MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus und bezeichnet eine Variante von Bakterien, die normalerweise auf der Haut, aber auch in der Nase vorkommen. Während viele Staphylokokken-Arten gut mit Penicillinen behandelt werden können, sind MRSA unempfindlich gegen die meisten Antibiotika. Besonders gefürchtet sind Infektionen mit MRSA-Bakterien, die das Gifte PVL freisetzen. Die Bakterien dringen schnell in tiefere Hautschichten vor und können innerhalb weniger Tage zum Tode führen.
MRSA sind weltweit verbreitet und auch in Deutschland ist es in Krankenhäusern oder Altenheimen bereits des Öfteren zu schweren Erkrankungen gekommen, berichtet Dr. med. Ronald Woltering vom Gesundheitsamt in Höxter, Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Ostwestfalen (Weserbergland). Dr. Woltering wollte nun wissen, ob der Keim, von dem in den Medien so viel berichtet wurde, auch Höxter erreicht hat. Mit Unterstützung der zuständigen Landesämter in Münster und der Medizinischen Hochschule Hannover wurden deshalb Patienten aller Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen sowie Bewohner ausgewählter Seniorenheime untersucht. Ergebnis: Bei jeder vierzigsten Person (2,5 Prozent) wurden MRSA entweder im Nasenabstrich oder in Wundsekreten gefunden. Am häufigsten waren sie in den Akutkliniken, was nicht überrascht. Hier sind infolge des häufigen Antibiotikaeinsatzes die Bedingungen für eine Ausbreitung der Erreger sehr gut. Da viele Patienten anschließend in Reha-Einrichtungen betreut werden, hatte Dr. Woltering hier ebenfalls eine starke Verbreitung von MRSA erwartet. Aber nur bei 1,2 Prozent der Betreuten wurden die Erreger gefunden. Und die gefährliche Variante, die das Gift PVL freisetzt, wurde im ganzen Kreis Höxter kein einziges Mal nachgewiesen. Dr. Woltering sieht deshalb keine akute Gefahr für seinen Landkreis (und vergleichbare Regionen in Deutschland). Die Forderung, alle Patienten bei Aufnahme in die Klinik auf MRSA zu testen, hält er für übertrieben. Eine Ausnahme sieht er bei Menschen, die wegen eines Nierenversagens regelmäßig zur Dialyse müssen. Hier wurden die MRSA 11-mal häufiger als bei anderen Patienten gefunden. Dialysepatienten sollten deshalb regelmäßig untersucht werden. Auch Menschen, die innerhalb des letzten halben Jahres eine Infektion erlitten hatten, seien gefährdet. Der Nachweis der Bakterien in der Nase bedeutet übrigens nicht, dass sie unmittelbar gefährdet sind. Da sie aber andere Patienten anstecken können, sollten sie im Einzelzimmer isoliert und vorsorglich mit speziellen Antibiotika behandelt werden.
R. Woltering et al.:MRSA-Prävalenz in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen eines Landkreises.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (19): S. 999-1003