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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



21.08.2008 14:00 Alter: 104 Tage

Die vielen Erkrankungen deutscher Diabetiker

Von: Gesundheitsnews

fzm - Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus haben nicht nur einen erhöhten Blutzucker. Sehr häufig liegen Folge- und Begleiterkrankungen vor, wie die bisher größte Studie zur Versorgungssituation von Diabetikern in Deutschland zeigt, die jetzt in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) veröffentlicht wurde.

Etwa sechs bis sieben Prozent der Deutschen sind an Typ-2-Diabetes mellitus erkrankt. Der "Alterszucker" ist Folge jahrelangen Bewegungsmangels und einer Fehlernährung. Bei den meisten Patienten ist nicht nur der Blutzucker zu hoch. Etwa dreiviertel leiden auch an Bluthochdruck, etwa die Hälfte ist übergewichtig und bei ebenso vielen finden Ärzte bei der Blutuntersuchung eine Fettstoffwechselstörung. Dies zeigt die Auswertung der Daten von fast 400.000 Typ-2-Diabetikern, die Dr. Nico Görlitz vom Klinikum Schwabing in München und Mitarbeiter durchgeführt haben. Es handelt sich um Diabetiker, die in den Jahren 2004 bis 2006 in Bayern von ihren Ärzten für ein so genanntes Disease Management Programm (DMP) angemeldet wurden. Das DMP wurde eingeführt, um die Versorgung von chronisch Kranken in Deutschland, wie z.B. Diabetikern, langfristig zu verbessern. In Bayern nehmen 60 Prozent aller Diabetiker daran teil. Die Analyse der Erhebungsbögen ermöglichte erstmals einen Überblick über den Gesundheitszustand von Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus, sagt Dr. Görlitz.

Etwa jeder zehnte der im Durchschnitt 67 Jahre alten Typ-2-Diabetiker hatte, im Mittel sieben Jahre nach der Diagnose des erhöhten Blutzuckers, bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten. Sie sind eine Folge der Zuckerkrankheit an den größeren Arterien und werden als diabetische Makroangiopathie bezeichnet. Zu ihr gehören auch Durchblutungsstörungen in den Beinen, die von den Ärzten in Bayern etwas seltener diagnostiziert werden als im internationalen Vergleich. Deutlich seltener als erwartet waren auch die Diagnosen von Folgeschäden an Augen (Retinopathie), Niere (Nephropathie) und Nerven (Polyneuropathie). Sie gelten als Folge einer Schädigung kleinerer Blutgefäße und werden deshalb als Mikroangiopathie bezeichnet. Die bayrischen Ärzte gaben diese Diagnose bei einem Fünftel der Patienten an. In internationalen und deutschen Studien, in denen die Patienten gezielt von Fachärzten untersucht wurden, war der Anteil der Diabetiker mit Mikroangiopathie zum Teil deutlich höher, schreibt Dr. Görlitz, der hier eine mögliche Versorgungslücke vermutet und die Ärzte zu einer noch genaueren Untersuchung auffordert. Mit der Behandlung des Blutzuckers in Bayern ist Dr. Görlitz zufrieden. Der so genannte HbA1c-Wert, ein Maß für die langfristige Blutzuckereinstellung, entspricht mit 6,9 Prozent den Anforderungen der Diabetologen. Trotzdem ist – nach anderen Untersuchungen – die Lebenserwartung der Diabetiker um sechs Jahre niedriger als im Bevölkerungsdurchschnitt, wofür die Folgeerkrankungen der Zuckerkrankheit verantwortlich sind.

 

N. Görlitz et al.: Prävalenzen von Folge- und Begleiterkrankungen des Typ-2-Diabetes. Querschnittuntersuchung an DMP-Teilnehmern in Bayern. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (33): S. 1667-1672