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09.08.2008 23:33 Alter: 115 Tage

Blinddarmentzündung bei Kindern

Kategorie: Appendizitis bei Kindern, B, Blinddarmentzündung bei Kindern, K, Kinderkrankheiten, Appendizitis, Blinddarmentzündung

Von: Dr. Peter Voitl, kinderarzt.at

Die Blinddarmentzündung nennt man auch Appendizitis. Die Entfernung des Blinddarmes wird im Zustand der Vollnarkose durchgeführt. Kinder erholen sich schnell nach der Operation.

Was ist eine Blinddarmentzündung und wie entsteht sie?

 

Der Blinddarm befindet sich im rechten Unterbauch, am Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm. Betroffen bei der Blinddarmentzündung (Appendizitis) ist jedoch eine Entzündung des Wurmfortsatzes, einem kleinen Anhang am Beginn des Dickdarms. Der Beginn der Appendizitis ist meist sehr plötzlich.

Die Entzündung des Blinddarms kommt in allen Altersgruppen vor. Am häufigsten betrifft sie jedoch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Die meisten Fälle betreffen Personen zwischen 4 und 25 Jahren. Kinder unter zwei Jahren entwickeln selten eine Blinddarmentzündung. Knaben und Männer erkranken häufiger als Mädchen und junge Frauen. Ein entzündeter Blinddarm muss immer durch eine Operation entfernt werden.

Eine Verstopfung des Blinddarminnenraums ist die häufigste Ursache einer Blinddarmentzündung. Da der Blinddarm eine sackartige Ausstülpung ist, können sich darin Verdauungsrückstände ansammeln. Ein Knick, eine Schleimhautschwellung, seltener Fremdkörper (Kerne, Steine, etc.), Tumore oder Würmer können eine Blinddarmentzündung auslösen. Durch Einengung des Blinddarminnenraums wird eine lokale bakterielle Entzündung begünstigt.

Was sind die Symptome?

 

  • Ihr Kind klagt über Schmerzen, Berührungsempfindlichkeit oder krampfartige Schmerzen im rechten Unterbauch. Halten die Schmerzen länger als drei Stunden an, sollten Sie umgehend einen Arzt oder sofort das Krankenhaus aufsuchen.
  • Die Schmerzen treten möglicherweise auch im Bereich des Bauchnabels oder der oberen Bauchhälfte auf. Die Schmerzen wandern dann erst nach einigen Stunden in den unteren Teil der rechten Bauchhälfte und verstärken sich vor allem beim Gehen.
  • Hüpfen auf dem rechten Bein ist meist nicht möglich. Der gesamte Bereich ist extrem berührungsempfindlich.
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sind oft begleitende Erscheinungen.
  • Die Körpertemperatur beträgt etwa 38° C, viele Kinder haben jedoch kein Fieber.
  • In manchen Fällen setzen die Symptome nach und nach ein. Die Schmerzen kommen und gehen, erst nach einigen Tagen verstärken sie sich.

Bei einem Kind kann man sich also nicht auf starke Schmerzen als sicheres Anzeichen für eine akute Blinddarmentzündung verlassen. Speziell Kleinkinder zeigen häufig kein typisches Krankheitsbild. Leider wird die Erkrankung daher oft erst spät diagnostiziert. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass bei diesen Kindern Komplikationen auftreten.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Wichtigstes Anzeichen für eine Blinddarmentzündung sind anhaltende Bauchschmerzen des Kindes, oft kombiniert mit Brechreiz oder Erbrechen. Nur eine genaue Untersuchung kann zur exakten Schmerzlokalisation führen. Typische Schmerzpunkte beim Abtasten können auf eine Blinddarmentzündung hinweisen.

Manchmal wird eine digito rektale Untersuchung (der Enddarm wird mit dem Finger untersucht) durchgeführt. Körpertemperatur und Blutbefunde können Hinweise auf eine Entzündung geben. Es gibt keine Untersuchung, die mit Sicherheit eine Blinddarmentzündung bestätigen oder ausschließen kann. In letzter Zeit gewinnt die Ultraschall-Untersuchung des Bauchraums zunehmend an Bedeutung. Teilweise lässt sich der verdickte Blinddarm darstellen.

Bei etwa drei von zehn Operationen stellt sich heraus, dass der Wurmfortsatz nicht entzündet war. Dann muss weiter nach der Ursache der Bauchschmerzen gesucht werden.

Wie wird eine Blinddarmentzündung behandelt?

  • Der Blinddarm wird im Krankenhaus unter Vollnarkose entfernt.
  • Um einen Blinddarmdurchbruch zu verhindern, sollte die Operation so schnell wie möglich, am besten am Tag der Diagnose durchgeführt werden.
  • Je eher Sie ihr Kind zum Arzt bringen, desto schneller kann er diagnostizieren und behandeln.
  • Kinder erholen sich im Allgemeinen sehr rasch von der Operation und können nach wenigen Tagen, wenn der langsame Nahrungsaufbau gut geklappt hat, wieder nach Hause gehen.

Welche Komplikationen können auftreten?

  • Bei etwa 2-4% der Operierten verkleben die Darmschlingen als Folge der Narbenbildung. In etwa der Hälfte aller Fälle tritt dies in den ersten drei Monaten nach der Operation auf, manchmal ist eine erneute Operation notwendig.
  • Bei eitriger Blinddarmentzündung besteht die Gefahr von Wundinfektionen oder Eiteransammlungen (Abszessen) in der Bauchhöhle.
  • Wird die Blinddarmentzündung zu spät erkannt und daher nicht behandelt, kann der Blinddarm entweder brüchig werden oder ganz durchbrechen (Blinddarmdurchbruch, Perforation). Stuhl und infektiöse Bakterien gelangen in den Bauchraum und lösen eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) aus, eine lebensgefährliche Entzündung und Infektion. Mädchen können dadurch unfruchtbar werden.

Auch in der heutigen Zeit kommt es trotz verbesserter Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten immer wieder zu Todesfällen.

(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at