Während die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) in Deutschland verpflichtet sind, bei den Ärzten auf die Verordnung günstiger Medikamente zu drängen, haben Privatversicherungen hier einen größeren Spielraum, sagt Dr. Frank Wild vom Wissenschaftlichen Institut der Privaten Krankenversicherungen (PKV) in Köln. Denn bei der PKV bestimme in weiten Bereichen ein privatrechtlicher Vertrag – eine freie Vereinbarung zwischen Kasse und Versicherten – welche Medikamente die Patienten erhalten. Viele Private erstatten laut Wild neu eingeführte ("innovative") Medikamente, sparen dafür aber bei Mitteln, die der Patient rezeptfrei in der Apotheke kaufen kann. Um zu ermitteln, ob die Innovationsquote bei der PKV höher ist als bei der GKV, analysierte Wild die Verordnungsdaten aus dem Jahr 2005. Als innovativ stufte er alle Medikamente ein, die seit 1995 neu eingeführt wurden. Damit der Vergleich fair ist, bezog Dr. Wild die Verordnungen der neuen Medikamente auf die Gesamtheit der Verordnungen zu einer Erkrankung (Indikation), in dem Beispiel die Zahl der Verordnungen des neuen Diabetesmedikaments auf die aller Diabetesmedikamente. Damit wird ausgeschlossen, dass eine Krankenkasse nur deshalb mehr neue Medikamente verordnet, weil die Patienten häufiger an einer bestimmten Erkrankung leiden. So sind zum Beispiel die Patienten der "Gesetzlichen" älter, folglich gibt es mehr Versicherte mit chronischen Erkrankungen wie der Zuckerkrankheit Diabetes. Nach den Berechnungen von Dr. Wild beträgt die indikationsbezogene Innovationsquote bei den "Privaten" 7,3%. Sie ist damit höher als bei den "Gesetzlichen", wo der Anteil bei 5,3% liegt. Innovative Medikamente sind zwar in der Regel teurer als ältere Mittel. Aus Sicht von Dr. Wild können sie dennoch zu Einsparungen führen, wenn sie die Heilung beschleunigen und weniger Nebenwirkungen haben. Den Beweis hierfür liefert die Untersuchung allerdings nicht.
F. Wild:
Die Verordnungen von neuen Arzneimitteln bei Privatversicherten im Vergleich zu GKV-Versicherten.
Gesundheitsökonomie & Qualitätsmanagement 2008; 13 (1): S. 15–18