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In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sind die werdenden Babys wehrlos gegen Bakterien und andere Krankheitserreger. Eine Infektion führt dann meistens zu einer Fehlgeburt, warnt Dr. Antje Haas vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Danach bieten Antikörper der Mutter, die über die Plazenta zum Kind gelangen, einen gewissen Schutz, der aber nicht immer ausreicht. Etwa die Hälfte aller Frühgeburten wird durch Infektionen ausgelöst, sagt die Expertin. Häufig seien es Harnwegsinfekte, die sich über die Scheide in Richtung Gebärmutter ausbreiten. Ein vorzeitiger Blasensprung sei in bis zu 80 Prozent der Fälle Folge einer solchen aufsteigenden (Fachjargon: aszendierenden) Infektion. Auch Chlamydieninfektionen, die häufig keine Beschwerden machen, müssen behandelt werden. Seit 1995 werden alle Schwangeren daraufhin untersucht. In einigen Ländern werden auch Tests auf Streptokokken durchgeführt. Diese Bakterien können nach der Geburt schwere Schäden bis hin zur Erblindung auslösen. Eine rechtzeitige Antibiotika-Therapie kann eine Fehl- oder Frühgeburt verhindern. Viele Schwangere möchten jedoch keine Medikamente einnehmen. Die Sorge ist nicht ganz unberechtigt, findet Professor Jörg Baltzer, ehemaliger Chefarzt am Perinatalzentrum in Krefeld. Kein Antibiotikum könne als vollkommen unbedenklich eingestuft werden. Einige müssten sogar auf jeden Fall vermieden werden, weil sie Fehlbildungen verursachen. Dies trifft etwa auf Chinolone zu, die im Tierversuch Knorpelveränderungen auslösen. Auch Tetrazykline sind verboten, weil sie in der Spätschwangerschaft Knochen und Zähne des Kindes schädigen. Die meisten Penicilline sind jedoch unbedenklich, schreibt Dr. Haas, der zuversichtlich ist. Für die meisten Infektionen finde der Arzt ein geeignetes Mittel.
A. Haas, G. Maschmeyer:
Antibiotikatherapie in der Schwangerschaft.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (11): S. 511-515
J. Baltzer:Antibiotikatherapie aus geburtshilflicher Sicht.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (11): S. 516