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Gesundheitliche Ratschläge auf dieser Seite sind in jedem Fall unverbindlich. Ratschläge jeder Art und Form sind grundsätzlich in Verbindung mit einer fachlichen Diagnose mit einem Arzt oder Apotheker abzusprechen.



19.08.2008 03:15 Alter: 95 Tage

Hepatitis C: Gute Heilungschancen bei konsequenter Therapie

Von: Gesundheitsnews

fzm - Eine chronische Leberentzündung vom Typ Hepatitis C kann heute in den meisten Fällen mit einem guten Ergebnis behandelt werden. Voraussetzungen sind jedoch ein frühzeitiger Therapiebeginn und die Bereitschaft der Patienten über mehrere Monate die Nebenwirkungen der Medikamente zu ertragen. Daran scheitern viele Behandlungsversuche, wie Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) berichten. Sie hoffen auf neue, besser verträgliche Medikamente.

Die Hepatitis C wird heute mit den Medikamenten Interferon und Ribavirin behandelt. Das Ziel ist die dauerhafte Eliminierung der Viren, die Ursache der Leberentzündung sind, erläutern Professor Dr. Heinz Hartmann und Dr. Dietrich Hüppe von der Gemeinschaftspraxis Herne, einer von etwa 360 Behandlungszentren für die Erkrankung in Deutschland. Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden, doch mit den regelmäßigen Blutuntersuchungen und der Verabreichung der Medikamente ist es nicht getan. "Im Mittelpunkt des Behandlungserfolges steht die Compliance (Einhaltung der Therapie, d. Red.) der Patienten, unterstützt durch die ärztliche Motivation und ein Nebenwirkungsmanagement", betonen die beiden Experten. Die Behandlung ist für die Patienten äußerst strapaziös: Depressionen, Schlafstörungen, Juckreiz, Hautausschläge sind die häufigsten Nebenwirkungen, welche die Patienten ein halbes Jahr oder länger ertragen müssen. Viele Menschen mit Hepatitis C können sich deshalb nicht zu einer Therapie durchringen oder brechen sie vorzeitig ab, zumal die meisten durch die Infektion selbst keine oder nur eine geringe Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität haben. Dennoch raten die Experten zu einer frühzeitigen Therapie. Denn wenn erst die Leber geschädigt ist, sinken die Erfolgschancen. Auch ein hohes Alter und eine starke Viruslast im Blut wirken sich negativ aus.

 

Die Erfolgsaussichten der Therapie hängen stark von der Unterart des Hepatitis-C-Vius, dem Genotyp ab. Beim Genotyp 1 des Hepatitis-C-Virus erreicht etwa die Hälfte der Patienten das Therapieziel. Den Genotyp 1 finden die Mediziner überwiegend bei Menschen, die sich vor Entdeckung des Virus und vor Entwicklung eines Nachweistests durch Blutprodukte zum Beispiel bei Bluttransfusionen infiziert hatten. Diese Fälle werden seltener, da es weniger Neuinfektionen gibt. Häufiger ist heute der Genotyp 2/3, der in der Regel durch intravenösen Drogenkonsum übertragen wird. Diese Patienten sind trotz der besseren Therapiechancen die Sorgenkinder der Ärzte. Sozialer Abstieg und Drogensucht verhindern häufig, dass die Patienten die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Therapie mitbringen.

 

Die Mediziner aus Herne hoffen auf neue Medikamente, die sich derzeit in der klinischen Prüfung befinden. Sie könnten in Zukunft eine gezielte Therapie der Hepatitis C wie bei der HIV-Infektion möglich machen, erläutert Professor Thomas Pietschmann von der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Hepatitis-C-Virus wurde erst 1988, also später als das HI-Virus, entdeckt und Einzelheiten zum Aufbau und zur Vermehrung, die sogenannte Replikation, konnten erst in den letzten Jahren entschlüsselt werden. Während dieser Zeit wurden mehrere aussichtsreiche Wirkstoffe entwickelt, welche den Eintritt in die Leberzelle und die Replikation hemmen. Die Forschung zeigte aber auch, dass das Virus ähnlich wie das HI-Virus äußerst wandlungsfähig ist. Professor Pietschmann: Die Fehlerrate bei der Replikation ist enorm. Praktisch jeder Kopiervorgang enthält einen Fehler. Da bei Infizierten täglich eine Billion Viren gebildet werden, sei die Gefahr groß, dass es zu Mutationen kommt, welche die Viren vor den Medikamenten schützen. Wegen dieser Resistenzen werden die Patienten in Zukunft wie bei der HIV-Therapie häufig wechselnde Kombinationen mit mehreren Wirkstoffen benötigen.

 

D. Hüppe, H. Hartmann: Chronische Hepatitis B und C: Management in der Praxis.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (30): S. 1572-1577

 

T. Pietschmann et al.:Hepatitis-C-Virus-Zellkulturmodelle. Neue Perspektiven für Forschung und Klinik.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (30): S. 1580-1584