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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



04.07.2009 16:50 Alter: 252 Tage

Neuer Biomarker für Rheuma entdeckt

Von: Medizinnews

Berlin – Forscher des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin (DRFZ) haben mit dem Gen „Twist1“ das erste Kennzeichen für bestimmte Rheuma verursachende Zellen gefunden. Anhand dieses Biomarkers lassen sich krankmachende von schützenden Zellen des Abwehrsystems unterscheiden. Dies wiederum bildet neue Grundlagen für Therapien, die an den Ursachen von Rheuma ansetzen. Die Stiftung Wolfgang Schulze zeichnet die DRFZ-Forscher Dipl. biol. Inka Albrecht und Dr. rer. nat. Uwe Niesner jetzt für ihre Studien aus: Den Förderpreis verlieh die Deutsche Rheuma Liga e.V. am 27. Juni 2009 in Berlin.

Menschen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen leiden dauerhaft unter starken Schmerzen, die nicht selten ihr Leben erheblich beeinträchtigen. Ursache ist eine fehlgeleitete körpereigene Abwehr: Anstatt dem Körper Schutz vor Viren oder Bakterien zu bieten, greift sie ihn an. Bei Rheumatoider Arthritis zum Beispiel ruft das Immunsystem im Knorpel Entzündungen hervor. Dies reicht bis hin zum völligen Zerfall der Gelenke. Auslöser sind bestimmte weiße Blutkörperchen, unter anderem die T-Helfer-Zellen (Th-Zellen). Zwar üben die meisten Th-Zellen auch bei Betroffenen weiterhin ihre schützende Funktion aus, so die Preisträger. Einige jedoch verhalten sich wiederholt ‚autoreaktiv’: Sie greifen immer wieder das gesunde Gewebe an.

Wie sich diese Th-Zellen von gesunden unterscheiden, fanden die Preisträger mithilfe einer Analyse der Erbsubstanz heraus: „Twist1“ ist eines der Gene, das ausschließlich in den entzündungsfördernden Zellen aktiv ist. „Mit Twist1 haben wir den ersten Biomarker in Th-Zellen entdeckt, die im Gewebe von Menschen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen vorkommen“, erläutern Albrecht und Niesner. Darüber hinaus reguliere das Gen die Aktivität der Th-Zellen: Das Ausschalten von Twist1 verstärkt im Tierversuch die Entzündung.

Ihre Ergebnisse erzielten beide Preisträger in der DRFZ-Arbeitsgruppe Zellbiologie unter Leitung von Professor Dr. rer. nat Andreas Radbruch, Direktor des DRFZ. Die Studien führten sie durch in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den Charité-Arbeitsgruppen von Professor Dr. med. Gerd Rüdiger Burmester, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Campus Mitte und Professor Dr. med. Joachim Sieper, Medizinische Klinik I, Rheumatologie, Campus Benjamin Franklin.

Biomarker tragen entscheidend dazu bei, Krankheiten früh zu erkennen und ihren Verlauf einzuschätzen. Forscher erhoffen sich davon aber auch neue Therapien: „Denn mit heutigen Medikamenten bekämpfen wir ausschließlich die Symptome von Rheuma“, sagt Professor Radbruch. Sobald Patienten diese absetzen, schreitet auch die Zerstörung der Gelenke fort. Eine Immuntherapie schwächt zudem die gesamte körpereigene Abwehr. Langfristiges Ziel sei daher die Heilung von Rheuma. Twist1 liefert hierfür einen geeigneten Angriffspunkt: Zukünftig ließen sich schädigende Th-Zellen identifizieren und ausschalten – während die gesunden Th-Zellen weiterhin den Schutz des Körpers aufrechterhalten.

Die Stiftung Wolfgang Schulze würdigt den herausragenden Erkenntnisgewinn des DRFZ-Projektes für die Behandlung von Rheuma. Für den Preis bewerben sich Forscher aus dem In- und Ausland mit ihren Erstveröffentlichungen. Die von der Rheuma-Liga e.V. verwaltete Stiftung hat seit dem Jahr 2002 das Ziel, Forschung auf dem Gebiet der entzündlichen und autoimmunen rheumatischen Erkrankungen zu unterstützen.

Quelle: Niesner, U., Albrecht, I.  et al., Autoregulation of Th1-mediated inflammation by twist1, jem 2008,Aug,04;205(8):1889-1901 (PMCID: 2525589, DOI: 10.1084/jem.20072468)

Finanzierung: Diese Arbeit wurde finanziert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit den Sonderforschungsbereichen 421, 633 und 650, durch das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm (Projekt  MUGEN, LSHG-CT-2005-005203) sowie durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Projekte 1KW9913, 031068 und des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN1-2 Projekte 01GS0110, 01GS0160, 01GS0413)