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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



20.08.2008 23:35 Alter: 15 Tage

Zeckenimpfung

Kategorie: I, Impfungen, Zecken-Impfung, Z, Zeckenborreliose, Zecken-Impfung

Von: Dr. Peter Voitl, kinderarzt.at

Dieser Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Krankheit Frühsommermeningoencephalitis (FSME), die aktuelle Impfung und über Maßnahmen beim Zeckenbiss. Da es im Jahr 2000 bei Impfungen von Kindern mit dem neuen Impfstoff TicoVac® zum Auftreten von hoch fieberhaften Reaktionen gekommen ist (vor allem bei Kindern nach der ersten Teilimpfung), wurde für die Impfaktion 2001 der bis 2000 gebräuchliche Impfstoff FSME-Immun® Inject wieder zur Verfügung gestellt.

Die Frühsommermeningoencephalitis (FSME)

FSME ist eine Viruserkrankung, die durch Zecken übertragen wird. Eine Infektion von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Die Ansteckung kann in der ganzen warmen Jahreszeit stattfinden. FSME-Viren kommen nur bis zu Höhenlagen vor, bei denen die mittlere Jahrestemperatur über 8°C liegt, d.h. im Bergland über etwa 1400m gibt es keine FSME.

Die Wahrscheinlichkeit, nach dem Biss einer infizierten Zecke zu erkranken, ist hoch. Allerdings ist selbst in Gebieten mit hoher Durchseuchung selten mehr als eine von 200 Zecken infiziert. Die Inkubationszeit liegt bei 2 bis 28 Tagen.

Krankheitsbild

Bei 30-40% der Infizierten kommt es tatsächlich zur Erkrankung, die typischerweise in 2 Phasen verläuft. Zunächst eine grippeähnliche Phase mit hohem Fieber, nach Abklingen kommt es bei fast einem Drittel der Infizierten zur 2. Phase, hier ist die wichtigste Verlaufsart die „Zeckenmeningitis“, also eine Entzündung des Hirns und der Gehirnhäute.

Es kann aber auch der Herzmuskel mitbetroffen sein oder die Leber. Die Zeckenmeningitis ist eine ausgesprochen gefährliche Erkrankung. 1-2% der Patienten sterben, 3-11% haben bleibende Schäden wie Lähmungen und viele Patienten haben eine lange Rekonvaleszenz mit häufigen Kopfschmerzen oder Migräneanfällen.

Es gilt, je älter der Patient, desto schwerer verläuft die Erkrankung.

Behandlung

Wie bei den meisten anderen Viruskrankheiten existiert keine spezifische Behandlung. Man kann nur die Symptome lindern, ohne die Ursache (das FSME-Virus) zu bekämpfen.

Impfung

Reguläres Impfschema

  • Es werden zunächst zwei Impfungen im Abstand von 4 Wochen durchgeführt.
  • Die dritte Impfung erfolgt nach 12 Monaten.
  • Danach soll – laut Firmeninformation – alle drei Jahre mit einer Impfung aufgefrischt werden.

Folgende Maximalintervalle sind möglich

Abstand 1. zu 2. Impfung: max. 1 Jahr
Abstand 2. zu 3. Impfung: max. 8 Jahre
Abstand zu Auffrischungen: max. 8 Jahre

Wenn diese maximalen Intervalle überschritten werden, so kann man entweder von Neuem beginnen, oder – was noch sinnvoller ist – im Einzelfall eine eventuell noch bestehende Immunität mittels Blutabnahme abklären. Dies ist vor allem bei Personen sinnvoll, die sich zwar an mehrere Impfungen erinnern können, aber ihre Impfkarte verloren haben.

Schutzrate

Nach vollständiger Grundimmunisierung ist bei 99% der Geimpften mit vollständigem Schutz zu rechnen. Auch nach zwei Impfungen im regulären Abstand sind Sie schon zu 90% geschützt, allerdings nur für ein Jahr. Die Abstände zu den Auffrischungen werden mit 3 Jahren angegeben, dürften aber länger sein.

Nebenwirkungen

  • Rötung oder Schwellung an der Impfstelle
  • selten Kopfschmerzen, Fieber, sowie Muskel- und Gelenksbeschwerden
  • Fieberhafte Reaktionen – vor allem bei Kleinkindern
  • In der Folge eventuell Fieberkrämpfe

Echte Impfkomplikationen sind bei der FSME-Impfung extrem selten. Folgende Erkrankungen wurden mit der Impfung in Zusammenhang gebracht: starke Kopfschmerzen, lokale „Nervenentzündungen“ oder ein sogenanntes „Guillain-Barré“-Syndrom, ebenfalls eine spezielle Form der Nervenentzündung.

Eine FSME-Impfung kann keine FSME-Erkrankung auslösen!

Kontraindikationen

Nicht geimpft werden soll bei akuten, fieberhaften Erkrankungen. Allergien gegen Komponenten des Impfstoffes und gegen Hühnereiweiß stellen eine relative Gegenanzeige dar, d.h. fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie geimpft werden können.

Der neue Impfstoff

Der Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates hat in seiner Sitzung vom 3.4.2000 eine neue Empfehlung zur FSME-Impfung ausgearbeitet.

  1. Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr sollen sowohl bei der Erstimpfung als auch bei den Wiederholungsimpfungen nur mehr mit der halben Dosis des jetzt im Handel befindlichen TicoVac geimpft werden.
  2. Bei Kindern bis zum vollendeten 3.Lebensjahr soll die Indikation für die FSME-Impfung strenger gestellt werden. Das heißt: Nur wenn auch wirklich eine Infektonsgefährdung gegeben ist, soll die Impfung durchgeführt werden. Eine Gefährdung ist abhängig von der Wohngegend (Zeckengebiet?) und den Freizeitgewohnheiten (z.B.häufige Waldspaziergänge).
  3. Außerdem sollen alle Eltern auf die Möglichkeit der fieberhaften Reaktionen besonders hingewiesen werden und auf die Tatsache, dass dieses Fieber nur kurz dauert (wenige Stunden bis 1 Tag) und dass es gut durch fiebersenkende Mittel beherrschbar ist. Sollten Reaktionen auftreten, wird eine Kontaktaufnahme mit dem Kinderarzt empfohlen.

Die Vorgehensweise nach Zeckenbiss

Entfernen Sie die Zecke möglichst rasch. Man weiß heute, dass das langsame Abtöten (drehen im Uhrzeigersinn, Öl auf die Zecke etc.) vor allem die Einschwemmung von Erregern (v.a. Borrelien) fördert. Am besten zieht man mit einer Pinzette kurz am Körper des Zecken an. Wenn Sie im Wald unterwegs sind, können Sie auch mit einer Kreditkarte in horizontaler Richtung den Kopf der Zecke abreißen.

Vorgehen bei Ungeimpften nach Zeckenbiss

Innerhalb von maximal 96 Stunden besteht bei diesen Patienten die Möglichkeit, durch Gabe eines FSME-Hyperimmunglobulins (Antikörperpräparat) mit einer gewissen Chance den Ausbruch der Erkrankung zu verhindern, danach ist eine Gabe nicht mehr sinnvoll. Für Kinder unter 14 Jahren ist eine Hyperimmunglobulingabe nicht erlaubt. Gleichzeitig oder zeitversetzt kann man auch mit der aktiven Impfung beginnen.

Vorgehen bei teilweise geimpften Personen nach Zeckenbiss

Nach nur 1 Impfung wie bei Ungeimpften, wenn der Biss der Zecke innerhalb von 14 Tagen nach der 1. Impfung erfolgt. Erfolgt er später, so wird nur die 2.Impfung gegeben, aber kein Hyperimmunglobulin. Sind schon 2 Impfungen vorhanden, so geschieht bei Zeckenbiss innerhalb von 6 Monaten nach der 2.Impfung nichts, danach wird die dritte Impfung einfach gegeben.

Die Borreliose

Borelliose, die zweite Zeckenkrankheit wird durch Bakterien ausgelöst. Gegen diese Erkrankung gibt es in Europa noch keine Impfung, allerdings kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Details dazu siehe auch unter Borreliose.

(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at