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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



27.03.2008 21:13 Alter: 250 Tage

Diabetes in der Schwangerschaft: Wohl der Mutter und des Kindes stehen im Mittelpunkt

Von: Gesundheitsnews

Immer mehr Schwangere sind zuckerkrank. Der Diabetes bringt zahlreiche Komplikationen mit sich und macht die Schwangerschaft zu einem Risiko für Mutter und Kind. In der Fachzeitschrift 2DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift2 (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) erläutern ein Diabetes-Experte und eine Gynäkologin, wie Diabetikerinnen zu einem gesunden Kind verholfen werden kann.

Übergewicht, eine Diabetesneigung in der Familie oder Komplikationen in früheren Schwangerschaften sind für Professor Werner Scherbaum, den Leiter des WHO Collaboration Centers an der Universität Düsseldorf, immer ein Grund, nach einer Zuckerkrankheit zu suchen. Der Belastungstest, er misst den Blutzuckeranstieg nach Trinken einer Zuckerlösung, sollte so früh wie möglich in der Schwangerschaft durchgeführt werden. Denn ein unerkannter Diabetes führe häufig zum Fruchttod, zu Frühgeburten oder zu Fehlbildungen. Außerdem sind die Kinder meist zu groß, was zu einer komplizierten Geburt führen kann. Um dies zu verhindern, müssen die Frauen eine Diät halten, sagt Professor Scherbaum, und viele benötigen auch Insulin. Denn Diabetes-Tabletten (Fachjargon: Orale Antidiabetika) sind in der Schwangerschaft generell verboten. Einige können nachweislich Fehlbildungen auslösen, bei anderen ist die Sicherheit unzureichend untersucht, warnt der renommierte Diabetesexperte. Frauen mit bekanntem Diabetes sollten bereits vor der Schwangerschaft den Blutzucker einstellen, da dann die Chancen auf ein gesundes Baby am besten sind. Früher hatten die Experten nur mit Frauen zu tun, die seit Kindheit oder Jugend an einem Typ-1-Diabetes litten. Ursache ist ein Insulinmangel. Heute kommt es immer häufiger vor, dass Schwangere einen Typ-2-Diabetes haben. Bei diesem "Alterszucker" liegt eine Störung der Insulinwirkung vor. Viele haben bereits Spätschäden an Nieren oder Augen. Sie verschlechtern sich oft in der Schwangerschaft, weshalb Diabetesexperten vielen Typ-2-Diabetikerinnen von einem Kinderwunsch abraten. Doch fast alle Schwangerschaften bei Frauen mit Typ-2-Diabetes sind ungewollt, weiß Scherbaum, der das höhere Alter und das Übergewicht dieser "Altersdiabetikerinnen" als weitere Risikofaktoren für eine riskante Schwangerschaft benennt. Hinzu komme, dass die Frauen häufig ethnischen Minderheiten oder sozial schlechter gestellten Schichten angehörten, was Verständigung und Therapieplanung mit Diät und Insulintherapie kompliziere. Trotz der Risiken spricht sich Privatdozentin Ute Schäfer-Graf vom Kompetenzzentrum Diabetes und Schwangerschaft am Vivantes Klinikum in Berlin-Neukölln dafür aus, den Bedürfnissen der Frauen so weit wie möglich entgegen zu kommen. Wichtiger als eine optimale Blutzuckereinstellung ist ihr die Gesundheit des Kindes. Das von ihr entwickelte Programm ("fetal-growth-based management") stellt die Entwicklung des Ungeborenen im Ultraschall in den Mittelpunkt. Die Untersuchungen werden alle drei Wochen wiederholt. Gynäkologe und Schwangere können beobachten, ob das Baby zu groß wird. Dies motiviere die Schwangeren, Blutzuckerkontrollen und Insulininjektionen ernsthaft zu betreiben, sagt die Expertin. Allzu strenge Diät und Blutzuckerkontrollen lehnt sie ab. Wir möchten den Schwangeren nicht die Freunde an der Schwangerschaft nehmen, lautet ihr Motto. Schäfer-Graf und weitere Experten werden über die neuesten Erkenntnisse zum Thema Diabetes in der Schwangerschaft im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft im Workshop "Diabetes, Obesity and Fetal Programming" und im Symposium "Gestationsdiabetes" am 1. Mai 2008 in München informieren. Nähere Informationen zur Jahrestagung der DDG sind unter www.ddg2008.de erhältlich.

W. A. Scherbaum:
Diabetes in der Schwangerschaft.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (11): S. 535-540

U. Schäfer-Graf:Diabetes in der Schwangerschaft - weiterhin eine große Herausforderung.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (11): S. 541