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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



21.08.2008 14:12 Alter: 93 Tage

Quecksilbervergiftung von Kindern durch Schönheitscreme der Mutter

Von: Gesundheitsnews

fzm - Vorsicht: Im Ausland erworbene Bleichcremes können größere Mengen Quecksilber enthalten. Sie führen nicht nur bei den Anwenderinnen zu chronischen Vergiftungen, die wegen unklarer Beschwerden lange übersehen werden. Auch Familienangehörige sind gefährdet, warnen Experten in der Fachzeitschrift "Aktuelle Dermatologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008).

Die Vergiftungsfälle waren anlässlich einer schulmedizinischen Untersuchung in Mannheim entdeckt worden. Kinder aus zwei Familien hatten erhöhte Quecksilberkonzentrationen im Harn. Daraufhin wurden alle Familienmitglieder untersucht, mit dem Ergebnis, dass bei den Müttern und älteren Töchtern bedenkliche Konzentrationen des Schwermetalls in Urin und Blut nachgewiesen wurden, berichten Professor Christiane Bayerl von der Wilhelm-Fresenius-Klinik in Wiesbaden und der Dermatologe Björn Held.

Mütter und Töchter hatten täglich eine Bleichcreme angewendet, die sie in ihrem Heimatland, dem Kosovo, auf einem ländlichen Markt von Händlern erworben hatten, welche die Creme selbst herstellen. Die Analyse ergab, dass die Bleichcreme zu zwölf Prozent aus elementarem Quecksilber bestand. Nach Auskunft von Professor Bayerl gefährden die Cremes die Gesundheit, weil das Quecksilber durch die Haut vom Körper aufgenommen und vor allem in Leber, Nieren und dem Gehirn eingelagert wird. Es kommt dann zu einer schleichenden Vergiftung, welche Ärzte als Mikromerkuralismus bezeichnen. Die Symptome sind unspezifisch und werden deshalb nicht mit der Anwendung der Hautcreme in Verbindung gebracht.

In einer der beiden Familien litt die Tochter an chronischen Kopfschmerzen. Bei ihrer Mutter war es zu Gewichtsverlust und zu Bluthochdruck gekommen. Der Bruder klagte über Konzentrationsstörungen, unwillkürliche Muskelbewegungen am Hals und litt wiederholt unter Bauchschmerzen. In der anderen Familie waren noch keine Vergiftungserscheinungen aufgetreten.

Die Vergiftung der Söhne, die die Creme nicht angewendet hatten, erklären die beiden Dermatologen mit einer Aufnahme des Quecksilbers über die Luft oder mit der Nahrung. Quecksilber verdampft bei Zimmertemperatur und könnte deshalb von den Kindern eingeatmet worden sein. Eine Aufnahme mit der Nahrung sei ebenfalls denkbar, weil die Mütter die Creme im Kühlschrank aufbewahrten. Es könne auch beim Zubereiten der Mahlzeiten über die Hände in die Speisen gelangt sein, vermutet Professor Bayerl.

Die erkrankten Familienmitglieder wurden mit einem Komplexbilder behandelt, mit dem das Quecksilber aus dem Körper entfernt werden kann. Nach einwöchiger Therapie seien die Quecksilber-Konzentrationen im Blut deutlich gesunken und einige der Symptome hätten sich gebessert, berichtet die Expertin.

Quecksilberhaltige Schönheitscremes sind keine Besonderheit des Kosovos. Vergiftungserscheinungen durch Bleich- oder Schönheitscremes werden nach Auskunft von Bayerl und Held immer wieder aus asiatischen Ländern gemeldet. Aber auch in Mexiko und den Südstaaten der USA seien derartige Cremes aufgetaucht.

B. Held, C. Bayerl: Chronische Quecksilberintoxikation bei Kindern aus zwei Familien durch kosmetische Anwendung einer Bleichcreme seitens der Mutter. Aktuelle Dermatologie 2008; 34 (7): S. 274-278