Der mütterliche Kreislauf verändert sich während der Schwangerschaft beträchtlich, schreibt Professor Joachim Dudenhausen, der Leiter der Kliniken für Geburtsmedizin an der Berliner Charité. Schon ab der vierten Woche nimmt das Blutvolumen zu. Auch die Zahl der roten Blutkörperchen steigt an, allerdings nicht so stark wie die Blutflüssigkeit. Die Folge ist eine leichte Blutarmut (Anämie), was für die Schwangerschaft normal ist. Häufig kommt es auch zu einem leichten Absinken des Blutdrucks. Beides zusammen kann den Herzschlag beschleunigen, was einige Schwangere als störendes Herzpochen empfinden. Diese Palpitationen, wie Ärzte das Phänomen nennen, sind in den meisten Fällen ungefährlich, versichert Professor Hans-Joachim Trappe, Chefarzt am Marienhospital Herne und ein international renommierter Experte für die Behandlung von Herzrhythmusstörungen bei Schwangeren. Auch gelegentliche Unregelmäßigkeiten im Puls sind harmlos. Die Ärzte sprechen von Extrasystolen. Nach der Ableitung eines Elektrokardiogramms (EKGs) mit dem die Herzmuskelaktivität gemessen wird, kann Professor Trappe die meisten Frauen beruhigen. Sie benötigen keine Therapie. Mutter und Kind sind nicht in Gefahr und eine Behandlung deshalb unnötig.
Wenn doch eine Therapie erforderlich wird, können die Ärzte auf eine Reihe von Medikamenten zurückgreifen, die in der Schwangerschaft getestet und deren Unbedenklichkeit für das Ungeborene bekannt ist. Die Ärzte wissen, welche Wirkstoffe sie meiden müssen, weil sie den Fötus schädigen. Jedoch sind nicht immer Medikamente notwendig. Professor Trappe: Bei Herzrasen kann manchmal ein sogenanntes vagales Manöver helfen. Das kräftige Ausatmen gegen geschlossene Stimmlippen erhöht den Druck im Brustkorb, was häufig den Herzschlag verlangsamt. Beruhigend wirke manchmal auch eine Massage am Hals. Die Stimulierung des Sinusknotens, der ähnlich einem Blutdruckmessgerät im Körper funktioniert, verlangsamt den Herzschlag.
Besteht dagegen ein zu langsamer Herzschlag kann manchmal ein Herzschrittmacher notwendig werden. Häufig kann er nach der Geburt des Kindes wieder entfernt werden. Kommt es doch zu schweren Rhythmusstörungen, welche die Pumpleistung des Herzens gefährden, kann mit einer elektrischen Kardioversion der normale Rhythmus wieder hergestellt werden. Dabei werden dem Herzen an bestimmten Zeitpunkten des EKGs gezielt kleine Stromstöße versetzt. Die Behandlung erfolgt unter einer Kurznarkose und ist für Mutter und Kind ungefährlich. Alle Herzrhythmusstörungen von Schwangeren können heute angemessen behandelt werden, verspricht Professor Trappe.
J. W. Dudenhausen:
Herzrhythmusstörungen bei Schwangeren - eine seltene interdisziplinäre Herausforderung.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (36): S. 1805
H.-J. Trappe:
Herzrhythmusstörungen in der Schwangerschaft.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (36): S. 1799-1804