Nur dreieinhalb Jahre nach Gründung der Medizinischen Universität Wien zeigen sich erste forschungspolitische Erfolge der neuen Selbständigkeit: Bereits jetzt zählt die junge Universität zu den forschungspolitisch erfolgreichsten Universitäten im deutschsprachigen Raum und kann dies unter anderem auch wirtschaftlich mit einer der höchsten Drittmittelquoten belegen. Seit der Ausgliederung der Medizinischen Universität konnte der Anteil an eingeworbenen Drittmitteln sogar um mehr als 50% erhöht werden. Die MedUni ist für Drittmittelgeber somit in kurzer Zeit ein besonders attraktiver Partner geworden, was nicht zuletzt auf die Spitzenforschung im Grundlagenforschungsbereich zurückzuführen ist. Der wichtigste Förder-Partner für den Grundlagenforschungsbereich ist der österreichische Fonds zur Förderung der wissenschaftliche Forschung (FWF).
Die starke Steigerung bei Drittelmitteleinnahmen der MedUni Wien wurde vor allem durch gezielte Investitionen in Schwerpunktbildung möglich. Schon jetzt betragen die Drittmitteleinnahmen mehr als 20% des jährlichen MedUni Wien-Gesamtbudgets von rund € 300 Mio. Unter den Medizinischen Universitäten im deutschsprachigen Raum würde die MedUni Wien - entsprechend einem innerdeutschen CHE_Forschungsranking von 2006 – heute Platz drei unter 36 Institutionen einnehmen
Die Drittmitteleinnahmen setzen sich an der MedUni Wien derzeit aus FWF- und EU- Geldern sowie aus Forschungsaufträgen Dritter zusammen. Dabei stammen rund 20% aus Projektbewilligungen öffentlicher Fördergeber, wie dem FWF bzw. aus diversen EU-Funds.
Im Bereich der Grundlagenforschung zeigt sich die besondere kompetitive Kompetenz der MedUni Wien in der Tatsache, dass trotz besonders anspruchsvoller und internationalen Standards entsprechender Förderpolitik des FWF allein 2006 rund 13,2 Mio Euro Fördermittel für die MedUni Wien eingeworben werden konnten (gegenüber 12,4 2005), das sind immerhin rund 10% der gesamten FWF-Mittel (die traditionell forschungsstarke TU-Wien hatte in diesen Zeitraum mit € 300.000.- nur geringfügig höhere Mittel eingeworben). Die MedUni Wien gehört damit – auch im Grundlagenforschungsfeld – zu den Spitzenreitern, genauer gesagt, zu den Top-Drei der österreichischen Drittmitteleinwerber.
Der Rektor der MedUni Wien, Prof. Wolfgang Schütz sieht diese Erfolge, neben dem professionellen Verfahren des FWF bei der Mittelvergabe auch in der neuen Profilbildung der MedUni Wien und im Engagement der Forscherteams und deren hoher Kompetenz begründet. „Die Zahl der eingeworbenen Förderungen für die Grundlagenforschung konnte in den letzten Jahren nicht nur kontinuierlich hoch gehalten werden, sondern durch das Streben unserer Forscher und Forscherinnen nach einer europäischen Spitzenposition in der Forschung auch ausgebaut werden. Dadurch wurde wiederum eine Spirale einer Entwicklungsdynamik angestoßen, die nicht zuletzt vor allem unserem Forschungsnachwuchs zu Gute kommt.“ So konnten allein im letzten Jahr 120 Stellen, die vor allem NachwuchsforscherInnen zu Gute kommen, nur durch die Förderungen des FWF finanziert werden.
Neben Einzelförderungen in verschiedenen Bereichen gibt es sieben Schwerpunktprojekte, die vom FWF finanziert werden. Sie gliedern sich in folgende Bereiche: Doktoratskollegs (DKs), Spezialforschungsbereiche (SFBs) und Nationale Forschungsnetzwerke (NFNs).
Doktoratskollegs (DKs)
Die DKs konzentrieren sich auf die Ausbildung von wissenschaftlichem Spitzennachwuchs in enger Anbindung an bestehende, international hoch qualitative Forschung. Weiters werden bestehende Forschungsschwerpunkte der MedUni gestärkt. Gemeinsam mit dem FWF bietet die MedUni Wien drei vom FWF geförderte Doktoratkollegs an. Pro DK stehen 24 Plätze zur Verfügung mit einem Volumen von € 3,4 Mio. Die MedUni Wien beteiligt sich mit 50% aus eigenen Mitteln, 50 % übernimmt der FWF.
„Cell Communication in Health and Disease“ (CCHD) war das erste vom FWF geförderte Doktoratskolleg, es ist 2006 gestartet. Das CCHD ist ein PhD-Programm in biomolekularer Medizin mit gezielter Ausbildung in den Bereichen Neurobiologie, Gefäßbiologie, Immunologie und Entzündungsforschung. Nähere Infos dazu unter www.meduniwien.ac.at/phd-cchd
„Inflammation and Immunity“ (IAI) wurde Ende 2006 etabliert. Das internationale PhD- Programm soll die biologischen Funktionen des Immunsystems auf dem Gebiet der Entzündung und Immunität untersuchen. Die Ausbildung erfolgt im Forschungsschwerpunkt Immunologie/Infektiologie. Mehr Informationen unter www.meduniwien.ac.at/phd-iai
„RNA-Biology“ wird hauptsächlich von den Max F. Perutz Laboratories (einem Joint Venture der MedUni Wien mit der Uni Wien) unter Leitung von Univ. Prof.in Dr.in Andrea Barta getragen. Mit dabei sind auch das Institut Molekularer Pathologie (IMP), zwei Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das Research Center of Molecular Medicine (CeMM) und das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA). Dieses DK deckt viele wichtige Aspekte des spannenden RNA-Gebeties ab, wie die Frage, wie und mit welcher Hilfe die RNA in der Natur ihre korrekte Faltung erhält.
Spezialforschungsbereiche
Unter SFBs sind Zentren der Spitzenforschung zu verstehen, die nach internationalem Maßstab außerordentlich leistungsfähige, eng vernetzte Forschungsvorhaben an einem Standort verfolgen und die interdisziplinäre, langfristig angelegte Bearbeitung aufwändiger Forschungsthemen zum Gegenstand haben.
An der MedUni Wien wurden gemeinsam mit dem FWF folgende SFBs eingerichtet:
„Entstehung und Aufrechterhaltung der immunologischen Toleranz“. Dieses SFB unter Leitung von Prof. Wilfried Ellmeier hat sich zum Ziel gesetzt die molekulare und zelluläre Basis der Etablierung und Erhaltung von immunologischer Toleranz zu untersuchen. www.meduniwien.ac.at/sfb23
„Molekulare und immunologische Strategien zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Typ I Allergien “. Der SFB unter Leitung von Prof. Rudolf Valenta besteht aus einem Netzwerk von Forschergruppen der MedUni Wien. Dieses Forschungsprogramm, das experimentell und klinisch tätige Forschergruppen umfasst, ist multidisziplinär und wird daher die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse vom Labor zum Patienten übertragen können. Es ist im wesentlichen um die Charakterisierung der die Erkrankung auslösenden Allergene angesiedelt und wird die Mechanismen analysieren, wie Allergene die Erkrankung verursachen.
Nationale Forschungsnetzwerke
Unter NFNs sind Forschungsvorhaben zu verstehen, die die Förderung der Schwerpunktbildungen in der wissenschaftlichen Forschung, in der Regel durch den Aufbau von landesweiten Forschungsnetzwerken zur fächerübergreifenden, arbeitsteiligen und mittelfristig angelegten Bearbeitung größerer Forschungsarbeiten zum Gegenstand haben.
Die MedUni Wien leitet derzeit zwei Nationale Forschungsnetzwerke:
„Angiogenese bei Krankheiten“: Das Paradebeispiel von pathologischer Angiogenese ist die starke Durchblutung (Vaskularisierung) von nahezu allen malignen, vor allem der zur Metastasenbildung neigenden Tumorarten, welche eine der Voraussetzungen für die Entstehung von Krebserkrankungen darstellt. Eine Hemmung der Tumor - Angiogenese sollte daher in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der Krebstherapie werden. Die primären Zielsetzungen sind die Hemmung des Tumorwachstums und der Metastatisierung sowie die Stimulierung der Neovaskularisierung und die Heilung betroffenen Gewebes nach Herzinfarkt.
„Limbic system circuitries underlying fear and anxiety”: Furcht und Angst sind emotionale Prozesse, die für das natürliche Abwehrverhalten eines Individuums von Bedeutung sind. Sind sie übersteigert, so kann dies für das Individuum schädlich, ja sogar lebensbedrohlich sein. In jüngerer Zeit wurden intensive wissenschaftliche Anstrengungen unternommen, Mechanismen, die diesen Prozessen zugrunde liegen zu erforschen. Kurzfristig zielt das NFN, an dem Prof. Werner Sieghart vom Zentrum für Hirnforschung massgeblich beteiligt ist, auf ein verbessertes Verständnis amygdalo-hippocampaler Schaltkreise und der genannten Rezeptoren bei Generierung und Löschung von Furcht und Angst ab. Als langfristiges Ziel wollen wir neue medikamentöse Ansätze zur Therapie pathologischer Angsterkrankungen entwickeln.