MedNews

Zur Zeit sind 8 Gäste
und 0 Mitglieder online.

max: 140 Besucher

Du bist ein anonymer Benutzer.

Hinweis:

Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



20.02.2007 01:03 Alter: 1 Jahre

Nikotin-Ersatztherapien oft schädlich statt Nutzbringend

 

Nikotinersatztherapien haben seit 20 Jahren für die Raucherentwöhnung an Bedeutung gewonnen. Eine neue in den USA publizierte Studie, an der ForscherInnen der MedUni Wien federführend mitgearbeitet haben, zeigt, dass Ersatztherapien nicht nur oft wirkungslos bleiben.

Die seit etwa 20 Jahren zur Raucherentwohnung verwendete Nikotinersatztherapie, 'Nicotine Replacement Therapy' (NRT), wurde in letzter Zeit mit zusätzlichen  Nikotinpräparaten und neuen Indikationen erweitert, obwohl Langzeitstudien keine überzeugenden oder messbaren Erfolge gezeigt haben. Die Folge sind Mehrfachabhängigkeiten und die Prolongierung der Nikotinsucht. Dennoch gelten Ersatztherapien weithin als unersetzliche Hilfe beim Ausstieg aus der Sucht – eine Ansicht, die in einer im März erscheinenden Studie einer internationalen Gruppe anerkannter Toxikologen nun widerlegt wurde.  

Vor allem die Anwendung bei Schwangeren und Jugendlichen im Teenager-Alter, wie sie im Vorjahr in Großbritannien von den British Health Services offiziell empfohlen wurde, wird von den Forschern kritisiert – denn die toxische Wirkung von Nikotin wird dabei oft unter den Tisch gekehrt.  „Vor allem für Schwangere und junge Menschen, deren Organismus sich noch in Entwicklung befindet, bedeutet Nikotin auch in der Form von Ersatzprodukten eine Gefahr“, so der Internist und Umwelthygieniker Univ. Prof. Dr. Manfred Neuberger von der Medizinischen Universität Wien, der gemeinsam mit Univ. Prof. Dr. Rolf Schulte-Hermann vom Institut für Krebsforschung an der Universitätsklinik für Innere Medizin I an der Studie mitgearbeitet hat.  “Nikotin besetzt Rezeptoren im Nervensystem und führt zu einer Vermehrung dieser Rezeptoren im Gehirn und anderen Organen. Bei Schwangeren kann sich sowohl das Nikotin aus der Zigarette wie das aus Ersatzprodukten schädlich auf die Entwicklung des Fötus auswirken und die Reifung von Lunge und Gehirn stören.“  Der perinatale Einfluss von Nikotin erstreckt sich auf das 'Sudden Infant Death Syndrome' (SIDS), auf die 'Attention Deficit Hyperactivity Disorder' (ADHD), auf Probleme in Gemütszustanden, Benehmen, Denken und Lernen der Kinder. Spater wurden bei Jugendlichen Depressionen und frühzeitige Nikotinsucht beobachtet.

Unbedenklich sind Nikotinersatzprodukte aber auch nicht für gesunde, nicht schwangere Erwachsene: Es setzt die Erweiterbarkeit der Arterien herab, fördert Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Niere und der Netzhaut des Auges sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.
Nikotin fördert auch verschiedene Krebserkrankungen. Während es früher nicht als krebsauslösend galt, wurde inzwischen gezeigt, dass es die Vermehrung von Tumorzellen verstärken, ihr Absterben dagegen hemmen kann. „Außerdem kann es die Neubildung von Gefäßen anregen, die den Tumor mit Blut versorgen. Alle drei Vorgänge beschleunigen das Tumor-Wachstum und können damit die Krebsentstehung fördern. Eine längerfristige Zufuhr von Nikotin könnte daher den Rückgang des Krebsrisikos verhindern, der sonst bei erfolgreicher Entwöhnung eintritt“, so Prof. Schulte-Hermann.
Manfred Neuberger: „Wir sind uns alle einig, dass die Tabakepidemie gestoppt werden muss. Aber Rauchen kann nicht beseitigt werden, wenn nicht gleichzeitig die Nikotinsucht überwunden wird. Wenn aber Nikotinprodukte weiterhin allgemein zugänglich bleiben und sogar Ungeborenen, Kindern und Jugendlichen aufgedrängt werden, wird die Nikotinsucht mit ihren tragischen Folgen für die Menschheit auf unbestimmte Zeit in die Zukunft fortdauern“.

Quelle: MUW

Linkempfehlungen:

Nichtraucherforum