MedNews

Zur Zeit sind 6 Gäste
und 0 Mitglieder online.

max: 140 Besucher

Du bist ein anonymer Benutzer.

Hinweis:

Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



03.02.2007 13:33 Alter: 2 Jahre

Die Angst vor den Schmerzen nehmen

Von: MedUni-Redaktion

Von Heilung ist in diesem Medizinfach nicht die Rede. Denn die Palliativ-Spezialisten kümmern sich um Schwerstkranke, denen sie das Leiden erleichtern wollen. Das Ziel beschreibt Dr. Maja Falckenberg von der Schmerzambulanz Alten Eichen: "Die Patienten in einen beschwerdearmen Tod hineinzubegleiten."

chronische Schmerzen

Von Heilung ist in diesem Medizinfach nicht die Rede. Denn die Palliativ-Spezialisten kümmern sich um Schwerstkranke, denen sie das Leiden erleichtern wollen. Das Ziel beschreibt Dr. Maja Falckenberg von der Schmerzambulanz Alten Eichen: "Die Patienten in einen beschwerdearmen Tod hineinzubegleiten."

Die Hamburger Fachärztin für Anästhesiologie ist Präsidentin des 6. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, der gestern auf dem Campus der Hamburger Universität eröffnet wurde. Bis Sonnabend treffen sich hier 1200 Experten aus dem In- und Ausland. Die beiden Schwerpunktthemen: Teamarbeit und Kommunikation.

Was sich so selbstverständlich anhört, gilt in der Kombination als Schlüssel zum Gelingen. Denn um Patienten mit fortschreitenden Leiden menschenwürdig zu versorgen, bedarf es vieler Disziplinen. Neben der Medizin gehören dazu, so Falckenberg, die Pflege, die psychosoziale Betreuung, die Spiritualität und das Ehrenamt.

Diese Mischung lässt sich nicht per Rezept verordnen und im reglementierten Kassensystem auch nicht leistungsgerecht abrechnen. So stoßen Palliativ-Mediziner ständig an Grenzen: mit geringen Tagesfestpreisen von 5,90 Euro für Opiate oder bei der Verschreibung von Schmerzpflastern für Patienten, die nicht schlucken können.

All diese Hemmnisse sind jedoch nichts - gemessen an der Angst der meist Tumorerkrankten, "unter Qualen sterben zu müssen, was uns häufig begegnet", so Falckenberg. Diese Angst treibt manche auch in die Bitte um aktive Sterbehilfe. Dabei könne den weitaus meisten der Schmerz genommen werden - und damit auch der Wunsch nach Tötung. Der sei nach ihrer Erfahrung mit Schwerstkranken meist ein "Aufschrei, sieh, wie ich leide", berichtet Pflegedienstleiterin Martina Kern vom Palliativzentrum des Malteser-Krankenhauses Bonn. "Das Gefühl, ,Sie können nichts mehr für mich tun'", täusche, sagt die Pflegespezialistin, "wir können immer noch etwas tun", und sei es die sogenannte Palliative Sedierung, bei der man den Patienten in einen schlafähnlichen Zustand versetze.

Die Angst, an Schläuchen zu sterben, könne den Betroffenen oft genommen werden. Als Orientierung ihrer Arbeit sieht sie die "radikale Patientenorientierung".

Tröstlich ist immerhin, dass sich entsprechende Angebote in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hätten, sagt Prof. Dr. Christof Müller-Busch vom Krankenhaus Havelhöhe in Berlin. Zwar gebe es bisher erst an fünf der 36 Medizin-Hochschulen auch Lehrstühle für Palliativmedizin (Bonn, Aachen, Köln, München, Göttingen), doch schreite der Ausbau weiter voran, auch dank der finanziellen Unterstützung der Deutschen Krebshilfe.

Auch die Forschung auf diesem Gebiet sei in Deutschland im internationalen Vergleich unterentwickelt, doch sei es umso erfreulicher, "dass gerade auf dem Kongress in Hamburg eine große Zahl hochwertiger Forschungsprojekte vorgestellt wird".

Alle Symptome, die bei Palliativpatienten auftreten (Atemnot, Magen-Darm-Probleme, Verwirrtheit, Delir, Angst), müssten hinsichtlich Ursache und Therapie wissenschaftlich untersucht werden. Den "bei großem Respekt vor den Niederlanden" dort eingeschlagenen Weg aktiver Sterbehilfe halte er für falsch, sagt Prof. Müller-Busch.