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10.11.2006 01:05 Alter: 2 Jahre

Adipositas (Fettleibigkeit)

Kategorie: A, Adipositas, F, Fettleibigkeit

Von: MedUni-Redaktion

Etwa jeder fünfte Heranwachsende gilt als übergewichtig und rund sieben Prozent sind sogar als fettsüchtig (adipös) zu bezeichnen.

Fettsucht gilt laut Weltgesundheitsorganisation WHO als Krankheit und die WHO spricht von einer „globalen Epidemie des 21. Jahrhunderts“. Weltweit gelten ebenso viele Menschen als übergewichtig wie unterernährt.

Anteil betroffener Kinder und Jugendlicher
Übergewicht im Kindesalter
Definition: Übergewicht
Ursachen für Übergewicht
Folgeerkrankungen
Empfohlene Untersuchungen
psychologische Untersuchung
Behandlung
Ernährungstipps
Wie kann man das Gewicht nach einer Gewichtsreduktion halten?

Anteil betroffener Kinder und Jugendlicher

Laut einer Studie der Wiener Sozialmedizinerin Prof. Rieder 2004 haben 28 Prozent der Buben zwischen 6 und 18 Jahren Übergewicht, bei den Mädchen in dieser Altersgruppe sind es 25 Prozent. Die Zahl der übergewichtigen Kinder ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen, laut einer Untersuchung aus Halle hat sich seit 1985 der Anteil der übergewichtigen Buben mehr als verdoppelt; bei den Mädchen war jedes dritte zu schwer – vor 15 Jahren war es jedes neunte. Etwa 40 Prozent der übergewichtigen Kinder haben auch als Erwachsene Übergewicht. Übergewicht hat neben körperlichen auch psychische Folgen.

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Übergewicht im Kindesalter

Gesunde Einjährige haben normalerweise bis zu 30 Prozent Körperfett und auch bei dicken Kleinkindern (jünger als drei Jahre) besteht noch kein erhöhtes Risiko, dass aus ihnen fettleibige Erwachsene werden. Laut einer Studie von Whitaker aus Cincinnati, bei der 854 Menschen über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren nach der Geburt untersucht wurden, steigt die Wahrscheinlichkeit, auch als Erwachsene übergewichtig zu sein ab einem Alter von drei Jahren aber an. Übergewichtige Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren haben eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent, dass ihnen eine Zukunft als übergewichtige Erwachsene bevorsteht; im Alter von 10 bis 14 Jahren sogar 67 Prozent. Je später eine Behandlung begonnen wird, umso schwieriger ist sie und umso geringer sind die Erfolgsaussichten.

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Definition: Übergewicht

Es gibt altersbezogene Normalwerte die angeben, welche Werte für Größe, Gewicht und den besonders aussagekräftigen Body-Mass-Index (BMI) in welchem Alter normal sind. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, dividiert durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Der Wert für die 90. Perzentile bedeutet beispielsweise, dass 90 % aller Kinder oder Jugendlichen in diesem Alter ein Gewicht unter dem betreffenden Wert haben. 

Dieser Wert ist altersabhängig; die folgende Tabelle zeigt jenen BMI-Wert, der als die altersabhängige Grenze zwischen Normal- und Übergewicht gilt:

 

Alter

7

8

9

10

11

12

13

14

BMI

18

18

19

20

21

22

23

24

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Ursachen für Übergewicht

Generell entsteht Übergewicht, wenn die Energiezufuhr den Energieverbrauch übersteigt. Die Ursachen sind vielfältig; neben psychischen Faktoren spielt natürlich die Ernährung und das Ausmaß der körperlichen Aktivität eine wesentliche Rolle. Gerade Jugendliche sind starker Werbung durch die Nahrungsmittelindustrie ausgesetzt. Prof. Rieder konnte zeigen, dass Sieben- bis Neunjährige täglich rund eineinhalb Mal mehr Fleisch und Wurst essen, als zu empfehlen wäre; hingegen nur etwas mehr als halb so viel Obst oder Gemüse wie empfohlen.

Chronischer Bewegungsmangel lässt das Körpergewicht kontinuierlich wachsen. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ergab, dass übergewichtige Kinder täglich mehr als zwei Stunden fernsehen. Ausdauertests ergaben eine deutlich reduzierte Kondition im Vergleich zu vor 25 Jahren. Es gibt auch Erbanlagen, die Übergewicht begünstigen können. Als diesbezügliche Ursache des Übergewichts werden immer wieder so genannte "thrifty genes" („Spar-Gene“) diskutiert. In früheren Zeiten mit wiederkehrenden Hungersnöten hatten Menschen demnach einen genetischen Vorteil, wenn sie bei Nahrungsüberfluss besonders schnell Reserven anlegten. Auch soziale Ursachen sind bekannt; laut einer Gesundheitsstudie des Berliner Senats waren im Jahr 2001 etwa doppelt so viele Schulanfänger aus sozial schwächeren Gruppen übergewichtig als Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus.

Was jedoch die Verwertung der Kalorien angeht, gibt es interessanterweise nach einer Untersuchung der Mayo Clinic keine nennenswerten Unterschiede zwischen Übergewicht und Normalgewicht, es zeigte sich vielmehr eine ganz andere Komponente: Die schlanken Testesser wurden durch eine hochkalorische Diät unruhig und aktiv und verbrannten bis zu zwei Drittel der überschüssigen Kalorien; die anderen lagerten sie als Hüftspeck ab. Laut einer neueren Theorie von Dhurandhar könnte auch ein Virus eine Rolle spielen, der so genannte Adenovirus 36 (Ad-36). Dieser Effekt wurde bisher lediglich bei Hühnern und Mäusen nachgewiesen. Neben Erbanlage, Ernährung und mangelnder Bewegung können auch verschiedene Krankheiten eine Rolle spielen, beispielsweise der Schilddrüse.

Vielfach unterschätzt werden allerdings noch immer die psychischen Faktoren, die Übergewicht verursachen können. Bei vielen Kindern wirkt Essen als Angstlöser und hilft gegen Stress und Langeweile.

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Folgeerkrankungen

Übergewicht kann zu einer Reihe von Folgekrankheiten führen.

In den USA kostet die Behandlung der Fettsucht bereits sieben Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben.

  • Das Risiko für hohen Blutdruck ist erhöht. In der Folge kann es zu Ablagerungen kommen, die die Blutgefäße verengen können (Arteriosklerose).
  • Ein Schlaganfall wird wahrscheinlicher.
  • Ein hohes Körpergewicht erhöht die Gefahr, eine Arthrose zu entwickeln.
  • Auch das Diabetes-Risiko steigt: Das Hormon Insulin wird zwar produziert, wirkt aber nicht mehr ausreichend.
  • Das Krebsrisiko (für Nierenkrebs) ist erhöht.
  • Atemnot und Kurzatmigkeit, das sogenannte Schlafapnoesyndrom.
  • Psychische Folgen
  • Soziale Folgen: Laut einer Studie von Gortmaker aus Harvard bekommen Übergewichtige pro Jahr 6700 Dollar weniger Lohn als Schlanke in vergleichbaren Positionen.

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Empfohlene Untersuchungen

Übergewicht ist nur in seltenen Fällen Ausdruck einer Grunderkrankung, dennoch sollte sowohl eine laborchemische als auch eine psychologische Untersuchung durchgeführt werden.

Man untersucht den Blutdruck, das Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin, Triglyzeride (nüchtern), Schilddrüsenwerte, sowie in Abhängigkeit von der familiären Belastung: Nüchternblutzucker, oraler Glukosetoleranztest, Homocystein, Kreatinin, Elektrolyte und Harnsäure im Serum.

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Die psychologische Untersuchung hat folgende Ziele

  • Gibt es einen Grund, der gegen eine Therapie spricht? (z. B. bei bestimmten Essstörungen wie Bulimie)
  • Die Unterstützung und Steuerung des Therapieprozesses
  • Das Bestimmen von Parametern für die Beurteilung des Behandlungserfolges.

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Behandlung

Grundsätzlich sollte jedem übergewichtigem Patienten eine Behandlung ermöglicht werden. Bei Kindern im Alter von 2 Jahre bis 6 Jahren, die übergewichtig sind, kann es ausreichend sein, das aktuelle Gewicht zu halten, das Übergewicht sinkt durch das Wachstum automatisch in einen altersgemäßen Normalbereich. Das Wichtigste ist sicherlich, sich mit dem Thema zu beschäftigen und eine positive Vorbildfunktion darzustellen. Ein wesentlicher Aspekt ist es, frühzeitig zu körperlicher Bewegung anzuregen und die Freude an der Bewegung zu fördern.

Meist beginnt man mit einem Ernährungsprotokoll mit dem man sich bewusst macht, was wirklich gegessen wird. Dieses sollte den Energiegehalt (Kalorien) und die Zusammensetzung der Nahrung beinhalten. In der Folge kann man zwar die Grundzüge seiner Ernährung beibehalten, aber man kann beispielweise Mengen oder Verhältnisse ändern. Auch ein gemeinsames Kochen mit den Kindern ist sehr hilfreich, damit die Kinder sehen, wie Nahrungsmittel entstehen. Ein wichtiger Punkt ist die Umstellung der Ernährung auf kalorienreduzierter Mischkost. Man soll sich realistische Ziele setzen, beispielsweise 1 kg im Monat abzunehmen; auch längerfristige Ziele wie ein Gewichtsziel für das nächste Jahr sind hilfreich. Es ist durchaus sinnvoll, einen Ernährungsplan mit einer Diätassistentin gemeinsam zu erstellen, auch eine entsprechende psychologische Unterstützung ist empfehlenswert.

Entscheidend ist auch regelmäßige Bewegung, hier vor allem Ausdauertraining.

Viele Eltern meinen, dass ihr Kind gar nicht viel ißt. Bei genauer Nachfrage stellt sich oft heraus, dass große Mengen an Limonade oder Cola konsumiert werden. Das ideale Getränk ist aber natürlich Wasser.

Gemeinsame Mahlzeiten gehören zu den effektivsten Methoden. Eine Untersuchung aus Israel schulte in einer Gruppe nur die Kinder und in einer anderen nur die Eltern. Das Ergebnis: Das Training der Eltern bewirkte eine stärkere Gewichtsreduktion bei den Kindern als ein alleiniges Training der Kinder selbst.

Für hochgradig übergewichtige Kindern kann man auch eine medikamentöse Therapie in Erwägung ziehen oder sogar einen operativen Eingriff, wie etwa eine Verengung des Mageneingangs ("Gastric Banding").

Folgende Medikamente stehen zur Verfügung: Xenical® bewirkt, dass der Körper etwa ein Drittel der Nahrungsfette nicht verwerten kann. Blähsucht, fette Stühle und manchmal Inkontinenz gehören zu den möglichen Nebenwirkungen.

Reductil® soll im Gehirn (im Hypothalamus) das Gefühl der Sättigung steigern. In klinischen Studien verloren Testpersonen in den ersten zwei bis drei Monaten ungefähr fünf Kilogramm. Dann aber blieb das Gewicht konstant – ehe es 15 Monate später wieder stieg.

Eine erfolgreiche Behandlung der extremen Adipositas ist nur in enger Zusammenarbeit zwischen Arzt, Psychologen, Ernährungsfachkraft, Sporttherapeut, etc. möglich.

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Ernährungstipps

  • Reichlich: Getränke (am besten Wasser oder zuckerfrei) und pflanzliche Lebensmittel
  • Mäßig: tierische Lebensmittel (fettarme Varianten)
  • Sparsam: fett- und zuckerreiche Lebensmittel
  • Die Gewichtsabnahme sollte langsam erfolgen; das ist erfolgreicher als eine Crashdiät.
  • Ernährungsprotokolle helfen bei der Planung.
  • Bevorzugen Sie frisches Obst und Gemüse.
  • Essen Sie an 2 bis 3 Tagen in der Woche kein Fleisch.
  • Die Zufuhr von Kalorien sollte nicht höher sein als der Kalorienverbrauch.
  • Kohlenhydrate: 5–6 Gramm je Kilogramm Körpergewicht
  • Fett: 0,8–1 Gramm je Kilogramm Körpergewicht
  • Eiweiß: 0,8–1 Gramm je Kilogramm Körpergewicht
  • Verbote für bestimmte Lebensmittel sollten nicht ausgesprochen werden.

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Wie kann man das Gewicht nach einer Gewichtsreduktion halten?

Oft folgt einer gelungenen Gewichtsreduktion eine noch stärkere Zunahme (Jojo-Effekt), besonders häufig nach einer übermäßig schnellen Gewichtsabnahme.

Crash-Diäten wie beispielsweise die Ananas-Diät oder nach Blutgruppen bringen zwar oft einen raschen Gewichtsverlust, aber das abgenommene Gewicht wird auch schnell wieder zugenommen, wenn man danach zu den alten Ess- und Bewegungsgewohnheiten zurückkehrt. Das einmal erreichte Gewicht zu halten ist aber das eigentliche Ziel, achten Sie also auf eine langsame Ernährungsumstellung, die auch beibehalten werden kann. Je langsamer die Abnahme erfolgt, desto grösser die Wahrscheinlichkeit dass das Gewicht gehalten werden kann!

Weiterführende Links:

http://www.essprobleme.at