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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



10.08.2008 01:25 Alter: 116 Tage

Gebärmutterhalskrebs (Impfung)

Kategorie: Krebs, Frauenkrankheiten, G, Gebärmutterhalskrebs (Impfung), I, Impfungen

Von: Dr. Peter Voitl, kinderarzt.at

Seit September 2006 steht der erste Impfstoff zur Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs zur Verfügung. Gardasil® schützt vor Infektionen mit humanen Papillomaviren und kann etwa 75 Prozent aller Gebärmutterhals-Karzinome und 90 Prozent aller Feigwarzen verhindern. Mit dem Impfstoff gegen HPV wird eine völlig neue Impfgeneration zugelassen, eine Impfung gegen krebsauslösende Tumorviren. Bis zu 70% der sexuell aktiven Frauen werden im Laufe ihres Lebens mit dem Virus infiziert. Humane Papillomaviren sind hoch infektiös.

Papillomaviren und Gebärmutterhalskrebs

Papillomviren sind Viren, die Warzen und abnormes Gewebewachstum verursachen. Im allgemeinen wird das Virus von selbst eliminiert oder verursacht keinerlei Symptome, es kann aber bei den infizierten Zellen ein unkontrolliertes tumorartiges Wachstum verursachen. Diese Tumore sind meist gutartig, wenn die Infektion im Genitalbereich erfolgt, kommt es zur Bildung von Genitalwarzen (z. B. Feigwarzen).

Einige HPV-Typen können jedoch auch bösartige Veränderungen hervorrufen, insbesondere Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) bei der Frau, aber auch Scheiden-, Penis- und Analkarzinome. Es gibt mehr als 100 verschiedene Typen des Papillomvirus, ungefähr 70 % aller Gebärmutterhalskrebsarten werden von den HPV-Typen 16 und 18 verursacht und etwa 90 % aller Genitalwarzen von den HPV-Typen 6 und 11 (Villa, 2005) Die beiden letzteren befallen auch die Atemwege. Die Infektionsraten des humanem Papillomavirus zeigen deutliche Unterschiede zwischen sozioökonomischen Schichten.

Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs ist die weltweit zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen, 80% aller Fälle treten in Entwicklungsländern auf; als Grund gilt die mangelhafte Vorsorgeuntersuchung.

Gebärmutterhalskrebs wird weltweit jedes Jahr bei 510.000 Frauen diagnostiziert und 288.000 Frauen sterben jedes Jahr an der Krankheit (nach Schätzungen der WHO).

Man kennt zwei Altersgipfel: Frauen zwischen 35 und 39 Jahren sowie Frauen zwischen 60 und 64 Jahren sind betroffen. Bei 99,7% aller Gewebeproben, die bei Patientinnen mit Gebärmutterhalskrebs entnommen wurden, konnte eine Infektion mit HP-Viren nachgewiesen werden, d.h. Gebärmutterhalskrebs wird höchstwahrscheinlich durch eine anhaltende Infektion mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) verursacht. Zumindest ist sie ein notwendiger Risikofaktor für die Entstehung eines Gebärmutterhalskrebses. Die Assoziation zwischen der HPV-Infektion und dem Zervixkarzinom ist somit stärker als die zwischen Rauchen und Lungenkrebs.

Bei schätzungsweise 70% aller Gebärmutterhalskrebs-Fälle konnten zwei bestimmte Typen an HP-Viren festgestellt werden: HPV 16 und HPV 18. Das sind die zwei wichtigsten Hochrisikotypen der HP-Viren und in Deutschland am weitesten verbreitet.

Zur Früherkennung gehört der Abstrich vom Gebärmutterhals. Werden verdächtige Zellveränderungen gefunden, bei denen es sich um Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses handeln könnte, bedarf es weiterführender Untersuchung und Abklärung.

Wird ein Gebärmutterhalskrebs im Vor- oder Frühstadium diagnostiziert, beträgt die Heilungsquote fast hundert Prozent.

Impfstoffe

Dazu gibt es 2 verschiedene Impfstoffe:

  • GlaxoSmithKline entwickelte den zweifach Impfstoff Cervarix(r) gegen HPV 16 und 18
  • Merck und Co. Inc. entwickelte Gardasil(r), einen vierfach Impfstoff gegen HPV 16/18/6/11.

Beide Impfstoffe enthalten papillomavirus-like particles (VLP), leere Hüllen von viralen Strukturproteinen.

Der Impfstoff Gardasil(r) ist in Österreich bereits zugelassen worden, Cervarix(r) wird voraussichtlich 2008 auf den Markt kommen.

Gardasil wird Personen im Alter ab neun Jahren in drei Einzeldosen verabreicht, wobei zwischen der ersten und der zweiten Dosis zwei Monate und zwischen der zweiten und dritten Dosis zumindest vier Monate Wartezeit empfohlen sind. Alle Dosen sind innerhalb eines Jahres zu verabreichen. Der Impfstoff wird intramuskulär verabreicht, vorzugsweise in den Oberarm oder Oberschenkel. Eine Teilimpfung kostet in der Apotheke ca. 200 €; im Rahmen einer Aktion im Frühjahr 155 Euro (+ üblicherweise 10 Euro Impfhonorar); in unserer Ordination bieten wir Impfen inkl. Impfstoff um 150 € an.

Impfzeitpunkt

Der Impfstoff ist für Neun- bis 15-jährige Jugendliche und für 16- bis 26-jährige Frauen zugelassen.

Eine optimale Immunisierung wird durch Impfung von jungen Mädchen erzielt, vor dem ersten Sexualkontakt zwischen dem 9. und 12. Lebensjahr. Für Frauen über 26 fehlen noch Ergebnisse zur Wirksamkeit bei der Vierfachimpfung. Bei Männern ist der Impfschutz noch nicht erwiesen, wenn auch wahrscheinlich; für 9-15 jährige Burschen ist der Impfstoff zugelassen.

Wirkungsweise

Die Impfviren sind den echten Viren sehr ähnlich, enthalten allerdings keine virale DNA und sind daher nicht pathogen (DiMaio, 2006) aber extrem immunogen (Stanley, 2006).

Bei natürlichen HPV Infektionen sind die Antikörperkonzentrationen niedrig aufgrund der Abwesenheit von Viren im Blut, gleichzeitig lastet daher aber auch kein evolutionärer Druck auf dem Virus um der Antikörperantwort zu entkommen.

Im Gegensatz zu natürlichen Infektionen werden die Impfviren intramuskulär verabreicht, wodurch eine ausgeprägte Abwehreaktion und somit ein effektiver Schutz entsteht; auf diesem Mechanismus beruht der Schutz durch die Impfung.

Sicherheit

Die Impfung wurde generell gut vertragen.

In der "proof of principle"-Studie von Koutsky et al. 2002 wie auch in Daten von über 20.000 Probandinnen aus dem November 2005 wurde die Sicherheit der Impfung demonstriert. Die Impfung wurde übereinstimmend ohne Auftreten von impfstoffassoziierten schwerwiegenden Ereignissen gut toleriert.

Die in Studien am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Fieber und Reaktionen an der Einstichstelle (Rötung, Schmerzen, Schwellung).

Wirksamkeit

Die Effektivität bezüglich Feigwarzen und beginnenden Neoplasien war bei 5455 Probandinnen 100%. (40 Fälle im Plazeboarm; Harper et al, 2005). Die Ergebnisse zusammengenommen zeigten, dass bei Frauen, die noch nie zuvor eine HPV-Infektion der Typen 6, 11, 16 und 18 hatten und die vollständige Impfreihe erhielten, keine der insgesamt 8.487 Frauen hochgradige Veränderung des Gebärmutterhalses entwickelte. Der Impfschutz trat bereits während der Impfperiode auf (Villa, 2005).

Die Wirksamkeit wurde an erwachsenen Frauen im Alter von 16 bis 26 Jahren und seine Immunogenität (d. h. die Fähigkeit des Impfstoff, eine Abwehrreaktion des Immunsystems gegen diese Viren zu bewirken) bei Kindern und Jugendlichen von 9 bis 15 Jahren untersucht.

Die Wirksamkeit bei Männern ist noch nicht gesichert.

Über die Dauer des Schutzes und ob eventuell eine spätere Auffrischung notwendig ist liegen noch keine genauen Daten vor.

Die Impfung eignet sich nicht zur Behandlung von Gebärmutterhalskrebs oder dessen Vorstufen. Trotz des Impfschutzes wird der Krebsabstrich weiterhin absolut notwendig sein, da die Impfung nicht vor allen HP-Viren schützt.

Zusammenfassung

Durch den besonders hohen Schutz von 94-100% in Kombination mit regelmäßigen Sreening Untersuchungen sollte eine deutliche Eindämmung des Zervixkarzinoms zu erhoffen sein. Eine Impfung von jungen Burschen und Männern würde sie als Träger des Virus ausschließen.

"In Ländern mit derzeit noch nicht entwickelten Sreening Programm bzw. dort, wo die Implementierung zu schwierig ist, hat der Impftstoff das Potential, die Zahl der durch Zervixkarzinom verursachten Todesfälle sowie die Morbidität um bis zu 70% zu reduzieren." (www.krebshilfe.net).

"Erstmals wird es durch eine Impfung gelingen, eine Karzinomentwicklung zu verhindern. Dies stellt eine Revolution dar, weil bisher in der Onkologie die Strategie in "Früherkennen", "Herausschneiden", "Zerstören" und bestenfalls "Verhindern durch Erkennen der Vorstufe" bestand. Jetzt liegt es an der medizinischen Gemeinde, diesen Fortschritt durch gute Vorbereitung und entsprechende Logistik flächendeckend zum Einsatz zu bringen."(Univ.-Prof. Dr. Peter Husslein)

(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at