Wichtig sei für jedes Behandlungsteam daher, die Problematik zu erkennen und herauszufinden, ob der Patient in seinen täglichen Verrichtungen – beispielsweise beim sich Waschen, beim Anziehen oder Einkaufen – eingeschränkt sei. Das Aufstellen einer "Prioritätenliste" mit den aus Sicht des Patienten am dringendsten zu realisierenden Zielen trage dazu bei, seine Lebensqualität zu verbessern. Denn viele Krebsleidende interpretierten ihren mangelnden Appetit als Vorbote des "nahenden Todes". Dies führe wiederum zu existenziellen Belastungen und wirke sich negativ auf den Krankheitsverlauf aus, erläutern die Schweizer Mediziner. Vorrangig werde das Anorexie-Kachexie-Syndrom durch den Tumor verursacht. Viele Ursachen, die als Folge des Krebsleidens oder einer Chemotherapie aufträten, könnten allerdings durch einfache Behandlungsmaßnahmen korrigiert werden, betonen die Palliativmediziner vom Kantonsspital St. Gallen. Die Therapiemodelle, die ihrer Meinung nach die Appetitlosigkeit verbesserten, seien auf verschiedenen Ebenen zu suchen: Zum einen helfe den Betroffenen oft mehr körperliche Aktivität und eine intensive Ernährungsberatung. Zum anderen könnten darüber hinaus psychosoziale Beratungen und individuelle medikamentöse Behandlungen helfen. Bei Patienten, die beispielsweise auf Grund starker Schmerzen keinen Appetit hätten, könnte eine Erhöhung der Schmerzmedikation oder der Gebrauch von Morphin als Notfallmittel die Schmerzen erträglich machen und den Appetit verbessern. Eine andere Möglichkeit stellten zum Beispiel über den Tag verteilte kleinere Zwischenmahlzeiten, eine proteinreiche Ernährung oder Nahrungsergänzungsmittel dar, um einen weiteren Gewichtsverlust zu verhindern. F. Strasser, A. Omlin:
Ernährungstherapie bei Patienten mit fortgeschrittenem Krebsleiden – Diagnostik und Entscheidungsfindung
Aktuelle Ernährungsmedizin 2008; 33 (1): S. 31-34