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22.08.2008 01:13 Alter: 92 Tage

Untergewicht bei Kindern

Kategorie: Untergewicht, Kinderkrankheiten

Von: Dr. Peter Voitl, kinderarzt.at

Viele Eltern machen sich Sorgen, weil ihr Kind vermeintlich nicht genug isst und ihnen zu dünn erscheint. Diese Sorge kann berechtigt sein, denn laut Ernährungsbericht 2000 sind 8% aller Kinder zwischen 6 und 17 Jahren untergewichtig.

 

Das heißt, sie liegen mehr als 15% unter ihrem (alters- und größenabhängigen) Referenzgewicht. Allerdings ist die elterliche Sorge auch oft unbegründet, denn im Laufe der Entwicklung können derartige Entwicklungsphasen durchaus normal sein.

Kinder essen nicht immer gleich viel

Kinder, auch gleichen Alters, essen nicht immer gleich viel. Außerdem wechselt die individuelle Menge oft von Tag zu Tag.

Dennoch haben viele Kinder, bezogen auf Alter und vor allem ihre Körpergröße, ein falsches Körpergewicht. Die Bewertung, ob ein Kind über- oder untergewichtig ist, darf jedoch nicht als Momentaufnahme erfolgen, da Kinder im Laufe ihrer Entwicklung verschiedene Phasen durchlaufen. Die Proportionen des Körpers verändern sich deutlich vom Baby bis zum Jugendlichen. Einmal dominiert das Längenwachstum, einmal das Breitenwachstum, und dann wieder steht die geistige Entwicklung im Vordergrund. Es ist deshalb wichtig, das Kind immer im Zusammenhang mit seiner Entwicklung über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Die erste Wachstumsphase besteht von der Geburt bis zum Ende des 2. Lebensjahres, der die erste Streckung etwa zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr folgt. Hier ist das Längenwachstum stärker als die Gewichtszunahme; das Erscheinungsbild der Kinder wirkt dünner und schlanker (Babyspeck verschwindet). Auch etwa um das 10. Lebensjahr herum wird ein Wachstumsschub verzeichnet, bei dem die Gewichtszunahme geringer als das Größenwachstum ist.

Körpergewicht und Entwicklung

Wenn ein Kind über längere Zeit dünner als seine Altersgenossen ist, muss eine  Abklärung möglicher Ursachen erfolgen. Daran angepasst kann man dann versuchen, über eine Umstellung des Ernährungs- und Bewegungsverhalten das Gewicht zu normalisieren.

Ein Normalgewicht lässt sich bei Kindern wegen der unterschiedlichen Wachstumsphasen nicht so leicht definieren wie beim Erwachsenen.  Neben komplizierten Formeln geben unter anderem so genannte Wachstums- und Gewichtskurven (Somatogramme) Auskunft über den Entwicklungszustand des Kindes, die von Geburt an über die folgenden Entwicklungsjahre seitens des Kinderarztes geführt werden sollten. Weichen die individuellen Werte eines Kindes über längere Zeit deutlich nach oben oder unten von diesem Schema ab, liegt ein behandlungsbedürftiges Untergewicht vor.

Untergewicht

Mäßiges Untergewicht birgt keine besonderen gesundheitlichen Risiken, wenn es kurzzeitig nach Wachstumsschüben auftritt und das Kind dabei vital wirkt.

Ein mögliches schweres Problem stellt die krankhafte Magersucht (Anorexia nervosa), überwiegend bei jungen Mädchen oder Frauen, dar. Essensverweigerung - manchmal auch gekoppelt mit Fressanfällen und anschließendem Erbrechen (Bulimia nervosa)- wird zur Erhaltung eines schlanken oder superschlanken Erscheinungsbildes systematisch betrieben. Starke Gewichtsabnahmen bzw. deutliches Untergewicht in dieser Gruppe sollten daher ein Warnzeichen sein, dass eine frühzeitige Beratung durch den Arzt in jedem Fall nötig macht.

Was kann man tun?

Über eine absolute Erhöhung der Nahrungsmenge allein ist meist wenig zu erreichen, weil die Kinder einfach nicht "mehr" essen wollen oder können. Große Portionen schrecken sie ab. Bewegung und Spiel in der Gruppe fördern hingegen den Appetit, der mittels vieler kleiner Snacks energiereich gestillt werden kann.

  • kalorienreiches Obst wie Banane, Weintrauben, Kirschen statt Beeren oder Melone
  • Rahmjoghurt statt Magerjoghurt
  • Anreicherung der Speisen mit Pflanzenölen/ Rahm (Soßen, Suppen)
  • Käse zum Überbacken
  • Milcheis statt Fruchteis
  • Getränke kalorienreich (Kakao, Fruchtsäfte pur) gestalten
  • Nussnougat-Creme, Erdnusscreme als Brotaufstrich
  • zum Naschen: Müsliriegel, Fruchtschnitten
  • viele kleine Mahlzeiten statt weniger großer
  • Abwechslungsreichtum steigert Appetit
  • Dekorationen nicht vergessen: das Auge isst mit!

Manche Kinder können ihre Eltern durch ihr ständiges "das mag ich aber nicht" zur Verzweiflung treiben. Alle Versuche, eine gesunde Ernährung auf den Tisch zu bringen, scheitern bei diesen kleinen Verweigerern. Zwingen Sie die Kinder nicht zum Essen!

Man sollte vermeiden, dass die Essenssituation zu einem Machtkampf wird. Je mehr Sie Ihrem Kind mit Essen nachlaufen umso mehr wird es verweigern.

Überprüfen Sie, ob es außer dem Essen noch andere gemeinsame Themen gibt oder sich vielleicht zuviel ums Essen dreht; oft konzentriert sich die ganze Aufmerksamkeit der Familie nur noch auf dieses Thema.

(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at