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Netzhautablösung

Netzhautablösung

Der Fachausdruck für Netzhaut-Ablösung heisst Amotio oder vollständiger: Amotio retinae.

Die Netzhautablösung ist auch heute noch eine gefürchtete und nicht ganz ungefährliche Erkrankung des Auges und kann theoretisch zur Erblindung führen.

Das Auge besteht grundsätzlich aus drei Schichten, dem eigentlichen Augapfel, der weissen Lederhaut (Sklera), diese wird hinten ausgekleidet durch die sogenannte Aderhaut, einer sehr blut-gefässreichen Gewebeschicht (im oberen Schema hellblau eingezeichnet). Die Innenauskleidung des Augapfels besteht aus der eigentlichen Netzhaut (gelb), welche die Sehzellen (Photorezeptoren) und eine ganze Anzahl von Nervenzellen zur Übermittlung der Sehinformationen, sowie eine Vielzahl von Nervenfasern enthält. Rund eine Million dieser Nervenfasern gehen im Sehnerv aus dem Auge heraus ins Gehirn. Der Sehnerv ist im obigen Schema als „Zapfen“ dargestellt, welcher durch die Sklera aus dem Auge herausführt.

Wie entsteht eine Netzhautablösung?

Der häufigste Grund einer Netzhautablösung besteht darin, dass der Glaskörper, welcher das Auge ausfüllt, schrumpft und dabei an der Netzhaut zieht. Wir sprechen dabei von einer Glaskörper-Abhebung. Glaskörper-Abhebungen sind häufig, über 60% der Bevölkerung bekommen im Laufe des Lebens eine solche, d.h. die gallertige Masse, welche das Auge ausfüllt, verliert etwas an Wasser, degeneriert und schrumpft, wie ein Ballon, aus dem man Luft rauslässt. Manchmal entstehen bei diesem Schrumpfungsprozess optische Verdichtungen, die wir als schwarze oder graue Punkte, Schlieren, Mückchen o.ä. wahrnehmen (herumschwimmende Teilchen, auch Mouches volantes genannt; sind nur bei genügend heller Beleuchtung zu sehen, da wir die Glaskörper-Trübungen im Auge drin eigentlich nicht sehen können, sondern den Schatten wahrnehmen, der von diesen auf die Netzhaut geworfen wird.) Eine Glaskörperabhebung (Detachement of vitreous body) ist also häufig und in der Regel nicht gefährlich.

Glaskörperabhebung

In etwa 10% der Fälle geschieht diese Glaskörper-Abhebung aber relativ plötzlich und heftig = Akute Glaskörper-Abhebung. Dabei ziehen Glaskörperfasern kräftig an der Netzhaut. Wenn diese unglücklicherweise nicht loslässt, reisst sie manchmal ein (10% der Fälle der akuten Glaskörperabhebung) und es entsteht ein Netzhaut-Loch.

In 10 – 25% der Fälle entsteht dann aus diesem Loch eine echte Netzhautablösung, d.h. die im Auge befindliche Flüssigkeit wird hinter die Netzhaut gespült und löst diese von der Unterlage. Der Netzhaut werden damit wichtige Grundlagen von Ernährung und Sauerstoff-Versorgung entzogen und die Sehzellen sterben ab.

Diese Erkrankung kann in jedem Lebensabschnitt vorkommen, es können also sowohl jüngere wie auch ältere Patienten betroffen sein.

Glaskörperabhebung

Wie äussert sich die Netzhautablösung? Symptome?

Die Symptome einer akuten Glaskörperabhebung und einer beginnenden Netzhautablösung sind sehr ähnlich und lassen sich kaum unterscheiden. Es ist deshalb wichtig, dass Sie bei solchen Symptomen in jedem Fall sofort einen Augenarzt anrufen und Ihr Auge kontrollieren lassen. Bei der Kontrolle werden die Pupillen medikamentös erweitert, damit man mit speziellen Kontaktgläsern und Lupen die Netzhaut besser betrachten kann (Sie dürfen deshalb selbst nicht Auto fahren).

Folgende Symptome sind klassisch:

  • Blitzen oder seitliches bogenförmiges Leuchten im Auge, besonders deutlich in Dämmerung und Dunkelheit zu sehen, bei Kopfbewegung stärker ausgeprägt
  • Schatten im Auge, wie eine Wand oder eine grosse Blase, grösser werdend, von unten, oben, oder seitlich
  • Starke Vermehrung der Flocken, manche Patienten beschreiben „Spinnbubbele“ (Spinngewebe) und andere wilde Figuren
  • manchmal wird auch aufsteigender Rauch, Rauchwolken oder eine massive Vermehrung von kleinen schwarzen Punkten beschrieben, auch eine plötzliche Zunahme von Nebelerscheinungen sind typisch
  • Die Netzhaut hat keine Schmerzfasern, die Netzhautablösung tut also in der Regel nicht weh

Davon zu unterscheiden sind andere Schattenformen, z.B. totales Schwarzwerden vor einem Auge (oder gar vor beiden), welches meist etwas mit der Durchblutung zu tun hat, oder ein Flimmern, welches mit dem Blitzen im Auge nicht verwechselt werden darf, besonders wenn dieses in der Mitte auftritt (dabei kann es sich z.B. um einen Migräne handeln). Morgendliches Blitzen im Auge beim Öffnen derselben ist ebenfalls keine Netzhautablösung, sondern häufig eine Folge von trockenen Augen.

Gibt es Risikofaktoren?

Gewisse Voraussetzungen stellen ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung dar. Dazu zählen:

  • Familiäre Häufung von Netzhautablösungen bzw. erbliche Netzhauterkrankungen
  • Höhere Kurzsichtigkeit (ab etwa –5 Dioptrien ist das Risiko erhöht)
  • Augen, welche starke Erschütterungen oder Schläge erhalten haben oder einen Unfall erlitten haben
  • Augenoperationen
  • Diabetische Retinopathie
  • Netzhautablösung oder Degenerationen am anderen Auge

Kann man behandeln?

Weder für die Glaskörper-Abhebung noch für die Netzhautablösung gibt es eine medikamentöse Therapie.

Hingegen können Netzhaut-Löcher sehr gut mit dem Argon-Laser behandelt werden.

Netzhaut-Löcher

Wenn das Loch noch frisch ist und die Ränder nicht stark unterspült, lässt sich die Netzhaut rundherum sehr gut mit Laserstrahlen „verschweissen“. Dabei verklebt die Netzhaut rund ums Loch sehr gut mit der Unterlage und sie kann sich nicht mehr ablösen.

Diese Behandlung gelingt allerdings nicht in 100%, und manchmal muss trotzdem eine Augenoperation durchgeführt werden. In seltenen Fällen gibt es auch an einer anderen Stelle der Netzhaut ein neues Loch, und dieses muss wiederum behandelt werden.

Komplikationen?

Die Laserbehandlung ist relativ nebenwirkungsarm und schmerzfrei, allerdings gibt es bei Netzhautlöchern trotzdem Komplikationen. Eine der unangenehmeren Komplikationen ist die sogenannte epiretinale Fibroplasie, dabei bildet sich eine feine Membran vor der Netzhaut, welche diese zur Faltenbildung zwingt. Das Resultat ist eine verschlechterte Sehkraft und sogenannte Metamorphopsien, verzogene und verzerrte Abbildungen.

Netzhautoperationen

Im fortgeschrittenen Stadium einer Netzhautablösung kann nur noch eine Augenoperation das Auge retten. Dabei wird versucht, die Netzhaut mit einer geeigneten Methode wieder zum Anliegen zu bringen, also die Tapete quasi wieder an der Unterlage anzuheften.

Wieweit eine solche Augenoperation wieder zu einem normalen Sehen verhilft, ist von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von der Dauer der Ablösung, von der Art der Augenoperation, von der Grösse des abgelösten Teiles, von Vorschädigungen und anderem mehr.

Sofern der Patient aber rechtzeitig den Augenarzt aufgesucht hat, kann heute davon ausgegangen werden, dass sich wieder eine Sehkraft einstellt, welche Autofahren und lesen ermöglicht.

Eine Netzhaut-Operation ist immer eine komplizierte Sache und benötigt das Know-how und die Erfahrung eines spezialisierten Netzhaut-Chirurgen. Der Eingriff ist vorläufig noch immer mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden und kann nicht ambulant durchgeführt werden.

Welche Operations-Methode für das Auge in Frage kommt, entscheidet in der Regel der Operateur. Dabei spielen die Lage, Grösse und Dauer der Ablösung und die Anzahl der Löcher eine wesentliche Rolle.

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden: Die eine, etwas ältere Methode, drückt mit einer Plombe und/oder Cerclage (Bändchen ums Auge), welche meistens aus Plastik oder Silikonmaterial bestehen, die Netzhaut wieder an den alten Ort. Um dieses Material am Auge zu befestigen, muss die Bindehaut entfernt werden und das Auge so gedreht, dass man von aussen an die Stelle kommt, wo sich innen das Loch befindet. Die Netzhaut wird mit einem Kältestift vorgängig verschweisst.

Die jüngere Methode arbeitet von innen, das heisst man eröffnet das Auge und geht über ganz schmale Kanäle (meist dünner als 1mm) ins Auge hinein. Dabei kann der Glaskörper, welcher zum Ausriss der Löcher geführt hat, entfernt (abgesaugt)werden und auch die Flüssigkeit, welche schon hinter die Netzhaut gelaufen ist, kann man wieder wegsaugen. Meist muss dann mittels Gas oder spezieller Flüssigkeiten (Perfluorocarbone, Silikonöle) die Netzhaut wieder an den alten Ort gedrückt werden. Das Gas resorbiert sich in der Regel von alleine, eignet sich also nur für kurzdauernde Behandlungen, die anderen Substanzen müssen später in einer zweiten Augenoperation wieder aus dem Auge entfernt werden und werden deshalb dann eingesetzt, wenn ein längerer ?Druck? auf die Netzhaut ausgeübt werden muss. (Ergänzend sei hier zum besseren Verständnis angemerkt, dass der Hohlraum im Auge bei fehlendem Glaskörper durch normales ?Körperwasser? (entspricht etwa der physiologischen Kochsalzlösung) ersetzt wird). Auch diese Methode wird meistens ergänzt durch eine (intraoperative) Laserbehandlung, mit der die Netzhaut zusätzlich verschweisst wird.

Nebenwirkungen? Spätschäden?

Je komplizierter die Netzhautablösung, und je komplizierter die Augenoperation, desto häufiger ist auch mit Problemen zu rechnen. Diese sind vielfältiger Natur und können hier nicht im einzelnen aufgezählt werden. Eine häufige Komplikation ist zum Beispiel die Ausbildung eines grünen oder grauen Stares.

Es kommt auch immer wieder vor, dass trotz optimaler Technik die Netzhaut nicht halten will und sich wieder ablöst, was dann zu einem weiteren Eingriff führt.

Wenn man aber nichts unternimmt, geht das Auge unweigerlich verloren und erblindet. Manchmal führt es auch später zu Schrumpfungen, chronischer Rötung oder Schmerzen, in schlimmen Fällen muss das Auge ganz entfernt werden. Deshalb ist es möglich, dass in extremen Situationen der Augenarzt zu einer Augenoperation rät, obwohl das Auge eigentlich gar nicht mehr viel sieht, um wenigstens das Auge als solches zu retten.

Meist aber genügt heute ein einziger Eingriff, und Auge und Sehkraft sind wieder in Ordnung. Entscheidend ist, dass sich der Patient mit entsprechenden Symptomen unverzüglich beim Augenarzt meldet!

Muss ich nach der Augenoperation auf bestimmte Dinge Rücksicht nehmen?

Nach einer Netzhautoperation ist das Auge zunächst sehr empfindlich, etwa 3 Wochen ist auf Tragen von Lasten, langes Bücken, Reiben im Auge, Berührung mit Schmutz und Flüssigkeiten (wie bei anderen Operationen auch) zu verzichten. Davon ausgenommen ist die Behandlung mit dem Laser, da dieser keine augeneröffnende Operation darstellt. Eine gewisse Überempfindlichkeit des Auges bleibt häufig über viele Jahre bestehen (vermehrtes Blendungsgefühl, Schmerzen bei Wetterwechsel etc.).

Bei allen Eingriffen ist zu beachten, dass die Netzhaut in den ersten Wochen keine Erschütterungen verträgt: Auf alle anstrengenden Tätigkeiten sollte also verzichtet werden (wenig Lesen, TV ist aber kein Problem). Je nach Eingriff sind weitere Dinge zu beachten: Ist Gas im Auge, darf man nicht in die Berge und muss häufig bestimmte Kopfhaltungen einnehmen, z.B. auf dem Bauch schlafen. Über diese speziellen Massnahmen wird der Patient jeweils vor und nach dem entsprechenden Eingriff orientiert.

Im weiteren Verlauf empfehlen wir, gewisse Sportarten wie z.B. Bungee-Jumping, Boxen oder Squash-Spielen zu vermeiden, auch Tauchen oder Fallschirm-Springen kann u.U. nicht mehr ausgeübt werden.

Ansonsten kann aber davon ausgegangen werden, dass heutzutage, wenn der Patient sich rechtzeitig beim Augenarzt meldet, die Netzhautablösung mit einem guten Resultat behandelt werden kann. Schwerwiegende Probleme und bleibende Schäden sind selten geworden.