Projektzeitraum: Herbst 2006 – Frühling 2010
Setting: 10 Salzburger Gemeinden (Altenmarkt, Bischofshofen, Bramberg, Hallwang, Kuchl, Mauterndorf, Maria Alm, Mariapfarr, St. Georgen bei Oberndorf, Wals-Siezenheim); ein Salzburger Stadtteil (Parsch); ein Betrieb (dm drogerie markt)
Projektpartner und Sponsoren:
Land Salzburg, Fond Gesundes Österreich, AVOS - Arbeitskreis Vorsorgemedizin Salzburg, Salzburger Gemeinden, SALK, Ärztekammer, SGKK, Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Universität Salzburg, dm drogerie markt, Atomic, Johnson & Johnson, Wiberg.
Projektteam:
Univ.-Doz. Dr. Bernhard Paulweber - SALK (medizin-fachliche Projektleitung)
Monika Aistleitner ASM - AVOS (Projektleitung: Gesundheitsförderung)
HR Dr. Christoph König - Landessanitätsdirektion (Auftraggeber)
Dr. Gottfried Stienen - Paracelsus Medizinische Privatuniversität
Dr. Helmut Lang - Ärztekammer Salzburg
Dr. Susanne Ring-Dimitriou - Universität Salzburg, Sportwissenschaften
Projektziel:
Übergeordnetes Ziel ist es, Männer und Frauen zu bestärken und zu motivieren ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit, insbesondere hinsichtlich der kardio-vaskulären Risiken, zu erlangen. Die zur Zielerreichung zu bearbeitenden Themen sind: Ernährung, Bewegung, Entspannung, Nichtrauchen, normaler Bauchumfang.
Darüber hinaus wurden von FachexpertInnengruppen für alle fünf Themenbereiche Ziele - sowohl auf der Individualebene, als auch auf der Strukturebene - festgelegt. Detaillierte Informationen zum Projektziel im beigefügten Statement von Univ.-Doz. Dr. Paulweber (medizinisch-fachliche Projektleitung).
Aus den Budgetmitteln des Projektes wird Mag. Paul Wögerer als hauptberuflich beschäftigter „Impulsgeber" während des interventionellen Zeitraumes in den Gemeinden intensiv arbeiten. Seine Hauptaufgabe ist die Teilnehmenden permanent zu motivieren und zu begleiten, und zudem das allgemeine Interesse auf Lebensstiländerung zu erhöhen. Darüber hinaus steht den Gemeinden beim Aufbau von gesundheitsfördernden Strukturen Mag. (FH) Barbara Wick zur Verfügung.
Bislang fixierte Termine für die Startevents in den Gemeinden:
27.1. Hallwang
9.3. Bischofshofen
10.3. Bramberg
28.4. Kuchl
5.5. St. Georgen
11.5. Mauterndorf
12.5. Maria Alm
1.6. Mariapfarr
Weitere aktuelle Informationen können Sie der Homepage www.gesundes-salzburg.at entnehmen.
Die Verhältnisse und das Verhalten beeinflussen
Monika Aistleitner, ASM, Co-Projektleiterin, stv. Geschäftsführerin AVOS, Arbeitskreis Vorsorgemedizin
Projekte zur Förderung der Gesundheit gibt es zuhauf. Vielleicht werden Sie sagen, „das kennen wir schon, das ist doch nichts Neues. Seit Jahren wird gepredigt, die Menschen sollen mehr Bewegung machen, sich ausgewogener ernähren oder nicht rauchen. Wo liegt da der Unterschied?" „Gesundes Salzburg 2010"unterscheidet sich jedoch ganz wesentlich. Im Bundesland Salzburg und darüber hinaus in ganz Österreich, gab es – unseres Wissens nach – noch kein einziges Projekt, das sich über einen derart langen Zeitraum, in dieser Intensität den beiden Ansatzpunkten Verhältnisse und Verhalten der Einzelnen in deren Umfeld gewidmet hat. Was heißt das? „Gesundes Salzburg 2010" zielt gleichwertig auf die Verhältnisse und auf das Verhalten ab. Verhältnisse (Umgebung, Bedingungen, Infrastruktur) und Verhalten (Ernährung, Bewegung, etc.) der Menschen beeinflussen einander ständig, deshalb ist „Gesundes Salzburg 2010" sowohl ein Präventions- als auch ein Gesundheitsförderungs-Projekt. Es basiert im Wesentlichen auf den fünf Säulen Ernährung, Bewegung, Entspannung, Nichtrauchen und normaler Bauchumfang.
Ein Beispiel dazu: „Frau Huber" arbeitet halbtags, betreut nachmittags ihre zwei Kinder im Alter von vier und acht Jahren, versorgt den Haushalt und kümmert sich darüber hinaus immer wieder um den über 80jährigen Nachbarn. Ein Hobby hat sie auch: Gedichte schreiben. Jetzt weiß „Frau Huber", dass sie - um auch weiterhin gesund zu bleiben – sich zwei bis drei Mal wöchentlich sportlich betätigen soll. Ihr dichter Zeitplan lässt das aber nur in den frühen Morgenstunden oder am Abend zu, wenn ihr Mann sich um die Kinder kümmern kann (was dieser auch gerne tut). Wenn wir die jetzige Jahreszeit als Beispiel hernehmen, es ist bis ca. 7.15 h dunkel und wird es wieder ab etwa 17.00 h. „Frau Huber" hat aber – wie viele andere Frauen auch – Angst, allein im Finsteren laufen oder walken zu gehen.
Hier setzt nun die Verhältnisprävention an. Um „Frau Huber" die Chance zu geben, dass sie regelmäßig zu ihrer Bewegung kommt, muss das erst irgendjemand wissen. „Gesundes Salzburg 2010" erhebt die Bedürfnisse in der Bevölkerung und versucht gemeinsam mit den BewohnerInnen Ideen umzusetzen. In unserem Beispiel könnte das etwa eine beleuchtete, geräumte bzw. gestreute Bewegungsstrecke sein, die für viele GemeindebürgerInnen leicht erreichbar ist. Es gibt für alle fünf Bereiche des Lebensstils Möglichkeiten, auf Gemeindeebene die einzelnen BürgerInnen zu unterstützen und diese Ressource soll genützt werden.
Es ist also eine Investition in die Infrastruktur, die über den Projektzeitraum hinaus Bestand hat.
Als Co-Projektleiterin darf ich gleich noch die gute Gelegenheit nutzen, mich bei allen Geldgebern zu bedanken. Vor allem bei unseren Sponsoren, den Firmen Atomic, dm – Drogeriemarkt, Johnson & Johnson sowie Wiberg, ohne deren großzügiger Unterstützung wäre die Umsetzung und Durchführung dieses Projekts nicht möglich geworden.
Ein Projekt für das „herz-gesündeste" Bundesland
Univ.Doz. Dr. Bernhard Paulweber, Projektleiter
Kardiovaskuläre Erkrankungen (Herzinfarkt und Schlaganfall) stellen nach wie vor weltweit und auch in Österreich die Todesursache Nummer 1 dar. Etwa die Hälfte aller Menschen verstirbt an den Folgen dieser Erkrankungen und eine große Zahl von Menschen verliert dadurch frühzeitig einen wesentlichen Teil ihrer Lebensqualität, weil sie vorzeitig invalide oder pflegebedürftig werden. Mehr als 10% des Gesundheitsbudgets muss in den EU-Ländern für die Behandlung dieser Erkrankungen aufgewendet werden.
Die Herzinfarkt-Mortalität in Österreich liegt deutlich über dem EU-Schnitt. In den Jahren 95-98 lag sie in Österreich bei 126,6 pro 100.000 EW, in der EU aber nur bei 99,6 pro 100.000 EW. Dies hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert. Am niedrigsten liegt die Rate in Frankreich (49,1 pro 100.000 EW) und in den mediterranen Ländern (Spanien: 65,5, Portugal: 65,1, Italien: 74 pro 100.000 EW).
Die Herzinfarktsterblichkeit in Salzburg liegt bei 330 pro 100.000 EW
Die Risikofaktoren (RF) für kardiovaskuläre Erkrankungen sind gut etabliert. Nicht modifizierbare RF sind: Alter, männliches Geschlecht, familiäre Belastung. Modifizierbare RF sind: Rauchen, Bluthochdruck, erhöhtes LDL-Cholesterins, erniedrigtes HDL-Cholesterin, erhöhter Blutdruck, bauchbetontes Übergewicht, Diabetes, körperliche Inaktivität, proatherogene Ernährung und psychosozialer Stress.
Soziale Faktoren haben einen starken Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko. Bei Männern, die nur eine Volks- oder Hauptschulbildung aufweisen, besteht ein 1,5x höheres Risiko als bei Personen mit Matura. Bei den Frauen ist das Risiko der weniger gebildeten sogar etwa doppelt so hoch. In zahlreichen Studien konnte klar belegt werden, dass die modifizierbaren Risikofaktoren etwa 90% aller kardiovaskulären Erkrankungen verursachen. Allein durch Nicht-Rauchen, regelmäßige körperliche Aktivität (mind. 150 min Ausdauertraining pro Woche) und gesunde Ernährung könnten etwa 80% aller kardiovaskulären Erkrankungen verhindert werden.
Eines der zehn Gesundheitsziele Salzburgs ist die Senkung kardiovaskulärer Erkrankungen in unserem Bundesland. Deshalb wurde des Projekt Gesundes Salzburg 2010 ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, die modifizierbaren Risikofaktoren durch Lebensstiländerung um mindestens 20% senken und damit langfristig auch die Häufigkeit kardiovaskulärer Erkrankungen. Wir möchten mit dem Projekt Salzburg zum herz-gesündesten Bundesland Österreichs machen.
Anregungen und Informationen holte ich mir 2005 im National Public Health Institute in Helsinki. Aufbauend auf den finnischen Erfahrungen haben wir „Gesundes Salzburg 2010" konzipiert.
Die Ziele des Projektes sind
- Mindestens 80% der Personen aus der Zielgruppe kennen das Projekt und seine Ziele
- Mindestens 10% der Personen aus der Zielgruppe nehmen aktiv am Projekt teil (Vorreiter)
- Die Häufigkeit ungünstiger Lebensstilfaktoren in der Zielgruppe wird um mind. 20% gesenkt
Die Häufigkeit kardiovaskulärer Risikofaktoren in der Zielgruppe sinkt dadurch um mindestens 20% (nötigenfalls mit medikamentöser Unterstützung)
- Übergewicht und Adipositas (besonders im Bauchbereicht)
- Insulinresistenz/medabolisches Syndrom
- Bluthochdruck
- Fettstoffwechselstörungen
- Prädiabetes/eingeschränkte Glucosetoleranz
Dies führt langfristig zu einer Senkung der Häufigkeit von kardiovaskulären Erkrankungen um mind. 20%
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit
- Typ 2 Diabetes
Das Projekt-Team hat für die Zielgruppe (Bevölkerung im Alter zwischen 16 und 65 Jahren) fünf Lebensstilziele definiert. Durch die zeitweise Verwendung eines Lebensstilpasses soll das Erreichen der Ziele unterstützt werden.
Lebensstil-Ziele
Änderung des Gesundheitsverhaltens beim Einzelnen
- Regelmäßige Bewegung
- Gesunde Ernährung (5 x täglich Obst od. Gemüse, mind. 1 x täglich Vollkornprodukte, regelmäßig Hülsenfrüchte und Fisch, gute Fette (Nüsse, Oliven-, Raps- od. Leinöl) bevorzugen, gesättigte Fette reduzieren, Fast-Food, trans-Fette und gezuckerte Getränke meiden)
- NichtraucherIn bleiben, NichtraucherIn werden
- Regelmäßige Entspannung (mind. 15 min täglich)
- Normalisierung des Bauchumfanges
Durch diese Maßnahmen können nicht nur kardiovaskuläre Erkrankungen, sondern auch der Typ 2 Diabetes und verschiedenen Krebserkrankungen (bes. Brust, Dickdarm, Prostata und Lunge) gesenkt werden.
Das Projekt soll in enger Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und mit den Gemeinde-ÄrztInnen durchgeführt und möglichst viele GemeindebürgerInnen dazu motiviert werden, regelmäßig an einer Vorsorgeuntersuchung teilzunehmen. Wir wollen damit die Zahl der Vorsorgeuntersuchungen zumindest auf das Niveau von Vorarlberg anheben. Wenn die Risikofaktoren durch Lebensstilmaßnahmen alleine nicht normalisiert werden können, kann nötigenfalls der betreuende Arzt auch ein entsprechendes Medikament verordnen (besonders zur Senkung von Blutdruck, Blutfetten und Blutzucker).
Am Beginn und am Ende des Projektes wird eine Stichprobe der Zielgruppe bezüglich der wichtigen kardiovaskulären Risikofaktoren untersucht. In fünf Gemeinden ist diese Anfangsuntersuchung bereits abgeschlossen. Dazu wurden je 200 Personen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und zur Untersuchung eingeladen, die an zwei Wochenenden stattfand.
Etwa 35% dieser Personen folgten der Einladung, die folgende Ergebnisse aufzeigte: Nur etwa 10% bis 15% der untersuchten Personen essen vier oder mehr Portionen Obst oder Gemüse täglich. Nur etwa ¼ der untersuchten Personen gaben an, regelmäßig körperlich aktiv zu sein. Rund ¼ der untersuchten Personen waren RaucherInnen. Einen zu großen Bauchumfang hatten etwa 50% der Männer und 60% der Frauen. Über der von der WHO definierten Alarmgrenze des Bauchumfanges lagen etwa 20% der Männer und sogar 35% der Frauen. Etwa 10% der Personen wiesen einen erhöhten Nüchtern-Blutzucker auf, bei etwa der Hälfte lag ein erhöhter Blutdruck vor.
Wir sehen also, dass wir noch ein gutes Stück des Weges vor uns haben, um Salzburg zum herz-gesündesten Bundesland zu machen. Wir sind aber zuversichtlich, die gesteckten Ziele zu erreichen. Es kann gelingen, wenn es eine breite Unterstützung der Politik, der Medien, von Handel und Industrie, der Ärzteschaft und der Salzburger Bevölkerung findet.
Quelle: Salzburg.at, PMU