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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



27.03.2008 21:27 Alter: 154 Tage

Schwangerschaft: Wenn Blutarmut und Plättchenmangel zur Gefahr werden

Von: Gesundheitsnews

Während einer Schwangerschaft kommt es häufig zu einem Abfall der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen. Leben und Gesundheit von Mutter und Kind sind selten gefährdet, in manchen Fällen ist jedoch rasches Handeln erforderlich. Wann, das erläutern Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008).

In der Schwangerschaft nimmt die Blutflüssigkeit (Plasma) um 50 Prozent zu, die Zahl der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) steigt jedoch nur um 30 Prozent, erläutert Professor Roland Fuchs vom St. Antonius Hospital in Eschweiler. Unter dem Strich ergibt sich eine Blutarmut oder Anämie, die völlig normal sei. Häufig werde sie dadurch verstärkt, dass der Eisenbedarf in der Schwangerschaft erhöht ist. Ohne Eisen bildet der Körper keine Erythrozyten. Auch in diesem Fall bleiben die Mediziner zurückhaltend. Eine Empfehlung zur vorbeugenden Einnahme von Eisentabletten gibt es nicht, sagt Professor Fuchs. Er empfiehlt sie erst, wenn die Eisenspeicher spürbar zurückgegangen sind, was sich in der Blutuntersuchung an einem Abfall von Ferritin, dem wichtigsten Speichereiweiß, bemerkbar macht. Etwa drei von zehn Schwangeren vertragen die Eisentabletten nicht, warnt Professor Christian Breymann vom Universitätsspital Zürich. Dann könne auch schon einmal eine Eisengabe per Injektion notwendig werden. Die Wirkung macht sich schon nach wenigen Tagen bemerkbar. Eine akute Gefahr für Leben und Gesundheit von Mutter und Kind bestehe deshalb nicht. Auch ein Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten) ist nur selten bedrohlich. Jeder Liter Blut enthält die unglaubliche Menge von 150 bis 400 Milliarden dieser kleinsten Blutzellen. Im Fall einer Verletzung verschließen sie die Wunde und verhindern so einen größeren Blutverlust. In der Schwangerschaft kommt es fast immer zu einem leichten Rückgang der Thrombozyten um 10 Prozent, sagt Prof. Fuchs. Sorgenfalten bereiten den Ärzten aber erst Werte von unter 50G/l, oder wenn es zu einer Blutung gekommen ist. Dennoch ist es wichtig, die Thrombozytenzahl regelmäßig zu kontrollieren, findet sein Kollege Professor Breymann. Ein rascher Plättchenabfall, Ärzte sprechen von einer Thrombozytopenie, kann nämlich das erste Zeichen eines HELLP-Syndroms sein. Es tritt im Rahmen des Schwangerschaftshochdrucks (Präeklampsie) auf und ist eine der wenigen Schwangerschaftskomplikationen, die für die Mutter tödlich enden können. Diese Fälle sind jedoch sehr selten, so die beiden Experten.

R. Fuchs:
Anämie und Thrombozytopenie in der Schwangerschaft.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (11): S. 528-533

C. Breymann:Anämie und Thrombozytopenie: Risiken frühzeitig erkennen.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (11): S. 534