auf das Herz

Herzerkrankungen, zum Beispiel eine Herzmuskelschwäche können sich entwickeln. Selten zeigt sich Borreliose als chronische Herzentzündung. Anzeichen sind Herzrhythmusstörungen oder möglicherweise auch Herzversagen.

Welche Prognose hat eine Borreliose?

Bei einer schnellen und ausreichenden Therapie verschwindet die Hautrötung innerhalb von zwei Wochen und die Krankheit ist überstanden. Kinder, die nicht behandelt werden, genesen in den meisten Fällen, ohne bleibende Schäden davonzutragen. Aber die Behandlung verringert auf jeden Fall das Risiko, später an Nerven- und Gelenkbeschwerden zu leiden.

Wird erst in einem späten Erkrankungsstadium mit der Behandlung begonnen, lassen sich die Erreger zwar noch entfernen, aber chronische Schäden können bleiben. Die Beschwerden lassen sich lindern.

Können Sie einer Infektion vorbeugen?

Die wichtigste Maßnahme ist, Ihr Kind durch entsprechende Kleidung zu schützen, wenn es sich im Sommer im Wald aufhält (z. B. langärmelige Hemden, Rollkragenpullover, lange Hosen, Mütze). Entsprechende Lotionen oder Sprays schützen vor Insekten – fragen Sie Ihren Apotheker, welche Produkte nachweislich gegen Zecken wirksam sind. Suchen Sie den gesamten Körper, besonders Kopf, Leistenregion und Kniekehlen nach Zecken ab, wenn sich Ihr Kind draußen aufgehalten hat.

Entdecken Sie eine Zecke, sollten Sie sie langsam und vorsichtig mit Handschuhen und Pinzette entfernen. Wichtig ist es, die Zecke so dicht wie möglich am Kopf zu fassen und sie gerade und ohne zu drehen herauszuziehen. Entfernen Sie die Zecke so früh wie möglich, denn der größte Teil der Bakterien gelangt erst am Ende der „Zeckenmahlzeit“ in die Wunde. Zerdrücken Sie die Zecke nicht, die Infektion kann auch bei unverletzter Haut erfolgen. Waschen Sie Wunde und Hände mit Wasser und Seife.

Zecken befallen auch Haustiere, die, wenn sie erkranken, Borreliose übertragen können. Untersuchen Sie deshalb das Fell, wenn Ihre Haustiere zur Zeckenzeit im Freien waren. Eine Impfung gegen Borreliose ist bisher nicht möglich.

(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at