Wurden im Jahr 2006 nur 56 Fälle bekannt, waren es im letzten Jahr 1619 Erkrankungen. Diese massive Zunahme führt Dr. Ellen Krautkrämer vom Nierenzentrum Heidelberg auf die Buchenmast im Jahr zuvor zurück. Die Rötelmäuse, die sich unter anderem von Bucheckern ernähren, konnten sich daraufhin stark vermehren. Viele überlebten in den derzeit ungewöhnlich milden Wintern. Die Rötelmaus gilt als das wichtigste Rückzugsgebiet (Reservoir) für Hantaviren. Aber auch andere Nager können sie übertragen. Die Tiere selbst erkranken nicht, scheiden das Virus aber über Speichel, Urin und Kot aus. Von dort gelangt es in die Waldluft, mit der sie von Spaziergängern (oder auch Waldarbeitern) eingeatmet werden, besonders wenn sie den Ausscheidungen am Waldboden nähern. Eine Ansteckung durch Bissverletzungen ist selten, sagt die Forscherin von der Universität Heidelberg. Die Infektion macht sich anfangs als grippaler Infekt mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar. Später kommt es bei einigen Patienten zum Nierenversagen. Dann wird eine Nierenwäsche (Dialyse) notwendig. In den meisten Fällen erholen sich die Nieren von selbst und Todesfälle an dieser "Nephropathia epidemica", wie die Ärzte die Erkrankung nennen, sind laut Dr. Krautkrämer die Ausnahme. Doch wenn es einmal zu einem schweren Verlauf kommt, sind die Ärzte oft hilflos. Eine spezifische Therapie gebe es nicht, erklärt die Expertin. Auch ein wirksamer Impfstoff stehe nicht zur Verfügung. Glücklicherweise sind die Rötelmäuse mit dem Virustyp Puumala infiziert. Andere Virustypen wie Seoul oder Hantaan führen zu einem wesentlich schlimmeren Krankheitsverlauf. Die Sterberate kann dann bis zu 50 Prozent betragen, warnt die Virusexpertin, die aber nicht mit dem Auftreten dieser Varianten in Deutschland rechnet. Die meisten Erkrankungen treten in Baden-Württemberg und Bayern auf. Ob es in diesem Jahre wieder zu vermehrten Infektionen kommt, ist keineswegs sicher. Auf eine Massenvermehrung wie in 2007 folgt häufig ein Rückgang der Rötelmausbestände. Dennoch sollten Urlauber vorsichtig sein und den Kontakt mit Mäusen und deren Ausscheidungen auf jeden Fall vermeiden.
E. Krautkrämer, M. Zeier:
Zunehmende Verbreitung der Nephropathia epidemica in Deutschland.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (10): S. 476-478